Anita Cremer im Porträt Das ist die neue Direktorin des Courtyard by Marriott

Anita Cremer arbeitete in Hotels rund um die Welt und träumte stets vom Urlaub in ihrer Heimat: Bremen. Nun ist sie die neue Direktorin vom Courtyard by Marriott.
26.07.2016, 00:00
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Das ist die neue Direktorin des Courtyard by Marriott
Von Alexandra Knief

Anita Cremer arbeitete in Hotels rund um die Welt und träumte stets vom Urlaub in ihrer Heimat: Bremen. Nun ist sie die neue Direktorin vom Courtyard by Marriott.

Während andere vom Urlaub in fernen Ländern träumen, von Stränden und Sonne oder anderen Kulturen, gab es für Anita Cremer die meiste Zeit ihres Lebens nur ein Wunschziel, wenn es um ihren Urlaub ging: Bremen. Statt auf exotische Köstlichkeiten in warmen Ländern, freute sie sich auf Spargel oder Grünkohl; auf Grillabende mit Freunden oder einen gemütlichen Kneipenabend. Denn da, wo Cremer bis vor Kurzem gelebt hat, gab es viele dieser alltäglichen Dinge für sie nicht.

Rund 30 Jahre ist es her, dass Cremer ihre Heimat Bremen verließ, um in die Welt ­hinauszuziehen. In dieser Zeit arbeitete sie als Verkaufs- und Marketingleiterin sowie als Hotelmanagerin in Unterkünften an traumhaften Plätzen rund um den Globus. Ein kleines bisschen Heimweh ist allerdings immer geblieben. Deshalb ist die 50-Jährige jetzt nach Bremen zurückgekehrt – als neue Hoteldirektorin des Courtyard by Marriott Hotels am Hauptbahnhof. „Ich freue mich sehr über diese Chance“, sagt sie. „Es ist immer wichtig, dass man sich mit dem Hotel, das man vertritt, identifizieren kann, und das passt hier wie die Faust aufs Auge.“

Hinter Cremer liegt eine lange Reise. Als sie in den Achtzigern nach dem Abitur in Bremen ihre Koffer packte, um in Paris Sprachen und Literatur zu studieren, hat sie wohl nicht damit gerechnet, wie lang diese Reise tatsächlich sein wird und wo es sie noch überall hin verschlägt. Anfangs sah es auch nicht danach aus, dass sie Gefallen am Reisen entwickeln würde. „Ich bin mit meinem quietschgelben Fiat 126 und zwei Koffern auf dem Dachgepäckträger nach Paris gefahren“, erinnert sie sich schmunzelnd. „Jeder LKW überholte mich, ich hatte mehrere Pannen und kam erst nach 22 Stunden mit zitternden Knien an. Da wollte ich am liebsten gleich wieder nach Hause."

Vermarktung von Dubai

Ins Hotelgewerbe kam Anita Cremer eher zufällig über einige Umwege. Eigentlich beschloss sie während des Studiums, Restauratorin zu werden. Wie das Leben so spielt schlug sie dann aber doch einen ganz anderen Weg ein, arbeitete in einem Reisebüro, dann bei Hapag Lloyd und anschließend bei der Lufthansa – erst als Flugbegleiterin und dann in der Presseabteilung. Durch einen weiteren Job bei einem Reiseveranstalter erhielt sie 1993 die Chance, für PR- und Marketingaufgaben nach Dubai zu gehen. „Dubai war damals eine komplett neue Welt“, sagt Cremer.

Sie lernte einen Tourismus-Experten kennen, der jemanden suchte, der Dubai in der Welt vermarktet und den Tourismus vor Ort ankurbelt. „Den Job habe ich dann übernommen“, so Cremer. Mehrere Jahre reiste sie um die Welt, um Werbung für das Reiseziel Dubai zu machen. „Wie es dann so kam, kreuzte jemand aus der Hotellerie meinen Weg, der in Dubai ein neues Luxus-Hotel, das Royal Mirage, aufmachen wollte“, erzählt Cremer.

So kam auch sie dann ins Hotelgewerbe. 1999 trat sie ihren Job als Verkaufs- und Marketingleiterin im Royal Mirage der One & Only Hotelgruppe an. Innerhalb von vier Jahren baute die Gruppe zwei weitere Hotels vor Ort, und Cremer kletterte die Karriereleiter noch weiter hoch: „Eines der Hotels habe ich für zwei Jahre geführt“, sagt sie. Cremer arbeitete sechs Tage die Woche. „Nur freitags hatte ich frei und verbrachte die meiste Zeit am Strand.“ Sie lernte Menschen aus aller Welt kennen. Andere Deutsche waren kaum dabei. „Es gingen eben damals nur ein paar Verrückte nach Dubai“, sagt Cremer.

