Für mehr Abstand in den Fahrzeugen

BSAG setzt private Reisebusse ein

Ab der kommenden Woche setzt die Bremer Straßenbahn AG angemietete Reisebusse im Linienverkehr ein. Die Strecke ins Güterverkehrszentrum soll damit entlastet werden. Die Politik freut sich darüber.
04.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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BSAG setzt private Reisebusse ein
Von Pascal Faltermann
BSAG setzt private Reisebusse ein

Welches Reisebusunternehmen ab Montag im Linienverkehr der BSAG eingesetzt wird, blieb noch geheim.

Frank Thomas Koch

Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) setzt ab kommender Woche angemietete Reisebusse im Linienverkehr ein. Das kommunale Verkehrsunternehmen verstärkt ab Montag, 7. Dezember, die Strecke ins Güterverkehrszentrum (GVZ) mit drei Fahrzeugen, die insgesamt 30 Fahrten am Tag übernehmen sollen. Das bestätigte BSAG-Sprecher Andreas Holling am Donnerstagabend. Auf den Linien 63 beziehungsweise 63S zwischen dem Bremer Hauptbahnhof und dem GHV werden dann „deutlich mehr Fahrten“ angeboten, kündigt das Unternehmen an. Um welches Bremer Reisebusunternehmen es sich handelt und was das alles kostet, war auf Nachfrage bei der BSAG nicht zu erfahren.

Weil es zu den Stoßzeiten im Berufs- und Schulverkehr immer wieder zu überfüllten Bussen und dichtem Gedränge an den Haltestellen kommt, hatten die CDU- und die FDP-Fraktion gefordert, private Busunternehmen einzusetzen. Nach und nach schlossen sich auch weitere Parteien an, weil die Corona-bedingten Abstandsregeln nicht immer einzuhalten waren. Die Verkehrsbehörde und die BSAG hatten den Vorstößen anfangs eine Absage erteilt. Bei den Reisebussen fehle es an Ticketautomaten, an Einrichtungen für die Ampelsteuerung und Barrierefreiheit, hieß es. Mehrere Bremer Reisebusunternehmen, darunter die Firma Frenzel-Reisen mit Doppeldeckern, hatten über den WESER-KURIER dann ihre Hilfe angeboten. Wenig später prüfte die BSAG den Einsatz.

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Jetzt sagt BSAG-Vorstandssprecher Hajo Müller: „Gerade im Weihnachtsgeschäft kennen wir die besonderen Anforderungen an die Mitarbeitenden am Logistikstandort GVZ. Wir freuen uns deshalb sehr, dass es uns gelungen ist, ab sofort deutlich mehr Fahrten anbieten zu können.“ Damit verstärke die BSAG trotz des aktuell hohen Krankenstands das Angebot für Pendlerinnen und Pendler im Berufsverkehr und zu den Schichtwechselzeiten. Der Einsatz der Reisebusse im Zusammenspiel mit den regulären Linien 63 und 63S ermöglicht laut dem Verkehrsunternehmen künftig beim morgendlichen Schichtwechsel einen sehr engen Takt. So fahren die Busse ab Hauptbahnhof beispielsweise binnen einer Stunde 14 Mal zum GVZ – von 4.58 bis 5.45 Uhr.

Gefahren werde laut BSAG mit drei modernen Doppeldeckern. Diese verfügen über rund 75 Sitzplätze, vergleichsweise breite Türen für den Ein- und Ausstieg sowie über eine Rampe und einen Stellplatz für Rollstühle. „Wir versuchen auch weiterhin, die Folgen der krankheitsbedingten Fahrtausfälle für die Kundinnen und Kunden so gering wie möglich zu halten. Trotz der nun gemieteten modernen Fahrzeuge müssen Reisebusse im Linieneinsatz eine Notlösung bleiben. Ihnen fehlen unter anderem die notwendigen technischen Geräte für den Linienbetrieb wie der BSAG-Funk zur Leitstelle oder die Ampelansteuerung“, sagt Hajo Müller. Das zusätzliche Angebot sei zunächst bis zum 23. Dezember befristet. In Anschluss werde die Nutzung der zusätzlichen Fahrten ausgewertet.

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„Die Linie 63 ist chronisch überlastet. Es ist sinnvoll und verantwortlich, zusätzliche schnellere Verbindungen mit Reisebussen wie hier punktuell zur Entlastung einzusetzen“, sagt Ralph Saxe, Verkehrspolitiker der Grünen. Das führe zu mehr Abstand in den Bussen und fördere das Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr.

„Ich freue mich, dass wir als Opposition etwas anregen konnten, was nun umgesetzt wird“, sagt Heiko Strohmann (CDU). Es sei ein gutes Zeichen, dass die Linie 63 ins Güterverkehrszentrum verstärkt werde. „Das hilft den privaten Unternehmen, die nun etwas Arbeit haben. Und es erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl im ÖPNV“, so Strohmann.

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Ähnlich sieht es Thore Schäck, Verkehrspolitiker der FDP: „Es ist das, was wir gefordert haben. Oppositionsarbeit wirkt.“ Bei der BSAG habe es zahlreiche Gründe gegen den Einsatz von privaten Reisebussen gegeben, umso erfreulicher sei es, dass nun die Vorschläge aufgenommen wurden. „Es ist eine Win-Win-Situation. Jetzt gilt es, schnell Erfahrungen damit zu sammeln, damit auch andere Strecken entlastet werden können“, so Schäck.

„Die BSAG wollte lange keine privaten Busunternehmen einsetzen“, sagt Michael Kaiser, Landesgeschäftsführer des Gesamtverbands Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) und zuständig für die Busbranche. Doch bundesweit passiere gerade etwas anderes, aus Köln habe er gehört, dass dort bis zu 120 Reisebusse eingesetzt werden. Welches Busunternehmen nun in Bremen eingesetzt wird, wusste auch Kaiser am Abend noch nicht.

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