Koalition einigt sich mit Investor

Das Hochhaus im Bremer Ostertor kommt

14 Geschosse waren geplant, elf sollen es nun werden. Das ist der Kompromiss nach den Protesten gegen ein Hochhaus im Ostertor. Außerdem gibt es bei dem Projekt jetzt mehr Sozialwohnungen.
02.02.2020, 21:23
Lesedauer: 3 Min
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Das Hochhaus im Bremer Ostertor kommt
Von Jürgen Hinrichs

Wie viele Hochhäuser verträgt Bremen, und an welcher Stelle dürfen sie gebaut werden? Eine Frage, die sich in den vergangenen Monaten am Beispiel eines Projekts in der Östlichen Vorstadt entzündet hat. Der Streit schlug hohe Wellen, nun ist er entschieden: Das Hochhaus wird gebaut. Zwar nicht mit so vielen Geschossen wie ursprünglich geplant, das Bauvolumen insgesamt bleibt aber das gleiche, weil bei den umliegenden Neubauten draufgesattelt wird. Das ist das Ergebnis der Verhandlungen von SPD, Grünen und Linken mit dem Investor. Zum Paket gehört außerdem, dass der Anteil von Sozialwohnungen an dem Gesamtprojekt erhöht wird.

Bei dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück am Rand des Ostertorviertels handelt es sich um den ehemaligen Standort der Deutschen Bundesbank. Das Gebäude der Bank, ein Trumm aus Stahl, Glas und Beton, steht seit vier Jahren leer und soll abgerissen werden. Als Ersatz entsteht auf dem Areal an der Kohlhökerstraße ein Komplex mit rund 180 Wohnungen: das etwas zurückliegende Hochhaus mit noch elf Geschossen statt der vorgesehenen 14 Etagen. Und die niedrigeren Häuser direkt an der Straße. 30 Prozent der Wohnungen werden sozial gefördert. Auch das ist ein Kompromiss mit dem neuen Eigentümer des Grundstücks, er hatte vorher mit 25 Prozent geplant.

Vom Protest zum Politikum

Investor ist der Hamburger Projektentwickler Evoreal. Als das Unternehmen nach dem Kauf der Bundesbank-Immobilie seine Entwürfe vorstellte, blieb das zunächst ohne Widerspruch. Dann regte sich unter den Anwohnern aber doch Protest. Sie gründeten eine Bürgerinitiative und trommelten insbesondere gegen das geplante Hochhaus. Die Pläne gerieten unter Druck und wurden zum Politikum. Zuletzt hatte sich ein Gutachter damit beschäftigt, ob das Bundesbankgebäude mit vertretbarem Aufwand anders genutzt werden könnte. Die Antwort war Nein.

„Die Koalition hat sich in einer schwierigen Frage einigen können“, sagt Robert Bücking, baupolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Es sei ein guter Mittelweg gefunden worden. Falk Wagner (SPD) hebt hervor, dass die Bürgerinitiative mit ihrem Engagement einiges erreicht habe: „Das neue Hochhaus wird jetzt nicht mehr höher sein als das Bankgebäude.“ Außerdem steige die Zahl der Sozialwohnungen, und das in einer der teuersten Wohngegenden. Wagner: „Das steht dem Ostertor gut zu Gesicht“.

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Ein Punkt, der für die Linken bei den Verhandlungen entscheidend war: „Das ist der Bringer“, sagt der Abgeordnete Ralf Schumann, „damit können wir jetzt leben.“ Am Dienstag werden die baupolitischen Sprecher der drei Regierungsfraktionen in einer Sitzung des Beirats Mitte, die mit einer Anwohnerversammlung verknüpft ist, das Verhandlungsergebnis für die Pläne in der Kohlhökerstraße präsentieren.

Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki hatte sich kritisch geäußert. Er ist nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser, in den Kern der Stadt gehören sie seiner Meinung nach aber nicht. Maximal elf Geschosse könne das Stadtbild an dieser Stelle vertragen, sagte Skalecki, „und die auch nur mit Bauchschmerzen“. Überhaupt nicht kompromissbereit war Georg Skalecki bei dem mittlerweile gescheiterten Libeskind-Entwurf für das Sparkassengelände am Bremer Brill. Vier Türme sollten es sein, einer davon sogar so hoch wie der Dom. Für den Denkmalpfleger war das ein Tabubruch.

Verschiedene Vorstellungen

„Ich erlebe, dass sowohl gegenüber der angestrebten Dichte, aber vor allem auch gegenüber der Gebäudehöhe oft Skepsis besteht“, sagte Bremens Senatsbaudirektorin Iris Reuther vergangene Woche in einem Interview mit Polis, einer Zeitschrift für Architektur und Städtebau. Die Ambitionen der Immobilienwirtschaft seien hier oftmals nicht einfach mit den Vorstellungen der Stadtgesellschaft in Einklang zu bringen. „Im Grunde genommen ist Bremen die am wenigsten dicht bebaute Großstadt mit über 500.000 Einwohnern in Deutschland“, so Reuther.

Die Senatsbaudirektorin hat für Bremen einen Hochhausleitfaden in Auftrag gegeben, der im Entwurf vorliegt. Darin wird über verschiedene Standorte nachgedacht. Reuthers Ressort will sich den Entwurf aber nicht zu eigen machen. „Wir orientieren uns nicht an Leitfäden, sondern werden stattdessen jedes Bauvorhaben individuell prüfen“, heißt es aus der Behörde.

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