Daphne de Luxe über Fastnachtssitzungen, Gemüseanbau und einen traumatischen Auftritt in Bremen

„Das ist harte Arbeit“

Frau de Luxe, in Ihrem Programm berichten Sie, als Kind seien Sie euphemistisch als „gesundes Kind“ bezeichnet worden. Ihre Großmutter hätte Sie getröstet, „dicke Kinder würden wenigstens nicht so schnell entführt“.
17.05.2017, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Alexander Bösch
„Das ist harte Arbeit“

Daphne de Luxe will am Freitag im Kito zum Beispiel Tipps dazu verraten, wie man das Leben mit ­Humor nimmt.

S. Stützner

Frau de Luxe, in Ihrem Programm berichten Sie, als Kind seien Sie euphemistisch als „gesundes Kind“ bezeichnet worden. Ihre Großmutter hätte Sie getröstet, „dicke Kinder würden wenigstens nicht so schnell entführt“. Hat ihnen dieser Galgenhumor immer geholfen oder haben Sie als Jugendliche auch schon mal unter Ihrem Gewicht gelitten?

Daphne de Luxe: Es war und ist genau die Art von Humor, mit der man besser durch das Leben kommt und Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen kann, wenn es um die eigenen Schwächen geht. Natürlich ­kenne auch ich Momente, in denen ich mich aufgrund von kritischen Blicken und Bemerkungen nicht wohlfühle, aber mit Humor sind solche Situationen grundsätzlich leichter zu meistern.

Unter dem Titel „Comedy in Hülle und ­Fülle“ sind Sie am Freitag im Kito. Was erwartet die Zuschauer? Mit welchen Chansons ­werden Sie das Stand-up-Programm versüßen?

Nun, wie der Name sagt: Comedy in Hülle und Fülle und davon jede Menge. Aber es ist weniger klassisches Stand-up, ich ­erzähle eher humorvolle Anekdoten, sodass manche das Gefühl haben, den lustigen Geschichten der besten Freundin zu lauschen. Musikalisch ist das Programm mit einigen schönen Liedern gespickt, von der sächsischen Variante des „Pariser Tango“ bis zu tiefgründigen Chansons wie „Um nicht ­allein zu sein“.

Wann wurde aus Daphne „Daphne de Luxe“? Gibt es einen großen Unterschied zwischen der Privatperson und der öffentlichen Figur oder sind beide weitestgehend deckungsgleich?

Daphne de Luxe ist meine glamouröse und schlagfertige Bühnenfigur, die in großen Roben und mit perfektem Make-up auf der Bühne agiert. Privat bin ich ganz anderes unterwegs, ungeschminkt, in Jeans & T-Shirt oder Gummistiefeln, wenn ich mich um meinen Garten, meine Hühnerzucht oder die Kaninchen kümmere.

Gute Freunde sind schnell dabei, wenn es gilt, Ratschläge zur Gewichtsreduzierung zu geben. Welche Vorschläge haben Sie versucht umzusetzen, welche waren die absurdesten? In Ihren Programmen berichten Sie von einem unheilvollen Versuchstag im Fitnessstudio.

Ja, da gibt es ja immer die schlausten Ratschläge. Einer der blödesten war sicherlich: ‚Weißt du, wenn man abnehmen möchte, muss man sich ein Ziel stecken, dann muss man sich eine Hose kaufen, ein paar Nummern kleiner, so als Ansporn.‘ Meine begeisterte Antwort darauf verrate ich dann am Freitag. Versucht habe ich einige Tipps in Hinblick auf die Ernährung, ich versuche Zucker und fertige Produkte zu meiden und freue mich immer über Hinweise zum gesunden Konservieren meiner Lebensmittel, koche leidenschaftlich gern ein und ver­suche, alte Gemüsesorten anzubauen. Da kann ich gar nicht genügend Tipps bekommen.

Sie sind unter anderem auch gern gesehener Gast bei Fastnachtsveranstaltungen in Hessen. Erklären Sie bitte einem in Sachen Karneval unbeleckten Nordlicht, was den Reiz und die besondere Atmosphäre im Vergleich zu einer „herkömmlichen“ Kabarettbühne ausmacht!

Nicht nur in Hessen, in der letzten Session war ich auch hier im Norden bei der Fastnacht aktiv. Es ist eine ganz andere Herausforderung und schwer vergleichbar, denn bei Fastnachtssitzungen ist es natürlich viel schwieriger, die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen, vor allem wenn der Auftritt zu späterer Stunde stattfindet. Das ist teilweise harte Arbeit. Und meine Soloprogramme sind die Kür.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Vegetarier- und Veganerboom? Verspüren Sie mitunter Mitleid wegen der kulinarischen Genüsse, die diesen Menschen entgehen?

