Da Rocco: Zeitreise ins Flaschenland

Gibt es eigentlich eine Statistik, die Auskunft darüber gibt, wie hoch der Anteil der italienischen Restaurants im gastronomischen Gesamtangebot Bremens ist? Gefühlt sind es nämlich gut und gern 75 Prozent. So viel dazu, dass an dieser Stelle nach dem "Napoli" in der vergangenen Woche schon wieder ein Italiener bedacht wird. Noch dazu einer mit klassischen Gerichten auf dem Tisch: Pasta und Pizza. Aber ich verspreche, jetzt erst einmal eine längere Italien-Pause einzulegen. Schade eigentlich, denn es schmeckt doch so gut! Das gilt auch für das Essen im Da Rocco.
16.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helge Dickau

Gibt es eigentlich eine Statistik, die Auskunft darüber gibt, wie hoch der Anteil der italienischen Restaurants im gastronomischen Gesamtangebot Bremens ist? Gefühlt sind es nämlich gut und gern 75 Prozent. So viel dazu, dass an dieser Stelle nach dem "Napoli" in der vergangenen Woche schon wieder ein Italiener bedacht wird. Noch dazu einer mit klassischen Gerichten auf dem Tisch: Pasta und Pizza. Aber ich verspreche, jetzt erst einmal eine längere Italien-Pause einzulegen. Schade eigentlich, denn es schmeckt doch so gut! Das gilt auch für das Essen im Da Rocco.

Aber zunächst einmal zur Einrichtung des kleinen Lokals in Westend. Flaschen, Flaschen, nichts als Flaschen! Im Regal an der Wand: Weinflaschen. Von der Decke hängen: leere Flaschen. Auf der Theke stehen: Likörflaschen. Dabei auch zwei große, gedrehte Exemplare mit einer dunklen Flüssigkeit darin. Sogar auf einem Spiegel ist eine Flasche Kräuterlikör abgebildet. Das erinnert an eine Zeit, als Gemütlichkeit noch bedeutete, in einem kleinen Raum möglichst viel Deko unterzubringen.

Dazu kommt viel dunkles Holz, auch an der Decke. Und die Tische stehen so eng, dass man beim Aufstehen an die Stuhllehne des Hintermannes stößt – und die schlüpfrigen Gespräche am einen knappen Meter entfernten Nachbartisch bekommt man auch noch mit. Das Da Rocco hat Flair, das muss ich zugeben, und viele Menschen mögen das offenbar: Der Laden brummt. Ich persönlich mag es aber nicht, es ist einfach zu eng, zu dunkel und zu voll für meinen Geschmack. Deshalb, bevor Sie mir mit Klagen kommen: Die Wertung ist natürlich sehr subjektiv, und jeder ist herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen.

Jetzt aber zum Essen. Das Da Rocco bietet mittags ständig Pasta und Pizza zu günstigeren Preisen an, hinzu kommen aktuelle Gerichte, die auf einem Spiegel schriftlich festgehalten sind. Bei unserem Besuch stehen zum Beispiel Salsiccia, Rind in Rotwein und Lachs drauf, für Preise irgendwo zwischen acht und 16 Euro. Während mich die Spaghetti mit Spinat und Gambas anlachen (8,50 Euro), nimmt mein Kollege die Pizza alla Daniele mit Mozzarella, Parmesan, Prosciutto und Rucola für 6,50 Euro.

Dazu gehört noch eine kleine Vorspeise. Wir können uns nicht zwischen der Suppe und dem Salat entscheiden – der Chef, der zwischendurch mit seinen Gästen einen Plausch hält, hilft uns auf die Sprünge. "Salat ist gesund", sagt er, und das wäre auch dieser Salat, wenn nicht so viel Öl dran wäre. Trotzdem schmeckt er aber gut, vor allem, weil ein Stückchen Bruschetta und ofenfrische Brötchen dazu gehören. Blitzschnell kommen dann auch schon die Hauptgerichte.

Beide überzeugen uns. Die Spaghetti sind genau richtig al dente gekocht und liegen in einem tomatigen, flüssigen Sud. Darin befinden sich der Spinat und reichlich Gambas, alles schmeckt frisch, würzig, rundum gelungen und wirklich toll. Und auch die Pizza kann sich sehen lassen: Nicht nur die Rucola-Blätter, auch der geräucherte Schinken und die Parmesan-Späne wurden nach dem Backen draufgelegt, darunter schmilzt der – ja, wer eigentlich? Für Mozzarella, wie in der Karte angegeben, ist der Käse nämlich erstaunlich würzig. Uns soll es recht sein, weil es einfach lecker ist. Der Teig ist schön zart, allerdings hätte die Pizza noch eine kleine Minute länger im Steinofen bleiben können. Insofern: eine fast rundum gelungene Pizza.

Das Fazit fällt entsprechend positiv aus: Das Da Rocco bietet eine sehr gute, im Verhältnis zur Leistung preisgünstige Küche mit klitzekleinen Schönheitsfehlern, vor allem beim Salat. Wir trafen auf einen aufmerksamen, familiären und sehr schnellen Service. Lediglich das Ambiente bleibt Geschmackssache.

Da Rocco, Wartburgstraße 8, 28217 Bremen, Telefon 3961988. Sonstige Preise: Wasser (0,2) 1,50 Euro, Softdrinks (0,2) 1,60 Euro, Bier (0,3) 2,30 Euro, Wein (0,25) ab 3,50 Euro, Espresso 1,50 Euro.

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