Stadtentwicklung

"Das Bleiben im eigenen Viertel ermöglichen"

Senator Joachim Lohse hat mit dem Bauressort ein für Bremens Weiterentwicklung sehr wichtiges Ressort inne. Es gibt aus seiner Sicht etliche Bauprojekte, die sich der Senat als Erfolge zuschreibt.
17.03.2018, 18:10
Lesedauer: 2 Min
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Von Frauke Fischer
"Das Bleiben im eigenen Viertel ermöglichen"

In der Überseestadt haben die Gewoba und die Justus Grosse GmbH 250 neue Wohnungen gebaut. Für Senator Joachim Lohse ein Vorzeige-Projekt.

Frank Thomas Koch

Herr Lohse, wenn Sie nur ein Ressort zu verantworten hätten, welches wäre das dann? Umwelt-, Verkehrs- oder das Bauressort mit der Stadtentwicklung?

Joachim Lohse: Es gehört alles zusammen. In den Ressorts Bau, Verkehr und Umwelt arbeiten wir an der Stadtentwicklung.

Lassen Sie uns heute im Baubereich bleiben. Bremen arbeitet ja seit einigen Jahren mit Hochdruck an der Schaffung von Wohnungen. Geht es da wirklich voran?

Der Wohnungsbau ist ein ganz wichtiges Thema in der Stadt und wird es auch noch über Jahre bleiben. Wir haben dazu einige weitere Großprojekte an den Start gebracht. Aber wir arbeiten auch in schon bestehenden Wohngebieten weiter. In der Überseestadt geht es beispielsweise schön voran, auch mit den in Bremen notwendigen Sozialwohnungen. Sie werden jetzt auch dort vermehrt geschaffen, unter anderem in gemeinsamen Projekten des städtischen Unternehmens Gewoba mit privaten Unternehmen wie Justus Grosse sind wichtige Einheiten entstanden.

Welche künftigen Wohngebiete schreiben Sie dem Senat als Erfolge zu?

Da ist sicher die Gartenstadt Werdersee zu nennen. Aber auch das geplante Wohnungsbauprojekt auf der Galopprennbahn sowie Ellener Hof in Osterholz gehören dazu.

Was machen die Neubaugebiete Gartenstadt Werdersee, Hulsbergviertel, Rennbahn und Ellener Hof, die wir schon angesprochen haben? Es kommt mir so vor, als wenn etliches bislang nur auf dem Papier entsteht.

Wir stellen Baugenehmigungen aus, ändern eventuell bestehende Bebauungspläne, die wir an die neuen Herausforderungen anpassen müssen. Das heißt, wir ermöglichen das Bauen. Ein besonderer Bereich neben den notwendigen Sozialwohnungen sind immer häufiger Areale, die für Baugruppen vorgehalten werden. In anderen Städten gibt es damit sicher schon mehr Erfahrungen.

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Was gibt es sonst noch?

Wir haben das Mühlenviertel in Horn, das schon fast fertiggestellt ist. Und dann sind da in Bremen-Nord beispielsweise das Tauwerk- und das Friedehorst-Quartier oder auch das ehemalige Gärtnereigelände in der Billungstraße. In vielen Quartieren werden bestehende Gebäude für Aufstockungen oder Lücken auch für Neubauten genutzt. Mit solchen Bauaktivitäten wird Menschen das Bleiben im eigenen Viertel ermöglicht, wenn sie älter werden. Sie können sich dort wohnlich verkleinern oder in betreute Einrichtungen in ihrer vertrauten Umgebung wechseln.

Geht es nicht zu sehr um Sozialwohnungen und zu wenig um die Attraktivität Bremens für junge Familien und andere Menschen, die als Bremer und Bremerinnen hier dann auch Steuern zahlen würden? Diese wohnen bislang sehr häufig im niedersächsischen Umland und zahlen deshalb auch dort ihre Steuern.

Es ist ausgesprochen wichtig, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Daran werden wir festhalten. Außerdem entstehen dort, wo 25 Prozent Sozialwohnungen entstehen, zu 75 Prozent frei finanzierte Wohnungen, darunter auch Reihen- und Einfamilienhäuser. Aber Bremen ist nun einmal eine Großstadt und obendrein ein Stadtstaat. Wir setzen dabei bewusst und sehr erfolgreich auf Innenentwicklung, um wertvolle Grüngebiete nicht zu zersiedeln. Ich bin mir insgesamt sicher: Wir schaffen attraktiven Wohnraum in attraktivem Umfeld – aber eben in großstädtischem Umfeld. Und man darf nicht vergessen: bei der Wahl des Wohnorts spielen auch andere Themen wie zum Beispiel die Kitaversorgung und die Qualität des Bildungssystems eine erhebliche Rolle.

Die Fragen stellte Frauke Fischer.

Zur Person:

Joachim Lohse (59) ist seit 2011 Mitglied der Grünen und Senator für Umwelt, Bau und Verkehr. Davor arbeitete er in Kassel als Dezernent für Stadtentwicklung. Lohse ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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