Verein Arbeit und Ökologie Das A und Ö

Huchting. „Wir wollen ja gar nicht überall Brennnessel-Wildwuchs und Beete, in denen alles durcheinander wächst“, meint Anja Wirthmann, die schon seit 18 Jahren im Verein Arbeit & Ökologie (A & Ö) tätig ist.
24.04.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

„Ökologisch gestaltete Gärten sehen durchaus akkurat und gepflegt aus.“

In diesem Jahr feiert der Verein sein 30-jähriges Bestehen und blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück, in der ein Lehr- und Erfahrungsgelände entstand, das im Laufe dieser 30 Jahre immer vielfältiger wurde. Doch welchen Anblick wird das Gelände, auf dem früher eine Schule war, in Zukunft bieten? Derzeit wird das Bürger- und Sozialzentrum Huchting, in dem A & Ö zusammen mit zahlreichen weiteren Vereinen und Stadtteilinitiativen tätig ist, architektonisch umgestaltet. Auf dem 1,5 Hektar großen Terrain in der Amersfoorter Straße stehen an einem Neubau noch die Baugerüste, und das Haus, in dem der Verein A & Ö derzeit sein Büro hat, soll abgerissen werden.

„Zu viel Öko schreckt ab“

„Wir ziehen im Herbst dieses Jahres in den Pavillon nebenan, doch vielleicht wird der in ein paar Jahren auch beseitigt – derzeit weiß keiner genau, wie es später hier aussehen wird“, sagt Anja Wirthmann. Doch eins ist klar: Die Umweltbildungsarbeit wird auf jeden Fall bleiben, hat sich doch A & Ö im Stadtteil Huchting fest verankert und viele Kinder und Erwachsene ins Lehr- und Erfahrungsgelände gebracht.

Im Jahre 1987 wurde A & Ö gegründet, und wenig später begann der Verein den Außenbereich des Bürger- und Sozialzentrums Huchting zu einem Garten-Lehrgelände umzugestalten. Etwa 3000 Besucher pro Jahr können aus eigener Anschauung erleben, wie ökologisches Gärtnern geht und welche vielfältigen Naturoasen dabei entstehen. Das Ganze funktioniert schon eine Weile mit der Hilfe von Langzeitarbeitslosen, für die A & Ö Beschäftigungsträger im grünen Arbeitsbereich ist. Die Teilnehmer bauen zum Beispiel Spielgeräte oder pflegen öffentliche Grünflächen.

Seit zehn Jahren laufen nun schon die Gespräche über den Umbau des Geländes, in der Zeit lief die vielseitige pädagogische Arbeit kontinuierlich weiter, und auch nach der Neugestaltung sollen die Gartenanlagen so aussehen, wie es einem ökologischen Lehrgelände angemessen ist – zum Beispiel mit Natursteinen statt Betoneinfassungen um die Beete.

Kontakt zur Natur herzustellen, das ist A & Ö gerade in einem Stadtteil wie Huchting ein dringendes Anliegen: „Hier haben viele Familien nicht einmal einen Balkon“, sagt Anja Wirthmann. Umso wichtiger sei es, dass Kinder hier Gartenarbeit kennenlernen: selbst Kräuter aussäen, Stauden in die Erde bringen oder Unkraut beseitigen. Ihre Kollegin Birgit Wendelken betreut zum Beispiel eine Schulklasse, die ihre eigenen Beete hat und in denen Gemüse wächst, das die Kinder selbst pflegen und ernten.

Anja Wirthmann ist überwiegend für die Erwachsenenbildung im Lehrgelände von A & Ö zuständig. Dazu gehören zum Beispiel drei Bildungsurlaube pro Jahr in Kooperation mit der Volkshochschule Bremen, Kräuterführungen oder der Bau von Lehmöfen. „Doch zu viel Öko verschreckt viele Leute“, meint sie, „wir wollen ein breites Spektrum ansprechen, darunter auch Menschen mit eher konservativer Haltung, bei denen ein Garten ordentlich und gepflegt aussehen muss.“

Und das ist mit ökologischem Gärtnern durchaus vereinbar, geht es doch vor allem um den Verzicht auf Pestizide, um den Vorzug von Kompost oder Pferdemist vor Kunstdünger und vor allem um die Förderung von Kräutern und Stauden aus der Region. In den meisten Privatgärten bestimmten jedoch immer noch Exoten wie Thuja oder Rhododendron das Bild, was für eine vielfältige Insektenwelt verhängnisvoll sei: Viele nützliche Bestäuber wie Schmetterlinge können mit den Sträuchern aus China oder Nordamerika nichts anfangen.

Ökologische Vielfalt ist das A & O bei A & Ö. Etwa 70 Prozent der Pflanzen im Lehrgelände in Huchting, das von derzeit drei bis vier Leuten gepflegt wird, sind einheimische Arten, und die Vielfalt steigern noch Insektenhotels, ein Labyrinthgarten oder Kräuterbeete.

Trend Urban Gardening

Einen kleinen Einblick in die grüne Oase gibt derzeit eine Fotoausstellung in der Stadtbibliothek Huchting, die Umweltbildung im vielfältigen Grün der Anlage, vor dem prallen Rot von Klatschmohn oder dezentem Blau von Lavendel zeigt: Kinder erklettern die Kräuterspirale, sammeln Äpfel, um Saft zu pressen, bauen Weidentipis oder keschern im hauseigenen Teich. Und Senioren packen mit an, um den Bauerngarten in Schuss zu halten.

Den Trend zum Gärtnern in der Großstadt, das sogenannte Urban Gardening, hat Arbeit & Ökologie längst aufgegriffen: So stehen in dieser Woche auf dem Gelände nun schon im vierten Jahr mobile Holzkästen mit Gartenerde bereit: Zwei Kindergartengruppen, eine Hortgruppe und eine Vorklasse haben sich angemeldet, um Erdbeeren zu pflanzen und Radieschen, Feldsalat und Feuerbohnen zu säen und auch Gerüste für die rankenden Bohnen zu bauen. „Wenn die Kinder dann aufs Gelände kommen und die Obstwiese und die bunt blühenden Beete sehen, bricht jedes Mal die pure Euphorie bei ihnen aus“, sagt Anja Wirthmann.

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