Etliche Häuser schon geschlossen Bremer Hotels stellen Betrieb ein

Die Bremer Atlantic-Gruppe der Kaufleute Kurt Zech und Joachim Linnemann lässt nur noch eines ihrer Häuser geöffnet. Andere Hotelbetreiber handeln ähnlich. Einer allerdings nicht.
23.03.2020, 06:16
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Bremer Hotels stellen Betrieb ein
Von Jürgen Hinrichs

Die Coronakrise hat in Bremen mit voller Wucht auch die Hotels erreicht. Etliche Häuser in der Stadt werden schließen oder sind schon nicht mehr geöffnet. Die Branche erlebt damit den stärksten Einbruch ihrer Geschichte.

Ein Beispiel sind die Hotels der Bremer Atlantic-Gruppe. Mit einer Ausnahme werden dort ab diesem Montag bis voraussichtlich Ende April keine Gäste mehr beherbergt, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. Betroffen sind die Häuser am Universum, an der Galopprennbahn, am Flughafen, in Vegesack und das Sail City in Bremerhaven. Lediglich das Atlantic Grand Hotel am Bredenplatz in der Bremer Innenstadt bleibt in Betrieb – mit den Einschränkungen, die von den Behörden zur Eindämmung des Coronavirus verfügt worden sind: Die Gäste müssen auf Bar, Sauna und Fitness verzichten. Auch das Restaurant ist geschlossen, liefert aber aufs Zimmer.

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Die Atlantic-Gruppe, ein Unternehmen der beiden Bremer Kaufleute Kurt Zech und Joachim Linnemann, ist binnen weniger Jahre rasant gewachsen und besitzt neben den Hotels in Bremen neun weitere Häuser, darunter eines in Österreich und zwei auf Sylt. Sie machen alle zu, bei einigen ist das bereits der Fall. Die Kette hat mit dem Grand Hotel also nur noch ein Glied. Das Vier-Sterne-Plus-Haus mit 234 Zimmern war erst vor zwei Jahren im großen Stil erweitert worden.

Prizeotel trifft die Krise „doppelt hart“

Frontal erwischt hat es auch die in Bremen gegründete Prizeotel-Gruppe. „Eine absolute Katastrophe“, sagt Geschäftsführer Marco Nussbaum. Er wird fünf seiner sieben Hotels definitiv schließen. Das Datum dafür ist der 1. April. Bei zwei der Zwei-Sterne-Häuser, darunter das an der Bremer Bürgerweide, bleibe die Entscheidung noch offen, erklärt Nussbaum. Die wirtschaftlichen Folgen mag er sich gar nicht vorstellen: „Das sind ungeahnte, nicht absehbare Ausmaße.“

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Prizeotel ist im Oktober von der Radisson Hotel Group übernommen worden und soll weiter wachsen. 13 Betriebe sind nach Angaben von Nussbaum zurzeit im Bau, die neuen Standorte verteilen sich auf Deutschland, Österreich, Belgien und die Schweiz. „Wir sind noch in der Entwicklungsphase, deswegen trifft uns die Krise doppelt hart“, sagt der Geschäftsführer.

Nussbaum sitzt im Vorstand des Hotelverbands Deutschland, dem etwa 1400 Beherbergungsbetriebe angeschlossen sind. „Wir gehören zusammen mit der Gastronomie zum Rückgrat der Wirtschaft“, betont der Unternehmer. Das Gastgewerbe umfasse rund 223.000 Betriebe mit mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten. Es sei jetzt dringend auf Unterstützung angewiesen. „Wir brauchen Liquidität, einen Nothilfe-Fonds.“ Die günstigen Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) seien gut gemeint, reichten bei Weitem aber nicht aus. Nussbaum: „Das verlagert die Probleme nur in die Zukunft.“ Benötigt würden praxistaugliche Regelungen, die in ganz Deutschland einheitlich gehandhabt werden müssten. „Es ist Alarmstufe rot, dunkelrot.“

Hotels Munte und 7Things bleiben vorerst offen

Detlef Pauls will seine beiden Betriebe vorerst nicht schließen. Dem Bremer Landeschef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands gehören in Universitätsnähe die Hotels Munte und 7Things. Insgesamt sind das 213 Zimmer und 51 Appartements. Gäste hat er zwar kaum noch, gerade mal eine Handvoll, seitdem Touristen auf Anordnung der Behörden nicht mehr übernachten dürfen und nur noch wenige Geschäftsreisende unterwegs sind, durchhalten will Pauls aber trotzdem. Wegen der Mitarbeiter, sagt der Hotelier: „Die verdienen ja nicht viel, das Kurzarbeitergeld wäre zu wenig.“

Er erlebe viel Solidarität unter seinen mehr als 100 Beschäftigten. Wer es sich erlauben könne, gebe schon mal ein paar bezahlte Stunden an die Kollegen ab. Großes Lob zollt Pauls auch den Regierungen im Bund und in Bremen. „Sie stehen vor einer Situation, die es noch nicht gab und machen das sehr gut“, meint der Dehoga-Chef, "die versuchen wirklich alles und wollen uns nicht im Regen stehen lassen“.

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Geöffnet bleiben in Bremen nach Stand vom Wochenende die beiden Hotels am Bürgerpark. Das Maritim fährt den Betrieb allerdings deutlich herunter, wie eine Sprecherin des Unternehmens erklärt. Im Parkhotel und den beiden anderen Häusern der Dorint-Kette logieren zum Beispiel Gäste, die nach Bremen gereist sind, um ihre Familien zu unterstützen.

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