Losgezogen: Beate Schindler aus Rönnebeck mit eigenem Safari-Unternehmen in Namibia / Frauenreisen sind ihre Spezialität Das Fernweh zieht sie in die Wüste

Das Fernweh hat sich bei Beate Schindler bereits mit zwölf Jahren gezeigt. Die gebürtige Rönnebeckerin, die damals noch den Namen Fastje trägt, liest 1970 den Afrika-Roman "Die Straße der Elefanten" von William Quint und verspürt "seitdem immer Sehnsucht nach einem Leben in der freien Natur". 1983 reist die gelernte Floristin auf Einladung einer Freundin nach Namibia, verliebt sich in das Land und bleibt.
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Von Danela Sell

Das Fernweh hat sich bei Beate Schindler bereits mit zwölf Jahren gezeigt. Die gebürtige Rönnebeckerin, die damals noch den Namen Fastje trägt, liest 1970 den Afrika-Roman "Die Straße der Elefanten" von William Quint und verspürt "seitdem immer Sehnsucht nach einem Leben in der freien Natur". 1983 reist die gelernte Floristin auf Einladung einer Freundin nach Namibia, verliebt sich in das Land und bleibt.

Bremen-Nord/Swakopmund. "Ich saß oben auf dem Waterberg-Plateau und konnte bis zum Horizont schauen - keine Hochspannungsleitungen, keine Häuser, keine Straßen, nur den Wind und meinen Herzschlag im Ohr. Da wusste ich sofort, dass ich meinen Platz gefunden hatte", sagt die heute 53-jährige Reiseunternehmerin. Sie arbeitet damals als Gärtnerin für die Regierung und kommt erstmals nach drei Jahren "auf Urlaub" zurück nach Bremen-Nord, was nach wie vor Heimat für die braunhaarige Frau mit den strahlend blauen Augen ist.

1987 lernt sie den Tour-Unternehmer Klaus Schindler kennen und lieben. Die beiden heiraten im folgenden Jahr und 1989 erblickt Tochter Valerie, das erste von drei Kindern, auf der Farm Bethlehem in der Nähe von Windhoek das Licht der Welt. "In den ersten zwanzig Jahren war ich nur vier Mal zu Hause. Meine Kinder waren noch klein und ich mit Brutpflege voll ausgelastet", sagt Beate Schindler. In dieser Zeit besuchen ihre Eltern sie jedes Jahr in ihrer neuen Heimat Namibia.

Schindler arbeitet acht Jahre als Kindergärtnerin und dann im Tourismus. Seit die Kinder groß sind - auf Valerie folgen 1995 Tochter Anna und 1996 Sohn Hans - versucht die Hobby-Töpferin einmal pro Jahr "nach Hause" zu kommen. "Je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie sehr ich mit Bremen verwurzelt bin und ich habe das Bedürfnis, so viel Zeit wie möglich mit meinen Eltern zu verbringen", sagt Schindler, die mit Bremen-Nord eine unbeschwerte Kindheit, segeln auf der Weser, lange Spaziergänge auf dem Deich, Kuhwiesen mit Pusteblumen und Gänseblümchen, sonnige Badetage, nachts mit der Fähre fahren, den U-Boot-Bunker und Pflaumenkuchen verbindet.

Schindler mag Bremen-Nord sehr: "Jede Ecke ist voller Erinnerungen. Ich mag den Geruch der Weser und die alten Bäume an der Weserböschung. Mein Elternhaus ist meine Zufluchtsstätte. Ich liebe unseren Garten mit Obstbäumen und Fischteich." Ist sie hier, liebt sie es, mit ihrem Vater lange Ausflüge durch die umliegenden Dörfer zu machen. "Das hat sich zu einem Ritual entwickelt und ich freue mich jedes Mal, wenn ich die vertrauten Straßen und Menschen so vorfinde, wie ich sie in Erinnerung habe." Sie mag Häfen im Allgemeinen und den Vegesacker Hafen im Besonderen, denn die Atmosphäre gab ihr schon damals das Gefühl von Fernweh und Freiheit. "Der Geruch nach Diesel, Öl und Fisch, aufgerollte Tampen, ein paar Boote und mein Herz geht auf", schwärmt die früher leidenschaftliche Seglerin. Und Beate Schindler werkelt und bastelt gerne, weshalb kein Baumarkt vor ihr sicher ist. "In Namibia gibt es so was in der Größenordnung noch nicht lange, da muss man umständlich bestellen, wenn man was

