Olaf Dürkop vom Straßenamt über die Tunnel-Bauten in Oberneuland / Bürgerfest und Freigabe in wenigen Tagen

„Das ist mein mit Abstand größtes Projekt“

Herr Dürkop, die erste Unterführung in Oberneuland ist fertig. Gibt es kurz vor Schluss noch eine Zitterpartie?Olaf Dürkop: Ja, die gibt es in der Tat – wegen der Witterung. Um die Asphaltschicht aufzutragen, braucht es mindestens sechs Grad.
31.03.2016, 00:00
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Herr Dürkop, die erste Unterführung in Oberneuland ist fertig. Gibt es kurz vor Schluss noch eine Zitterpartie?

Olaf Dürkop: Ja, die gibt es in der Tat – wegen der Witterung. Um die Asphaltschicht aufzutragen, braucht es mindestens sechs Grad. So lange wir noch Nachtfrost hatten, war da nichts zu machen. Wenn der Asphalt auf gefrorenen Untergrund aufgetragen worden wäre, hätte die Gefahr bestanden, dass er später aufreißt.

Rund sechs Jahre Bauzeit und insgesamt 52,6 Millionen Euro sind für die drei Tunnel (Franz-Schütte-Allee, Auf der Heide und Mühlenfeldstraße) veranschlagt. Hatten Sie es in der Vergangenheit schon mit einem vergleichbar großen Projekt zu tun?

Nein, das ist mit Abstand mein größtes Projekt. Und nicht nur für mich, auch für Bremen ist das ein riesiges Unterfangen.

Wagen Sie eine Prognose, ob Sie zeitlich und finanziell hinkommen werden?

Wir liegen nach wie vor sowohl im Zeitplan als auch finanziell absolut im Rahmen. Etwa in zwei Wochen wird planmäßig der Tunnel Auf der Heide eröffnet. Ich muss allerdings auch betonen, dass mit der Eröffnung des dritten Tunnels 2019 das Projekt längst nicht abgeschlossen sein wird.

Was folgt dann noch?

Die Abrechnungen mit Bund und Bahn. Das kann sich erfahrungsgemäß bis zu zehn Jahre hinziehen. Wir haben kürzlich die Abrechnung für eine Brücke abgeschlossen, die schon seit 2002 in Betrieb ist. Mitunter vergehen Monate, bis eine Rechnung verarbeitet wird.

Sind Sie guter Dinge, dass Sie beim endgültigen Abschluss noch im Dienst sein werden?

Ich habe schon ein paar Mal im Scherz prognostiziert, dass ich mit Ende des Projekts in Rente gehe – ich bin jetzt 45 Jahre alt. Nein, ganz so lange wird es dann wahrscheinlich doch nicht dauern. Aber wenn man den gesamten planerischen Vorlauf einrechnet, kommt man unterm Strich auf rund 30 Jahre, die das Projekt gebraucht hat.

Hatten Sie schon mal eine schlaflose Nacht wegen der Tunnel?

Komischerweise bislang nicht. Ich mache die Arbeit ja nicht alleine – es arbeiten an allen Stellen sehr viele gute Leute. Die Bahn kümmert sich vorrangig vor Ort um die Bauarbeiten und ich mich um die übergeordnete Planung. Das funktioniert sehr gut. Sicher geht auch hier und da auch mal etwas schief, aber bislang blieb alles im Rahmen.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie an den nächsten Schritt – den Tunnel-Bau an der Mühlenfeldstraße – denken?

Da werde ich dann wohl die schlaflosen Nächte bekommen. Die Baustelle wird aufgrund der Enge Einschränkungen für alle Beteiligten mit sich bringen. Der Tunnel an der Franz-Schütte-Allee war zwar technisch aufwendiger, aber wir hatten eine große grüne Wiese zur Verfügung. An der Mühlenfeldstraße bauen wir zum Teil zweieinhalb Meter von den Haustüren der Anwohner entfernt.

Wie laufen die Vorbereitungen?

Zurzeit werden dort Leitungen umgelegt. Sobald der Tunnel an der Franz-Schütte-Allee auf ist, sperren wir die Mühlenfeldstraße. Zunächst nur für Autos, ab Sommer dann komplett. Wenn die Kampfmittelsondierung abgeschlossen ist, geht es direkt an die Erdarbeiten.

Ist es schwieriger in die Tiefe als in die Höhe zu bauen?

Alles, was in der Erde stattfindet, ist schwierig, weil vieles so unvorhersehbar ist.

Sie müssen also immer auf Überraschungen gefasst sein?

Ja, die gibt es oft – es läuft selten genau so ab, wie man es geplant hat. Zum Beispiel stößt man beim Graben hin und wieder auf Leitungen, die dort eigentlich nicht verlaufen dürften. Dann gilt es, herauszufinden, wohin die gehören und wie mit ihnen umgegangen werden kann. Das ist alles machbar, kostet aber Zeit. Wenn die Erdarbeiten abgeschlossen sind, atmen in der Regel alle auf.

Wie lange braucht es erfahrungsgemäß, bis sich der Verkehr in einer neuen Unterführung eingespielt hat?

Im Fall der Franz-Schütte-Allee rechne ich mit ein bis zwei Tagen. Die Straßenführung ist ja seit Langem erkennbar, da gibt es kaum Überraschungen für die Verkehrsteilnehmer.

Demnach wird der Verkehr ab Mitte der Woche problemlos fließen?

Leider nicht völlig – wenn der Tunnel eröffnet worden ist, muss die alte Überführung zurückgebaut werden. Von der Baustelle wird in Teilen auch die Zufahrt zum Tunnel betroffen sein. Das ist ärgerlich – jeder wünscht sich natürlich endlich freie Fahrt. Aber es ist nicht zu ändern.

Wie viel Zeit wird vergehen, bis die Bürger endgültig freie Fahrt haben?

Wir rechnen mit etwa drei bis vier Monaten. Auf Höhe des Lür-Kropp-Hofs wird parallel zum Rückbau des Übergangs noch ein Wendeplatz angelegt.

Das Interview führte Maren Brandstätter.

Die feierliche Freigabe des Tunnels Franz-Schütte-Allee, zu der alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen sind, soll am Montag 4. April, um 11 Uhr am Tunnel stattfinden – sofern die Bauarbeiten bis dahin abgeschlossen sind. Am Tag zuvor, Sonntag, 3. April, gibt es von 11 bis 15 Uhr aus Anlass der Fertigstellung direkt am Tunnel ein Bürgerfest.

Olaf Dürkop

ist Projektleiter für den Bau der drei Oberneulander Tunnel. Der 45-Jährige Diplom-Bauingenieur ist seit 18 Jahren im Bereich der Planung von Brücken- und Ingenieurbauten beim Amt für Straßen und Verkehr tätig. Ansässig ist er in Borgfeld.

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