Streit um Gleichstrom Das Foyer kommt

Im Schweizer Viertel behinderte ein kleines Umspannwerk den Bau des neuen Quartierszentrums. Nun soll es aber voran gehen.
18.10.2018, 02:10
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Das Foyer kommt
Von Christian Hasemann

Ellenerbrok-Schevemoor. Nach sechs Jahren Planungszeit und Bürgerbeteiligung fragen sich einige Menschen im Schweizer Viertel: Wann kommt denn nun das neue Quartierszentrum Schweizer Foyer? Tatsächlich gab es noch Verhandlungsbedarf zwischen der Gewoba und der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Ein kleines Häuschen an der Walliser Straße stand zuletzt im Zentrum der Überlegungen der beiden großen städtischen Unternehmen und ließ die Planungen ins Stocken geraten. Es drohte sogar der Stopp des gesamten Projekts.

Es misst elf mal sechs Meter und steht abseits und allein und eher unscheinbar herum. Ganz leise dringt ab und an ein leichtes Brummen nach außen. Dennoch ist es für die Anbindung Tenevers essenziell: Denn im Inneren wandeln Gleichrichter 10 000 Volt Wechselstrom in den nötigen 600 Volt Gleichstrom für die dort rumpelnden Wagen der Bremer Straßenbahn AG um.

Alles schien schon klar. Nach langem Vorlauf, der bis in das Jahr 2012 zurückreicht, wurden vor zwei Jahren die Pläne von der Gewoba für das Quartierszentrum im Beirat Osterholz vorgestellt. In diesen Plänen fand das Gleichrichterwerk der BSAG noch einen Platz im Schweizer Foyer. Eine gesundheitliche Gefährdung sei ausgeschlossen, hieß es damals. Dann aber gab es überraschend eine neue Idee: Das Häuschen sollte umgesetzt werden. Das wäre durchaus im Interesse der Gewoba, die dann im Schweizer Foyer mehr Platz zur Verfügung hätte. Allerdings hatte man sich von der Idee schon längst verabschiedet und spielte in den weit fortgeschrittenen Planungen keine Rolle mehr.

„Es ist uns ein Rätsel, wie man seitens der BSAG auf die Idee zu einer Verlegung kam“, sagt dann auch Manfred Corbach, Leiter der Immobilienwirtschaft bei der Gewoba, der den Ball ins Feld der BSAG spielt. „Eine Verlegung hätte das Projekt gesprengt“, sagt er, denn der Verursacher, also die Gewoba als Bauherrin, hätte die Kosten tragen müssen – das war jedenfalls die Ansicht der BSAG. Mehr Kosten wollte die Gewoba aber nicht tragen.

„Eine Verlegung wäre teuer“, sagt auch Andreas Holling, Pressesprecher der BSAG, der bestätigt, dass der erneute Vorschlag von der BSAG kam. Technische Gründe für den Vorschlag gab seitens er BSAG nicht. „Für ist nur uns wichtig, dass die Anlage zugänglich ist, zum Beispiel für Wartungsarbeiten, aber auch die Feuerwehr muss Zugang haben.“

Letztlich blieb es bei der ursprünglichen Planung. Das unansehnliche Kästchen wird überbaut. Manfred Corbach ist zuversichtlich, dass es nun weiter voran geht. „Wir suchen nur noch für eine Fläche zum Marktplatz eine Gastronomie mit 250 Quadratmetern“, sagt er. Für alle weiteren Flächen seien schon Interessenten gefunden worden.

Wenn das Stadtteilzentrum steht, wird es über etwas in Bremen Einzigartiges verfügen: Die Spielfläche des Kindergartens soll sich auf dem Dach des Gebäudes befinden. Für das Gebäude hatte die Gewoba schon vor zwei Jahren interessierte Mieter gewonnen. Im Gespräch waren damals neben dem Ortsamt unter anderem das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Bremer Heimstiftung und der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Gespräch. Tatsächlich konnten in der Zwischenzeit schon Vorverträge geschlossen werden.

Quartiersmanager Aykut Tasan, dessen Büro ebenfalls in das Schweizer Foyer einen Platz finden wird, hofft, dass es bald losgeht. „Für uns als Akteure und Bewohner wäre das der Abschluss des langjährigen Beteiligungsprozesses für den Schweizer Marktplatz.“ Der Quartiersmanager geht davon aus, dass das Schweizer Foyer den gesamten Marktplatz beleben wird. „Das wird sicher eine höhere Frequenz geben durch die vielen Nutzer des Gebäudes.“ Für ihn ist es eines der Schlüsselprojekte für das Schweizer Viertel.

Die Planungen sahen im Erdgeschoss ein großes Foyer und Räume für das Ortsamt vor. Das Foyer soll das Zentrum des Gebäudes bilden. Ein Café im Erdgeschoss soll das Gebäude beleben. Im ersten Obergeschoss sollen Räume für eine Pflege-Wohngemeinschaft der Bremer Heimstiftung und sozial geförderte Zwei-Zimmer-Wohnungen entstehen. Platz finden sollen auch sogenannte Mikroappartements – früher eher abgelehnt, aber inzwischen wieder beliebt. Das sind kleine Wohnungen mit bis zu 30 Quadratmetern. Geplant waren außerdem Wohnungen für Alleinerziehende. Auf zwei Stockwerke soll sich dann im dritten und vierten Obergeschoss die geplante Kita erstrecken. Für Bremen wird es dann etwas Neuartiges geben: Eine Spielfläche für die Kitakinder auf dem Dach – mit der entsprechenden Absicherung.

Im Beirat Osterholz waren die Pläne für das Schweizer Foyer nicht unumstritten. So lehnte die CDU einen Umzug des Ortsamtes in das Schweizer Foyer ab. Ein Argument, das die CDU damals nannte: die ungeklärten Fragen, was mit dem alten Ortsamt und mit den dort angesiedelten Initiativen geschehen wird. 2016 bekräftigte der Beirat in einem Beschluss mit den Stimmen der SPD, der Grünen und der Linken ihren Willen zum Schweizer Foyer. Zumindest in der Frage des Ortsamtes kündigt sich eine Lösung an: Mit der „Polizeireform 2600“ wird das Revier Osterholz aufgewertet und braucht dafür mehr Platz, der im Ortsamt bei einem Umzug zur Verfügung stünde. Somit hängt also auch der Ausbau des Reviers Osterholz an der Lösung für einen kleinen brummenden Kasten im Schweizer Viertel.

Weitere Details zum Stand des Schweizer Foyers wird es auf der Sitzung des Beirats Osterholz am Montag, 22. Oktober, 19 Uhr, zu hören geben. Die Wohnungsbaugesellschaft Gewoba will auf der Sitzung den aktuellsten Stand präsentieren. Sitzungsort ist der Saal des Ortsamtes Osterholz in der Osterholzer Heerstraße 100. Die Sitzung ist öffentlich.

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