Susanne Breder und Petra Niemann bringen in ihrer Galerie neue Farben an die Münchener Straße

Crossover-Kunst und lebendige Geschichte

Regensburger Straße. Seit einiger Zeit ist es an der Münchener Straße 40 sichtlich bunter geworden. Statt – wie früher – Obst und Gemüse führen die neuen Geschäftsinhaberinnen ihre eigene Kunst im Sortiment.
29.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Crossover-Kunst und lebendige Geschichte

Susanne Breder (rechts) und Petra Niemann freuen sich auf viel Besuch in ihren offenen Ateliers an der Münchener Straße 40. Die beiden Wallerinnen haben in Findorff schöne Räume für Kunst und neue Ideen gefunden.AVE·

Roland Scheitz

Seit einiger Zeit ist es an der Münchener Straße 40 sichtlich bunter geworden. Statt – wie früher – Obst und Gemüse führen die neuen Geschäftsinhaberinnen ihre eigene Kunst im Sortiment. Susanne Breder und Petra Niemann haben sich dort Ateliers und Galerieräume eingerichtet und laden nun zum Hausbesuch ein.

Und was sie zu zeigen haben, lässt sich gar nicht unter einem einzigen Überbegriff zusammenfassen. Denn es ist so individuell wie die beiden Gastgeberinnen selbst. Petra Niemann hat ihren Galerie-Part „Kunst-Flash“ genannt. Sie findet ihre Motive auf der ganzen Welt: Es sind Menschen und Tiere, Natur, Licht, Farben und Kunstformen, die sie unter anderem bei ausgedehnten Reisen in Südamerika und Asien entdeckt hat. „Tier trifft Farbe“ heißt die aktuelle Ausstellung.

Petra Niemann malt Bilder überbordender Begeisterung für die Schönheit der Welt in lebendigen, kraftvollen Farben und detailreichen, oft kaleidoskop-artigen Strukturen. Von kunstwissenschaftlichen Kategorien lässt sie sich in ihrer oft großformatigen Malerei nicht eingrenzen. Ihre „Crossover-Kunst“ ist inspiriert von afrikanischer oder asiatischer Kunst, erinnert mitunter aber auch an Expressionistisches und Surrealistisches, an Picasso oder Franz Marc.

Susanne Breder entdeckt ihre Ideen und Materialien dagegen im wahrsten Sinne des Wortes vor ihrer Haustür: Denn sie liebt vor allem das, woran andere achtlos vorübergehen. In ihren Collagen oder Installationen setzt sie die Schönheit des Vergänglichen in Szene. Dafür verarbeitet sie zum Beispiel Schlösser und Türgriffe, an denen sichtlich der Zahn der Zeit genagt hat. Das Vorbild für das fast orientalisch anmutende Tor-Ornament auf dem Gemälde, das zurzeit im Schaufenster ausgestellt ist, steht überraschenderweise in Sebaldsbrück, erzählt Susanne Breder, die ihren Galerie-Anteil „HistoryB“ nannte.

Ihre eigene Faszination an der Vergangenheit möchte sie nun auch bei lokalhistorischen Rundgängen vermitteln. Unter dem Titel „Um Pudding“ führt Susanne Breder nach Vereinbarung zu Stadtteil-Spaziergängen, die Geschichte erlebbar machen sollen. Für ihre Exkursion in die Nachkriegszeit im Bremer Westen schlüpft sie zum Beispiel in die Rolle einer fiktiven Zeitgenossin – und in ein Kleid, das sie stilgerecht aus einer alten Tischdecke genäht hat. Ihre Erzählungen basieren gleichwohl auf historischen Fakten und authentischen Zeitzeugenberichten.

Dass Petra Niemann, 49 Jahre und gelernte Tischlerin, und Susanne Breder, 51 Jahre und von Beruf Erzieherin, einmal in Findorff ein gemeinsames Galerie-Atelier führen, war alles andere als geplant, sondern eine glückliche Fügung, erzählen die beiden Künstlerinnen, die im benachbarten Walle zu Hause sind.

Eigentlich sei sie im vergangenen Sommer nur auf der Suche nach einem Werkstattraum gewesen, erklärt Susanne Breder. Beim Vorbeifahren war ihr Auge dann auf das leer stehende Ladengeschäft an der Münchener Straße gefallen. Die Idee lag nahe, die Kunstfreundin und Gartennachbarin Petra Niemann als Partnerin ins Boot zu holen. Es folgte ein Gespräch mit dem Vermieter, ein Angebot zu guten Konditionen und die Entscheidung: „Das leisten wir uns“, so Breder.

Und nun freuen sich beide darüber, wie freundlich die Findorffer Nachbarschaft den vielfarbigen Neuzugang aufgenommen hat. In Zukunft versprechen sie noch viel mehr buntes und kunstsinniges Leben an der Münchener Straße.

Den Anfang machen am Dienstag, 14. Juli, die Bremer Krimiautoren René Paul Niemann und Mirjam Phillips, die ausgewählte Geschichten aus der Bremer Stadtteilkrimi-Anthologie „Etwas Besseres als der Tod“ lesen werden.

Auch Kinder sind an der Münchener Straße gerne gesehene Gäste. Für sie bietet Susanne Breder auf Anfrage „Blitz-Theater“ zum Mitmachen an – eine kreative Option, verregnete Sommertage zu verbringen oder eine kleine Geburtstagsgesellschaft zu beschäftigen.

Ateliers und Galerie an der Münchener Straße 40 sind werktags von 16 bis 19 Uhr und sonnabends zwischen 12 und 14 Uhr geöffnet. Susanne Breder kann über die Facebook-Adresse „HistorysB“ kontaktiert werden. Ausführliches über Petra Niemann findet sich im Internet unter der Adresse www.Kunst-Flash.de.

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