Bestimmtes braucht." Ist sie zu Besuch in Bremen-Nord verbringt sie viel Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden, geht auf Konzerte ihres Bruders oder begleitet ihre Schwester zu Sambaproben. Beate Schindler ist selbst leidenschaftliche Sängerin. Mit ihrer Pianisten-Freundin Christiane trägt sie Lieder aus der Zeit von Zarah Leander und Marlene Dietrich auf Veranstaltungen in Swakopmund vor. Der deutsche Einfluss aus der Kolonialzeit sei in Namibia noch allgegenwärtig, sagt Schindler. "Sei es im Stadtbild durch alte Gebäude, die liebevoll erhalten werden, oder auch im kulturellen Bereich. Unsere Kinder haben in der Schule Deutsch als Unterrichtsfach und viele einheimische Menschen sprechen Deutsch oder können es verstehen."

Tochter Anna ist im August nach Bremen-Nord gekommen und besucht das Gymnasium Vegesack. "Anna ist ein sehr aktiver Mensch, ihr sind riesige Flügel gewachsen, Swakopmund ist ihr zu klein geworden, sie genießt die Zeit in Bremen-Nord sehr", sagt Schindler, die sich über die Entwicklung nicht sonderlich wundert. Mit einem Lächeln ergänzt sie: "Irgendwo müssen meine Gene sich ja wiederfinden." Sohn Hans plant ebenfalls nach der Schule nach Deutschland zu kommen, um eine Tischlerlehre zu beginnen. Tochter Valerie studiert auf Lehramt und arbeitet in Windhoek in einer Model- und Castingagentur.

Die Familie überlegt 2007 kurzfristig, ob sie ihre Zelte in Namibia abbrechen und zurück nach Deutschland gehen soll, aber "eines morgens bei einem Kaffee in der Wüste unter einem Köcherbaum war mir klar, dass ich hier nicht weg will", sagt Beate Schindler, die selbst die deutsche Küche, zumindest teilweise, nicht missen muss: "Grünkohl wächst bei mir im Garten und es gibt ihn in Dosen im Supermarkt. Er wird auch auf einer Gemüsefarm im Swakop-Revier angebaut. Als Frostersatz gibt es die Tiefkühltruhe. Mit Mettenden und Kassler schmeckt es fast wie bei Muttern."

Das Beschaffen von Knipp und Pinkel sei hingegen ein echtes Problem. Für ihre Kinder muss Schindler regelmäßig Kartoffelpuffer backen. Was sie persönlich auf kulinarischer Seite am meisten vermisst, sind Räucheraal, frische Krabben und Babbeler. "Die genieße ich dann umso mehr, wenn ich in Bremen bin. Früher haben meine Eltern sogar frische Kartoffeln aus dem eigenen Garten durch die Flughafenkontrolle geschmuggelt", sagt Schindler, die sich vor knapp fünf Jahren ihren Traum vom eigenen Tour-Unternehmen in Namibia erfüllt hat. Mit "Time Out Travel & Ladies Travel" bietet sie zusammen mit ihrem Mann Klaus individuell erarbeitete Reisen in Namibia und den angrenzenden Ländern wie Botswana, Zimbabwe, Sambia und Südafrika an. Ob in Lodges oder im Zelt, ob im Geländewagen oder auf dem Mountainbike, Beate Schindler zeigt ihren Gästen Afrikas Natur hautnah. Bei Campingtouren in abgelegene Landesteile wie Damaraland und Kaokoveld und Pirschfahrten im Geländewagen können die einheimischen

Wildtiere aus nächster Nähe beobachtet werden. Abends wird das Zeltlager aufgeschlagen und das Essen am offenen Feuer zubereitet. Die Nächte am Lagerfeuer unter Afrikas Sternenhimmel sind auch für Schindler immer noch ein ganz besonderes Erlebnis - keine Hochspannungsleitungen, keine Häuser, keine Straßen, nur den Wind und ihren Herzschlag im Ohr...

Nähere Informationen: Time Out Travel & Ladies Travel, Kontakt: info@travel-in-namibia.com, www.travel-in-namibia.com

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