Grundsätzlich soll das jeder halten, wie er oder sie möchte. Ich persönlich halte nichts von Extremen, aber unterstütze einen bewussten Umgang sowohl mit Lebensmitteln als auch mit Tieren, deswegen züchte ich die Kaninchen selbst, die bei uns in den Kochtopf kommen, und esse Obst und Gemüse wenn möglich aus dem eigenen Garten. Mein viertes Programm heißt „Artgerecht“ und beschäftigt sich auch mit diesen Themen.

Als ausgebildete Fremdsprachenkorrespondentin haben Sie ein besonderes Faible für die Akzente der Mitarbeiter bei ­Lieferdiensten. Welche sind Ihre kuriosesten Erfahrungen?

Die Asiaten sind mit ihrem süßen Akzent in dieser Hinsicht unschlagbar, davon weiß ich einige Geschichten zu berichten. Aber natürlich hat auch der Sachse schon einiges zu meinen Programminhalten beigetragen.

Stimmt es, dass Sie Unmengen der Ossi-­Nutella-Marke „Nudossi“ frei Haus geliefert bekommen, seitdem sie diese Marke in Ihren Auftritten erwähnen?

Glücklicherweise nicht, sonst würde ich wohl bald aus meinen Kleidern platzen. Aber oftmals ist es tatsächlich so, dass das Publikum vieles für bare Münze nimmt, was ich auf der Bühne erzähle. Aber dass ich es für den besseren Brotaufstrich halte, das stimmt.

Sie stehen seit 1991 auf der Bühne, haben fünf Soloprogramme geschrieben, zahlreiche Auszeichnungen erhalten und sind gern gesehener Gast in Fernseh-Formaten wie der „Ladies Night“. Was macht Ihnen mehr Spaß, die Kabarettbühne, Fastnachtsauftritte oder das TV?

An dem fünften Programm arbeite ich gerade noch, das feiert im Herbst Premiere. Dankbar bin ich für alle diese Auftrittsmöglichkeiten, denn so ein Erfolg ist nicht selbstverständlich. Mit Gerburg Jahnke darf ich oft auch außerhalb der TV-Sendung mit dem Format „Frau Jahnke hat eingeladen“ unterwegs sein, das sind Mädelsabende, die richtig Spaß machen. Ansonsten ist TV natürlich immer großer Stress und Anspannung und man muss sich an bestimmte Minuten-Vorgaben halten. In meinen Soloprogrammen schweife ich hingegen gern aus und nehme auch die Energie des Publikums viel stärker auf.

An einem Daphne-de-Luxe-Abend geht es auch um die Männerwelt, Haustiere und die kulinarische Wunderwelt der Republik. Bekommen Sie über soziale Medien viele kuriose Erlebnisse zugeschickt von Gästen, die Sie in späteren Programmen verarbeiten können?

Ja, solche Geschichten haben es tatsächlich schon in meine Programme geschafft. Und das ist toll, denn meine Programme leben von Geschichten aus dem Leben, die ich dann noch humoristisch ausschmücke und überspitze. Also, wer etwas zu erzählen hat, einfach bei Facebook Daphne de Luxe eingeben und mir eine Nachricht schreiben.

„Warum sind Sie so dick?“ – „Jedes Mal, wenn ich mit Ihrem Mann geschlafen hab‘, gab es hinterher Kaffee und Kuchen!“ Gab es diesen Dialog tatsächlich in Ihrem Leben?

Leider nicht, in solchen Situationen fehlt sogar mir manchmal die Schlagfertigkeit. Und es sind doch meist die unausgesprochenen Gedanken, die solche Dialoge für das Publikum so lustig machen.

Sie schreiben auf Facebook, von einem traumatischen Erlebnis, das sie mit dem Bremer Publikum hatten. Was verbirgt sich ­dahinter?

Erinnern Sie mich nicht daran, das ist einer der Auftritte, die in schmerzhafter Erinnerung geblieben sind. Heute sind meine Soloprogramm meist gut verkauft. Vor einigen Jahren sah das hier in Bremen anders aus: Zwölf Gäste im Publikum, die keinerlei Regung zeigten. Die haben sich mehr so nach innen amüsiert. Das wird am Freitag hoffentlich anders – deutlich besser verkauft ist der Abend zumindest schon einmal.

Das Gespräch führte Alexander Bösch.

Zur Person

Daphne de Luxe ist an einem Montagabend 1971 geboren. Seit 1991 steht sie auf Bühne und ist unter anderem mit dem „Stockstädter Römerhelm“ ausgezeichnet worden. Im Kito ist sie am Freitag, 19. Mai, um 20 Uhr.
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