Umzug nach Südafrika

2006 ging Cremer für die Hotelgruppe in ein Haus auf den Malediven. „Damals wussten wir schon, dass wir auch ein One & Only Hotel in Kapstadt aufmachen werden. Dort zu arbeiten, war ein Herzenswunsch von mir“, sagt sie. 2008 wurde ihr dieser Wunsch erfüllt und sie wurde Verkaufs- und Marketingleiterin in dem neuen Hotel in Südafrika. Aber auch das sollte noch nicht ihre letzte Station gewesen sein: „Irgendwann bekam ich einen Anruf von der Luxushotelgruppe Kempinski und wurde gefragt, ob ich in ihr Hotel nach Genf will“, sagt Cremer. „Weil ich auch gerne mal wieder in Europa arbeiten wollte, nahm ich das Angebot an.“

Cremer blieb zwei Jahre in Genf und wechselte dann auf Wunsch des Unter­nehmens zum Emirates Palace in Abu ­Dhabi, wo sie weitere 2,5 Jahre verbrachte. „Das Gute war immer, dass ich meist an Orten war, an denen meine Freunde und meine ­Fa­milie auch gern Urlaub machen wollten. Ich ­hatte also oft Besuch aus der Heimat, und meinen eigenen Urlaub verbrachte ich drei Mal im Jahr in Bremen.“, sagt Cremer. So kam sie auch regelmäßig an die Dinge heran, die ihr kulinarisch aus Deutschland fehlten.

„Ganz am Anfang hat meine ­Mutter mir bei einem Besuch sogar Schwarzbrot und Corned Beef für Labskaus mitbringen ­müssen“, so Cremer mit einem Lachen. Durch die gegenseitigen Besuche nahm das Heimweh nie überhand. „Wenn ich Zuhause war, war es immer entspannt, fast als wäre ich nie weg gewesen. Hätte ich irgendwann das Gefühl gehabt, diese Nähe wäre verloren gegangen, dann wäre ich schon früher zurückgegangen. Familie, Freunde und Heimat hat man nur einmal.“

Rückkehr nach Bremen

2013 war es dann aber so weit. „Ich zog zurück nach Bremen, weil ich eigentlich in keine andere Stadt mehr wollte“, sagt sie. Bei ihren Eltern standen noch immer die Kisten, die sie vor über zwanzig Jahren gepackt hatte, als sie „nur mal für ein, zwei Jahre“ weg wollte. „Sie auszupacken, war ein bisschen wie Weihnachten.“, sagt Cremer. Auf Reisen war sie trotz ihrer Rückkehr aber weiterhin und beriet Hotels auf Sizilien, in London und Zürich. „Mir war es aber wichtig, wieder einen festen Lebensmittelpunkt zu haben“, sagt sie. „Ich konnte in dieser Zeit zwischendurch immer mal nach Hause, wenn ich wollte und brauchte nur einen kleinen Koffer für meine Reisen.“

Ende April nahm Cremer ihre Arbeit im Courtyard by Marriott auf, seitdem koordiniert sie die Abläufe im Hotel und guckt, dass alles gut läuft. „Ich bin jetzt für das gesamte Hotel verantwortlich. Das ist eine große Verantwortung.“ Nun bleiben ihre Koffer auch mal länger im Schrank. Die vielen unterschiedlichen Erfahrungen, die sie bei ihren vorherigen Stationen sammeln konnte, spielen ihr bei ihrem neuen Job in die Karten.

Einiges hat sie jetzt auch im Marriott aufgegriffen. „In vielen Hotels, in denen ich war, wurden den Stammgästen, die länger bleiben, persönlich geschriebene Willkommensgrüße auf die Zimmer gelegt“, sagt sie. „Das mache ich hier jetzt auch.“ Menükarten wurden geändert, es gibt neue Weine auf der Karte und es wird kulinarisch mehr mit saisonalen Angeboten gearbeitet. „Kleinere Details also“, sagt Cremer.

Marriott plant Wiesen-Fest

Anlässlich des sechsjährigen Bestehens des Hotels am Standort Bremen soll es am 21. August einen Tag der Offenen Tür geben. Generell plant die neue Direktorin, die Türen des Marriott ­Hotels in Zukunft ein Stück weiter zu ­öffnen. „Das Hotel hat viel Charme und viel ­Seele“, meint Cremer. „Wir werden hier in Zukunft die ein oder andere Veranstaltung machen, bei der auch der Bremer sagt: da geh ich mal hin.“

Im September soll es zum Beispiel zur Eröffnung des Oktoberfestes in München auch ein kleines Wiesen-Fest im Hotel geben, zu dem jeder willkommen ist. „Das wird dann hoffentlich zu einem jährlichen Event“, so Cremer. Auch einen Freimarkts-Treffpunkt oder zwei, drei Mottopartys im Jahr könnte Cremer sich gut vorstellen. „Ein Zwanziger- oder Achtziger-Jahre-Abend wäre witzig“, sagt sie. „Aber ich will auch noch nicht zu viel verraten.“

Cremer wird nach eigenen Angaben oft gefragt, ob es sie irgendwann wieder wegzieht. Auch wenn sie nicht wissen kann, was die Zukunft bringt – das Kofferpacken und die vielen Stunden an Flughäfen vermisst sie jedenfalls nicht. „Fernweh habe ich nicht mehr“, sagt die Weltenbummlerin. „Ich passe hierhin. Es fühlt sich an, als wäre ich angekommen.“

Das Courtyard by Marriott Hotel hat vier Sterne und befindet sich seit 2010 am Nordausgang des Bremer Hauptbahnhofes. Das Gebäude in dem es sitzt hat eine lange Geschichte. Das Hotel ist zum Teil im ehemaligen Norddeutschen Lloyd untergebracht. Der Bau ist über 100 Jahre alt und steht unter Denkmalschutz. Hier wurden früher die Transatlantikreisenden abgefertigt. Jetzt beherbergt das restaurierte und ausgebaute Gebäude unter anderem mehr als 150 Zimmer, Meetingräume, einen Fitnessbereich eine Bar und ein Restaurant.
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