Sechs Fragen zur Veranstaltung

So soll der CSD in Bremen in diesem Jahr stattfinden

Der Christopher Street Day findet am Wochenende unter strengen Auflagen in Bremen statt. Trotz Corona beginnt der Demonstrationszug um 12 Uhr am Altenwall. Geplant ist auch eine Malaktion am Hauptbahnhof.
20.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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So soll der CSD in Bremen in diesem Jahr stattfinden
Von Maurice Arndt
So soll der CSD in Bremen in diesem Jahr stattfinden

Aktuelle Fälle in Bremen haben dafür gesorgt, dass der CSD auch dieses Jahr auf der Straße und nicht online stattfindet.

Torsten Spinti

Am Wochenende steht der Christopher Street Day (CSD) an – trotz Corona, dafür mit strengen Auflagen, die die Organisatoren sich selbst auferlegt haben. Zudem ist die Veranstaltung in diesem Jahr auf zwei Tage aufgeteilt mit einer Kundgebung am Freitag und dem Demonstrationszug am Samstag. Eine Absage aufgrund der Corona-Pandemie stand im Raum, wurde letztlich aber aufgrund aktueller Geschehnisse verworfen.

Welche Themen stehen beim Demonstrationszug am Samstag im Fokus?

Der Zug beginnt um 12 Uhr am Altenwall. Robert Dadanski, Vorstand des CSD Bremen, erklärt: „Der Strafantrag gegen den Pastor Olaf Latzel, der gegen uns hetzt, wird Thema sein. Der zweite Punkt ist ein aktuell vorliegender Strafantrag, der gegen mehrere Lehrer der Freien Evangelischen Bekenntnisschule Bremen vorliegt.“ Dabei gehe es um die Misshandlung eines Trans-Schülers. Dadanski weiter: „Alles, was in den deutschen Nachbarländern, vor allem Polen, passiert, werden wir ebenfalls thematisieren.“ Dort würden Zonen eingerichtet, in denen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Geschlechtsidentität nicht erwünscht seien.

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Warum findet der CSD trotz Corona in diesem Jahr auf der Straße statt?

Es gab Überlegungen, die Veranstaltung online stattfinden zu lassen. „Allerdings haben der Fall Latzel und der neue Fall an der Schule für ein Umdenken gesorgt, weil es beides Bremer Fälle sind“, sagt Dadanksi, der sich deshalb gezwungen sehe, auf die Straße zu gehen. Denn: „Online könnten wir nie so viel Aufmerksamkeit auf unsere Themen lenken, wie auf der Straße.“

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Welche Auflagen müssen während der Demo eingehalten werden?

Vonseiten der Behörden gibt es nur eine Regel: Abstand halten. Die Organisatoren des CSD gehen aber noch einen Schritt weiter: Masken sind Pflicht, Alkohol ist verboten und es wird keine Musik geben. Das sei jedoch in nicht weiter schlimm, da bei der Veranstaltung in Bremen ohnehin noch nie die Party im Vordergrund gestanden habe, sagt Dadanski, und weiter: „Das Ganze wird von unseren Ordnungskräften vor Ort kontrolliert, zudem hängen entlang der gesamten Route Hinweisplakate.“

Darüber hinaus finde nach dem Umzug keine Kundgebung statt und es werde keine vom CSD organisierte Party geben. Dadanski: „Wir raten auch davon ab, selbst welche zu organisieren.“

Was ist für die Kundgebung am Freitag geplant?

Auf dem Bahnhofsvorplatz soll eine große Regenbogenflagge mit Flüssigkreide auf den Boden gemalt werden. Parallel werden verschiedene Sprecher die Möglichkeit haben, auf der Bühne Reden zu halten, verschiedene queere Einrichtungen präsentieren sich vor Ort mit Ständen. „Auch das wird ohne Musikprogramm stattfinden und das Malen der Flagge wird von uns organisiert. Da können leider nicht einfach alle Menschen dran teilnehmen“, erklärt der CSD-Chef.

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Welche Personengruppe soll mit der Malaktion angesprochen werden?

Unter anderem Leute, die bisher nichts mit dem CSD zu tun hatten. Auf dem Bahnhofsplatz habe man die Möglichkeit, Personen auf sich aufmerksam zu machen, die sonst den Kundgebungsplatz nicht queren würden. Unter anderem die Pendler hat Robert Dadanski dabei im Blick. „Wir haben die Möglichkeit, Kontakte herzustellen und zu zeigen, dass es Angebote gibt, falls man sie braucht“, sagt er.

Eine Wiederholung der Aktion beim CSD im kommenden Jahr in einer abgewandelten Form hält der CSD-Vorstand deshalb für denkbar, sofern die Resonanz gut ist.

Welchen Einfluss hat die Black-Lives-Matter-Bewegung auf den CSD?

Keinen direkten. Der CSD sei „schon immer darauf bedacht gewesen, diese Aspekte mitaufzunehmen. Wo ist denn der Unterschied, ob man wegen Hautfarbe oder Sexualität diskriminiert wird“, fragt Dadanski. Zumal die Bewegung nicht neu sei, bloß aktuell. „Deshalb weisen wir in diesem Jahr noch mal explizit auf ihre Themen hin, indem wir die Plakate mit unseren Corona-Regeln entsprechend gestaltet haben.“

Info

Zur Sache

Kundgebung am Freitag auf der Kippe

Nach der Kundgebung muss der CSD vermutlich die Regenbogenflagge wieder abwaschen. Das teilte das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) den Organisatoren mit. Weil die das CSD-Organisationsteam das für bedenklich hält, könnte die Kundgebung noch abgesagt werden.

Beim CSD war man nach Gesprächen mit dem ASV davon ausgegangen, es reiche, wenn sich die Flüssigkreide von alleine abwasche. Eine offizielle Aussage dazu gab es nicht, wie auch Jens Tittmann, Sprecher im Verkehrsressort, bestätigt. „Wir kennen die Kreide bisher nicht, es könnte eine Rutschgefahr bestehen. Allerdings fährt im Anschluss eine Kehrmaschine mit Wasser über den Platz.“ Das reiche vermutlich zum Entfernen der Farbe.

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