Schulen, Veranstaltungen, Krankenhäuser

Coronavirus: Was Bremer jetzt wissen müssen

Bremen reagiert auf die Ausbreitung des Coronavirus: Schulen bleiben geschlossen und Veranstaltungen werden abgesagt. Ein Überblick, was Bremerinnen und Bremer jetzt wissen müssen.
14.03.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Carolin Henkenberens und Nico Schnurr
Coronavirus: Was Bremer jetzt wissen müssen

Unterstützung in der Krise: Rainer Zottmann (sitzend) wird die Senatskanzlei als Corona-Beauftragter unterstützen und mit Senatssprecher Christian Dohle (v.l.), Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Senatorin Claudia Bogedan zusammenarbeiten.

Sina Schuldt /dpa

Bis zum 14. April bleiben in Bremen sämtliche Schulen, Kitas und Kindertagespflegeeinrichtungen geschlossen, immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt. Wir geben einen Überblick, was Eltern und Schüler jetzt wissen müssen – und was sonst noch zu beachten ist rund um die Eindämmung des Coronavirus in Bremen.

Schulen und Kitas: Ab Montag bleiben Schülerinnen und Schüler, aber auch Kita-Kinder zu Hause. Das hat der Senat am Freitag entschieden. 122.000 Kinder und Jugendliche sind davon betroffen. Der Schritt ist präventiv, es habe bisher keinen bestätigten Corona-Fall an einer Schule gegeben, sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Die Schüler sollen für die erweiterten Osterferien Aufgaben erhalten, etwa über die Online-Plattform „itslearning“. Wie genau das ablaufen wird, besprechen Lehrkräfte noch.

Beschäftigte öffentlicher Schulen müssen deshalb am Montag zu einer Dienstbesprechung erscheinen. Lehrkräfte hätten in den zwei Wochen nicht frei, sie würden benötigt, etwa um Prüfungen für zusätzliche Termine für Abschlussprüfungen zu erstellen, sagte Bogedan. „Wir wollen sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss machen“, so die Senatorin. Auszubildende müssen mit dem Arbeitgeber klären, ob sie wegen der ausfallenden Berufsschule zum Dienst erscheinen sollen. Der Zentralelternbeirat reagierte positiv auf die Entscheidung des Senats. „Wir begrüßen das sehr“, sagte Vorstandssprecher Martin Stoevesandt. „Es hilft nicht, rumzujammern, sondern: Pobacken zusammenkneifen.“ Die Digitalisierung sei an Schulen unterschiedlich weit vorangeschritten, davon werde abhängen, inwieweit die Kinder das Online-Lernen nutzen können.

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Kinderbetreuung: Wohin mit den Kindern? Das fragen sich nun die Eltern. Beschäftigte bei der Feuerwehr, Polizei und im Gesundheitswesen können ihre Kinder am Montag wie gewohnt in die normale Kita bringen. Für sie wird eine Notbetreuung sichergestellt. Bis Dienstag will der Senat entscheiden, ob die Notbetreuung auf weitere Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur ausgeweitet wird, in der Ver- und Entsorgung zum Beispiel, erklärte Bogedan.

Mitarbeiter im öffentlichen Dienst erhalten die Möglichkeit, Sonderurlaub zu nehmen. „Wir appellieren an die Arbeitgeber, sich möglichst kulant zu zeigen“, sagte Bogedan. Die Unternehmensverbände im Lande Bremen und die Handelskammer unterstützen den Senat und appellieren an Betriebe wie Beschäftigte, individuelle Lösungen zu finden, über Heimarbeit, den Abbau von Überstunden oder eine unbezahlte Freistellung. Anspruch auf bezahlten Urlaub zur Kinderbetreuung besteht rechtlich nicht. Kinder in die Obhut der Großeltern zu geben, empfehle sie auf keinen Fall, sagte Bogedan.

Ältere Menschen sind besonders gefährdet, Kinder zeigen ersten Erkenntnissen von Forschern zufolge seltener Symptome. Auf Facebook boten am Freitag einige Bremer umgehend private Kindergruppen an. Unterläuft das nicht die Entscheidung? „Die Lösung ist nicht ideal“, sagte Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde. Aber wenn es sich nicht anders einrichten ließe, sei das eine Möglichkeit. Besonders gefährdete Personen sollten keine Kinder betreuen.

Veranstaltungen, Museen und Kino: Bislang sind Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen untersagt, ab 250 Teilnehmenden müssen sie beim Ordnungsamt angezeigt und Auflagen erfüllt werden. Jetzt sollen überall in Deutschland, auch bei weniger als 1000 Teilnehmern, nur noch Veranstaltungen stattfinden, die erforderlich sind für das Funktionieren von Staat und Gesellschaft. Die meisten Museen bleiben in Bremen vorerst geschlossen. Kinos schließen in Bremen vorerst nicht.

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Ämter und Behörden: Es ist laut Senat noch unklar, wie es sich auf die Öffnungszeiten und Angebote der Verwaltung auswirkt, wenn einige Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern von Montag an fehlen. Es empfiehlt sich, vor einem Besuch auf die entsprechende Website zu schauen.

Krankenhäuser: „Die Ausbreitung des Virus muss verlangsamt werden, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern“, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Derzeit gibt es 350 Betten für intensivmedizinische Behandlungen in Bremen. „Wir werden sehen, dass wir das noch ausbauen“, kündigte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) an. In Bremen sollen geplante, nicht zwingend notwendige Operationen verschoben werden. Das diene auch dazu, erklärte Bernhard, um Ärzte, Gerätschaften und Betten für mögliche Corona-Notfälle bereit zu halten.

