Bei der Stadtteillust wird das Team der Weserterrassen mit Lob geradezu überschüttet

Das Bürgerhaus hat viele Fans

Östliche Vorstadt. „Ich baue gerade eine Garage“, sagt Jona. Konzentriert setzt der Sechsjährige stabförmige Bauelemente zu einem eckigen Gebilde zusammen.
10.08.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Östliche Vorstadt. „Ich baue gerade eine Garage“, sagt Jona. Konzentriert setzt der Sechsjährige stabförmige Bauelemente zu einem eckigen Gebilde zusammen. Der Junge aus Hastedt ist einer von zahlreichen Besuchern der Stadtteillust am Bürgerhaus Weserterrassen. Gunther Menzel und sein Enkel Jaaron versuchen, einander beim Geschicklichkeitsspiel zu übertreffen. Seit 1980 wohnt Menzel im Viertel, und seitdem besucht er das Bürgerhaus.

Madeleine Robinet, die auf der Stadtteillust Kinder betreut, ist den Weserterrassen sogar familiär verbunden: „Meine Uroma war Mitgründerin des Bürgerhauses, und meine Oma sitzt gerade beim Kaffee“, sagt die Enkelin von Anneliese Mrukwa und Urenkelin von Trudel Middelkamp. Schon als Kind war sie in den Weserterrassen, später hat sie dann dort ein Praktikum während des Studiums der Sozialen Arbeit absolviert. Im Viertel ist Madeleine Robinet aufgewachsen. Heute wohnt sie in Sebaldsbrück. Trotzdem sei sie hier irgendwie hängengeblieben, erzählt sie lachend: „Wenn man einmal im Bürgerhaus Weserterrassen war, kommt man nicht mehr weg, weil es einen so ins Herz schließt.“

Lob fürs Team

Dorothea Holste scheint die Weserterrassen ebenfalls ins Herz geschlossen zu haben. „Ich komme bereits seit mehr als 40 Jahren ins Bürgerhaus“, sagt sie. Auf der Stadtteillust lässt sie sich mit ihren Freundinnen Elly Boden und Elisabeth Liebrum zu den alten Schlagern der „Salonlöwen“ aus Elsfleth den Kaffee und den Kuchen schmecken. Seit mehr als 50 Jahren wohnt Dorothea Holste nun im Viertel, Elisabeth Liebrum hingegen wohnt in der Vahr: „Es ist aber ganz schön hier, deshalb komme ich häufiger her.“ Elly Boden ist regelmäßig am Dienstag dabei: „Zu Kaffee und Kuchen, manchmal kommt auch ein Shantychor vorbei.“ Einig sind sie sich in einem Punkt: „Die geben sich hier richtig viel Mühe.“

Das wird Sibylle Maass sicherlich gerne hören. Sie ist als Mini-Jobberin auf der Stadtteillust zusammen mit den Ehrenamtlichen Christa Rosenberg, Agnes Beuermann und Susanne Kröger für das Kuchenbuffet zuständig. Ansonsten ist sie beim Programm für Ältere dabei. „Die Menschen mögen den Ausdruck ,Senioren‘ nicht“, weiß sie. „Bei uns sind Leute von 60 bis über 90 Jahren dabei, wir haben ein buntes Programm.“

Das kann Susanna Schütte, die ein Freiwilliges Kulturelles Jahr (FKJ) in den Weserterrassen absolviert, nur bestätigen: „Das Bürgerhaus hat im Stadtteil eine große Bedeutung. Wir haben viele Ältere, die mit Freude herkommen. Wir haben viele Kurse hier, auch für Jüngere, zum Beispiel Hip-Hop. Das fängt bereits im Alter von vier Jahren an, und es kommen sogar Leute aus der Neustadt hierher.“ Sigrid Gatzmaga und Udo Vonhoff vom Bürgerhaus können noch weitere Angebote aufzählen: den Kinderhort beispielsweise, Training für das Gedächtnis oder Kurse für die Nutzung von Smartphone oder Tablet, Yoga oder den Chor. „Und wir haben hier die älteste Schachgruppe Bremens“, kann Udo Vonhoff berichten.

Preisgekrönte Magie

Schachfiguren lässt der Zauberer „Aronax“ zwar am Tag der Stadtteillust nicht verschwinden, stattdessen verblüfft er das Publikum mit außergewöhnlichen Kartentricks. Bereits im Jahr 2014 ist der 20-Jährige „Deutscher Jugendmeister der Zauberkunst in der Sparte Kartenkunst“ geworden. Seit nahezu neun Jahren zaubert der Niedersachse. Mittlerweile tritt er bis zu drei Mal in der Woche auf Firmenevents, Festen oder Geburtstagen auf. „Damit finanziere ich mir mein Studium der Betriebswirtschaft“, erzählt er. Der Zauberer lebt in Wohnste zwischen Bremen und Hamburg, studiert in Bremen und heißt eigentlich Daniel M. Hank. Er kann bereits von einem weiteren, zauberhaften Karriereschritt berichten: „Ich darf im nächsten Jahr nach Kanada zu einem Zaubererkongress, dort trifft sich die Elite der Close-Up-Künstler. Die Einladung erhält man nur durch die Empfehlung eines anderen Künstlers.“

Das Mitsingen beim „Deichsingen“ ist aber auch ohne Empfehlung möglich. Wie in den Vorjahren sind die „Twinns“, Lars Schneider an der Gitarre und Timo Seggermann am Cajon, wieder die Vorsänger. „Mittlerweile ist das Deichsingen zur Tradition geworden“, sagt Timo Seggermann, und Lars Schneider ergänzt: „Je näher wir das Publikum haben, desto besser.“ Der von Fußgängern und Radfahrern genutzte Weg trennt schließlich den Deichchor von der Zwei-Mann-Combo, als aus dem Repertoire der „Twinns“ einige Lieder ausgewählt werden und Bürgerhausleiter Stephan Pleyn die Texte verteilt. „Stand by me“ von Ben E. King ist dabei, aber auch „Freiheit“ von Westernhagen oder „Country Roads“ von John Denver. Als es dann losgeht, streikt zuerst der Verstärker, und das erste ausgesuchte Lied ist vielen offenbar zu schwer. Trotzdem will der Chor auf den Stufen des Bürgerhauses unbedingt weitermachen: „Bevor wir gar nicht singen“, sagt eine Besucherin, „singen wir ohne Technik.“ Und „My Bonnie is over the ocean“.

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