Blutspenden immer wichtiger Darum wird Blutspenden noch wichtiger

Werder-Sportchef Frank Baumann ist Botschafter für das Deutsche Rote Kreuz in Bremen. Als solcher wirbt er auch für das Thema Blutspende. Ärzte fürchten, dass Engpässe künftig nicht nur in Ferienzeiten drohen.
23.09.2018, 21:47
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Darum wird Blutspenden noch wichtiger
Von Sabine Doll

Fast wäre es ein neuer Rekord geworden: Acht Tage lang hatte das Deutsche Rote Kreuz in Bremen zur Blutspende auf der Hanse-Life in der Messehalle 5 auf der Bürgerweide eingeladen. 1290 Menschen haben diese Gelegenheit genutzt, um mit ihrer Spende zum potenziellen Lebensretter zu werden. „Die Hanse-Life ist jedes Jahr unser größter Blutspende-Termin in der Stadt“, sagt der DRK-Sprecher Lübbo Roewer. Am Donnerstagnachmittag besuchte Werder-Sportchef und Bremer Rotkreuz-Botschafter Frank Baumann den Stand, um für das Thema Blutspenden zu werben.

Jeden Tag werden in Deutschland rund 15.000 Blutspenden benötigt, doch nur rund drei Prozent der Deutschen spenden regelmäßig. Es könnten aber deutlich mehr sein, die gesetzlichen Vorgaben erlauben bis zu 33 Prozent die Blutspende. Eine weitere Zahl aus der Statistik: Auf der anderen Seite brauchen nach Angaben des DRK-Blutspendedienstes rund 80 Prozent der Menschen wenigstens einmal im Leben fremdes Blut oder daraus erzeugte Produkte wie beispielsweise Medikamente.

Bremen steht bei Bereitschaft zur Blutspende gut da

Bislang kommt es vor allem in Ferienzeiten, zu Großereignissen wie Fußball-Weltmeisterschaften oder in heißen Sommerwochen zeitweise zu Engpässen bei den Konserven. In diesem Jahr kamen alle drei Kriterien auf einmal zusammen, weshalb das DRK, Kliniken und andere Anbieter im Juli und August dringend zu Spenden aufriefen. Das Dilemma: Blutkonserven sind nur begrenzt haltbar, weshalb keine größeren Bestände als Vorräte angelegt werden können. Wie der WESER-KURIER berichtete, meldete auch der DRK-Blutspendedienst für Bremen und Niedersachsen in diesem Sommer einen Engpass bei den Blutkonserven. Sommerferien, Fußball-WM und vor allem die monatelange Hitze hatten zu bundesweiten Engpässen geführt.

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Medizinische Verbände wie die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) warnen davor, dass Engpässe bei Blutkonserven künftig nicht mehr nur auf Ferienzeiten und andere Konstellationen beschränkt sein könnten: „Der Anteil der Vollblutspender an der Gesamtbevölkerung ist zwischen 2008 und 2016 von 3,3 Prozent auf 2,8 Prozent gefallen“, sagte Professor Dr. Siegfried Görg, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, am vergangenen Dienstag bei einer Pressekonferenz zur Jahrestagung der Gesellschaft. Grund dafür sei zum Teil der demografische Wandel: Es gebe immer mehr ältere Menschen, dafür aber immer weniger jüngere.

Die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1950er- und 1960er-Jahren würden heute noch einen signifikanten Beitrag der Blutspenden leisten, doch die Babyboomer kämen langsam in die Jahre, heißt es in einer Mitteilung. Sie seien bald in einem Alter, in dem sie nicht mehr spenden könnten, andererseits würden sie möglicherweise bald selbst Spenden benötigen. Die Transfusion von Blut und Blutprodukten zähle zu einer der häufigsten und wegen moderner Untersuchungsmethoden auch sehr sicheren Therapie in der Medizin. „Im Vergleich zu anderen Bundesländern steht Bremen sehr gut bei der Bereitschaft zur Blutspende da, das trifft vor allem auch auf junge Menschen zu“, sagt Roewer.

Das prominente Gesicht

Gut 30 Prozent der Spender im vergangenen Jahr waren laut Bremer Statistik unter 30 Jahre alt. Um die Bereitschaft über das ganze Jahr auf einem hohen Niveau zu halten und Nachwuchs-Spender zu motivieren, organisiert das DRK neben vielen kleineren im Stadtgebiet auch größere Termine an besonderen Orten. „Zum Beispiel im Innenraum bei den Sixdays oder in der Jacobs University. Bei dem Termin in der Uni im vergangenen Jahr hatten wir mit 35,6 Prozent den höchsten Anteil von Erstspendern“, so der Sprecher.

Im vergangenen Jahr hätten bei insgesamt 162 Terminen 13 157 Menschen Blut gespendet. 2087 von ihnen das erste Mal – das ist ein Anteil von 15 Prozent. Zu den besonderen Orten mit besonders vielen Blutspendern zählen laut Roewer auch die Fatih-Moschee in Gröpelingen und das Weserstadion. „Der Termin im Stadion kommt immer sehr gut an, weil die Spender dabei auch die Möglichkeit haben, einmal hinter die Kulissen von Werder Bremen zu schauen.“

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Werder-Sportchef Frank Baumann ist außerdem das prominente Gesicht des DRK-Kreisverbandes Bremen. Seit acht Jahren wirbt er als Rotkreuz-Botschafter für die Projekte des Kreisverbands – unter anderem für die Blutspende. „Für mich ist das ein ganz wichtiges Thema, Blutspenden rettet Leben, deshalb möchte ich mit meinem Einsatz als Botschafter möglichst viele Menschen dazu aufrufen“, betont der frühere Werder-Spieler. Baumann will nicht nur werben, auch er spende Blut, als Botschafter auch bei offiziellen Terminen.

„Zurzeit ist das allerdings nicht möglich, da mein aktueller Impfstatus überprüft wird“, sagt er. Termine wie im Weserstadion oder am vergangenen Donnerstag bei der Hanse-Life nehme er sehr gerne wahr – „um den Spendern und vor allem auch den ehrenamtlichen Helfern Danke zu sagen“, betont der Rotkreuz-Botschafter. 2017 leisteten die Ehrenamtliche unterm Strich 12 210 Stunden für die Betreuung der Blutspender bei den Terminen im Stadtgebiet. Baumann: „Das ist eine fantastische Arbeit, die entsprechend zu würdigen ist.“

Weitere Informationen

Über aktuelle Blutspende-Termine informiert der Kreisverband des DRK auf seiner Homepage mit der Adresse www.drk-bremen.de/blutspende. Fragen und Antworten zum Ablauf einer Blutspende, Voraussetzungen und Verwendung gibt es unter der Adresse www.drk-blutspende.de.

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