Kommentar über die Geber-Konferenz

Weltweite Zusammenarbeit ist gefragt

Jeder Euro und jeder Dollar müssen in die Arbeit der Forscher zur Entwicklung eines Impfstoffes fließen. Denn solange nicht alle gemeinsam handeln, bleibt das Virus immer der Sieger, schreibt Detlef Drewes.
05.05.2020, 06:45
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Weltweite Zusammenarbeit ist gefragt
Von Detlef Drewes
Weltweite Zusammenarbeit ist gefragt

Mit Hochdruck wird an verbesserten Corona-Tests und an einem Impfstoff geforscht.

BRITTA PEDERSEN

Es war der tiefe Schock, dass das für völlig undenkbar Gehaltene nicht nur möglich, sondern auch nötig wurde, was der Politik ihre sonst üblichen Rituale entriss. Nahezu jeder Staats- oder Regierungschef, der bei der Geberkonferenz das Hohelied auf die globale Zusammenarbeit sang, hatte am Anfang der Coronavirus-Krise reagiert, wie es eigentlich längst als überwunden galt: Grenzen schließen, protektionistische Abschottung, Einigeln und alle Reserven horten.

Doch nun hat eine neue Phase begonnen – völlig unabhängig davon, ob der Lockdown schon gelockert oder erst noch ersehnt wird. Denn alle Staatenlenker begreifen, dass dies keine Krise ist, die man alleine und schnell lösen kann. Es hilft nichts, wenn das Virus in einigen Ländern besiegt wurde, es sich aber in anderen weiter ausbreitet. Wie auch immer die Normalität von morgen aussieht, es wird sie erst geben, wenn genügend Tests, ein Impfstoff für alle und Medikamente verfügbar sind.

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Die gestrige Geberkonferenz hat neben viel Geld für Forschung, Entwicklung und Produktion vor allem eines gebracht: Die Verantwortlichen der Länder sind zusammengerückt und haben – mit wenigen unbegreiflichen Ausnahmen – signalisiert, dass der Weg aus dem Stillstand nur gemeinsam zu schaffen ist. Dabei wäre es viel zu früh, wollte man von einem Aufbruch sprechen.

Ja, es ist beeindruckend, wie viele Forscher längst an geeigneten Präparaten zur Behandlung und zur Prävention arbeiten. Aber wer nach Anzeichen für einen schnellen Durchbruch sucht, sucht vergeblich. Es gibt vielversprechende Ansätze, sogar Indizien dafür, dass ein geeigneter Impfstoff am Ende nicht zum großen Marktschlager nur eines Konzerns und zur Hilfe für lediglich eine Nation wird, sondern dass auch die Industrie zusammenarbeiten und vor allem weltweit ein solches Gegenmittel produzieren wird, um es allen zu verabreichen – auch jenen, die es nicht bezahlen können.

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Dazu werden die starken Staaten noch tiefer in die Tasche greifen müssen, allen eigenen Problemen zum Trotz. Aber wer glaubt, er könne seine Schwierigkeiten für sich alleine überwinden, irrt. Immunität, und damit ein Schutz vor dem Virus, ist erst erreicht, wenn alle geimpft sind. Wer sich dieser solidarischen Seite der Globalisierung verweigert, bezahlt eine deutlich höhere Zeche.

Nichts wäre also fataler, als wenn die Geberkonferenz – wie so viele vor ihr – anschließend im Räderwerk von Organisationen und Staaten verschlissen würde. Jeder Euro, jeder Dollar müssen in die Arbeit der Forscher fließen. Was das Virus am Anfang zerstört hat, muss nun wiederhergestellt werden: eine ideologiefreie und konsequente globale Forschung zugunsten jedes Landes und aller Bevölkerungen. Das mag sich wie ein frommer Wunsch anhören, ist aber nicht mehr als eine nüchterne Einsicht. Solange nicht alle gemeinsam handeln und jeden Menschen heilen, bleibt das Virus immer der Sieger.

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