Eine Anordnung oder Verfügung dazu gibt es dazu jedoch noch nicht. Laut Bovenschulte gibt es noch keine Entscheidung zu Besuchsverboten in Altenpflegeheimen. Am Montagmittag wird eine zweite Corona-Ambulanz am Klinikum Bremen-Ost eröffnen, bestätigte das Gesundheitsressort. Die Anlaufstelle soll das Testzentrum am Klinikum Bremen-Mitte entlasten. In der Corona-Ambulanz wird behandelt, wer Symptome aufweist und in einem Risikogebiet war, China etwa oder Italien. Oder Personen, die Kontakt mit einer infizierten Person gehabt haben. Vor allem müssen sie mit ihrem Hausarzt telefoniert haben. Ohne Überweisung gehe nichts, sagte Bernhard.

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Corona-Beauftragter: Rainer Zottmann, einstiger Leiter der Direktion Einsatz bei der Polizei, ist ab sofort Sonderbeauftragter der Senatskanzlei zur Koordinierung der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Er soll Bremens Vorgehen mit den anderen Bundesländern und dem Bund koordinieren. „Ich freue mich, dass Herr Zottmann keinen Moment gezögert hat, als wir ihn gefragt haben“, sagte Bürgermeister Bovenschulte. Zottmann kehrt für die Aufgabe aus dem Ruhestand zurück. Zwei Wochen habe er Zeit gehabt für Gartenarbeit, scherzte Zottmann. Jetzt ist der 63-Jährige wieder in Aktion.

Sport: Am Freitagmittag wurden auch noch die letzten Fußballspiele mit Bremer Beteiligung für dieses Wochenende abgesagt. Der Deutsche Fußball-Bund setzt den Spielbetrieb jetzt auch in der zweiten Frauen-Bundesliga und den A- und B-Junioren-Bundesligen aus, die Werder-Teams haben also einen freien Sonntag. Damit steht der Bremer Sport an diesem Wochenende und wohl auch für längere Zeit komplett still. Niemand weiß, wann und wie die Ligen in den verschiedenen Sportarten wieder ihren Betrieb aufnehmen. Und es erscheint möglich, dass nicht nur im Eishockey und Volleyball die Saisons vorzeitig beendet werden. Unklar bleiben Fragen nach Auf- und Absteigern.

Sportsenatorin Anja Stahmann hat am Freitag sämtliche städtische Sportanlagen und Sporthallen an Schulen in Bremen schließen lassen. Die Maßnahme greift ab Montag, betrifft alle Bezirkssportanlagen sowie Einzelsportanlagen und bezieht Hallen und Außenflächen gleichermaßen mit ein. Von Vereinen gepachtete Anlagen sind davon nur mittelbar betroffen, ihr Betrieb liegt in der Verantwortung der Vereine. Der Landessportbund Bremen (LSB) hat alle Vereine dazu aufgerufen, den Trainings- und Spielbetrieb bis zum 15. April einzustellen. Die Bremer Bäder bleiben nur noch an diesem Wochenende geöffnet, ab Montag werden auch sie komplett geschlossen. Die Saunen sind allerdings schon ab diesem Sonnabend nicht mehr zugänglich.

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„Wir bedauern diesen Schritt sehr, da einmal mehr deutlich wird, welch hohen Stellenwert der organisierte Sport für die Bevölkerung hat“, sagte LSB-Präsident Andreas Vroom. Auch Stahmann bat um Verständnis. „Uns ist bewusst, wie sehr diese Entschei­dungen den Breitensport und den Leistungssport im Lande Bremen treffen“, erklärte sie und fügte an: „Wir dürfen aber die Erkenntnis von Virologen nicht in den Wind schlagen, dass die Verbreitung des Virus sich nur mit drastischen Maßnahmen merklich verlangsamen lässt.“

Bremen 1860, nach Werder Bremen der zweitgrößte Sportverein an der Weser, wird seine vereinseigenen Hallen ebenfalls schließen. „Wir machen unsere Hallen bis zum 14. April zu“, kündigte 1860-Geschäftsführer Sebastian Stern an. Der Verein streicht auch seine Skifreizeit, Ferienbetreuung und Seminare, zeigt sich in der Not aber erfinderisch. Stern plant ab Dienstag einen Live-Stream mit Yoga-, Zumba- und anderen Sportkursen, um Bremer und Bremerinnen trotzdem in Bewegung zu halten. „Das ist zwar eine große technische Herausforderung, aber wir wollen das auf jeden Fall angehen“, sagte Stern. Der Stream soll ab Dienstag über die Homepage www.bremen1860.de laufen.

Die Tischtennis Bundesliga (TTBL) hat am Freitag den 22. und damit letzten Spieltag ersatzlos gestrichen, die Hauptrunde ist somit vorzeitig beendet. Die Play-offs, die Werder Bremen als Tabellenvierter erreicht hat, sind allerdings bis mindestens zum 17. April ausgesetzt. Werder würde dann im Halbfinale auf den 1. FC Saarbrücken treffen, der die Saison auf Platz eins beendete. Wann genau gespielt wird, will die TTBL noch festlegen.

+++ Dieser Artikel wurde um 10.59 Uhr aktualisiert. +++

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