Delia Nordhaus fokussiert in ihrer Ausstellung „Kleines groß“ Dinge, die häufig übersehen werden

Das Kleine in der großen Welt

Walle. Kleine, weiße Büsten stehen in Kästen, in ausgehöhlten Büchern und bevölkern alte Baumwurzeln oder sogar Hirschgeweihe. Sie tragen „Eichenhüte“, „Kastanienhüte“ oder Walnussschalen auf dem Kopf: „Und sie heißen `Huuties´“, erklärt die Künstlerin Delia Nordhaus, die in ihrer Galerie „Wallerie“ im Walle-Center am Donnerstag, 1.
01.03.2018, 00:00
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Von Matthias Holthaus
Das Kleine in der großen Welt

Delia Nordhaus zeigt in der Wallerie "Kleines groß": Neben den kleinen Objekten auch eigentlich kleine Tiere im größeren Format.

Roland Scheitz

Walle. Kleine, weiße Büsten stehen in Kästen, in ausgehöhlten Büchern und bevölkern alte Baumwurzeln oder sogar Hirschgeweihe. Sie tragen „Eichenhüte“, „Kastanienhüte“ oder Walnussschalen auf dem Kopf: „Und sie heißen `Huuties´“, erklärt die Künstlerin Delia Nordhaus, die in ihrer Galerie „Wallerie“ im Walle-Center am Donnerstag, 1. März, um 19 Uhr die Ausstellung „Kleines groß“ mit ihren eigenen Werken eröffnet.

„Huuties sind kleine Wesen, die um uns herum leben und die sich mir gezeigt haben. Sie erleben die Welt, wie wir uns in ihr bewegen“, erzählt sie. Bereits seit 2011 hat sie mit den Huuties zu tun, hat sie fotografiert und Filme von ihnen gemacht. „Sie beobachten die Menschen. Dabei werten sie nicht, sondern zeigen auf, was an Dingen passiert“, berichtet die Künstlerin. Sogar Reisen hat sie mit den kleinen Geschöpfen bereits unternommen, nach Norderney etwa oder nach Mailand. Die Erlebnisse der Huuties sind dann auf ihrer eigenen Facebook-Seite zu sehen, die bereits fast 900 Follower hat.

Dabei beschäftigen sich die Huuties mit unterschiedlichen Dingen: Einige befassen sich mit Literatur und mit Sprachgebrauch, denn sie wohnen in verschiedenen Bänden von „Meyers Konversationslexikon“ von 1908. Aus den Büchern hat Delia Nordhaus kleine Fenster herausgeschnitten, in die entstandenen Freiräume haben sich gleich Huuties einquartiert. Sie schauen nicht etwa heraus, sondern auf die Buchseiten. So beobachten sie nicht nur aufmerksam den Wandel der Sprache, sondern insgesamt auch die Veränderung der Welt, in der wir leben: „Was die Menschen gerade so erleben, auch der technologische Fortschritt, das alles empfinde ich gerade spürbar. Vor allem auch in Bremen, wo es überall neue Häuser gibt und sich das Stadtbild massiv ändert“, sagt Nordhaus. Ein umgedrehter Baumstumpf einer alten Eiche beherbergt gleich sieben Huuties, ein Huutie mit einer stacheligen Kastanienschale auf dem Kopf steht im Schaufenster der Wallerie: „Der Baumstumpf der Eiche hat schon viel miterlebt und ist schon fast nicht mehr da. Und auch die Kastanie ist von einem Pilz bedroht“, erzählt sie, und da frage man sich: „Wie gehen wir eigentlich mit der Natur um? Was bewahren wir unseren Kindern?“ Mit den Huuties möchte Delia Nordhaus die Wahrnehmung ändern und den Blick auf die kleinen Dinge lenken: „Die Huuties sind Beobachter und weil sie so klein sind, ist die Betrachtungsweise und die Aufmerksamkeit auch eine ganz andere.“

Neben dem Großen, das im Kleinen steckt, zeigt Delia Nordhaus mit großen Bildern auch das Kleine ganz groß: „Die Werkserie heißt ,Biosphären‘ und zeigt überdimensionierte Fliegen, denn ich finde, dass Fliegen unterschätzt werden“, erklärt sie. Auf den Bildern sind große, nahezu fotorealistische Fliegen unterschiedlicher Gattungen zu sehen, während der Hintergrund teils scharf, teils aber auch diffus wirkt. Immer in den Bildern enthalten sind aber liegende Achten, Spiralen und Dreiecke, die sich an den Spitzen berühren: Symbole für Unendlichkeit. Auch mit der „Biosphären“-Werkserie möchte Delia Nordhaus auf den Zustand der Welt aufmerksam machen und die Wahrnehmung schärfen: „Es gibt über 600 verschiedene Fliegenarten, aber was passiert eigentlich, wenn es die Fliegen nicht mehr gibt?“, fragt sie und möchte mit der Größe der abgebildeten Fliegen andeuten, wie klein der Mensch eigentlich ist und wie groß Insekten sind. „Woher kommen wir, was wollen wir hier?, diese Fragen stelle ich. Ich versuche, sichtbar zu machen, was scheinbar nicht im Raum ist. Neue Dimensionen und neue Ansichten zu schaffen, über die man sich eigentlich keine Gedanken mehr macht.“ Und auch eine große Nacktschnecke ziert ein Bild der Werkserie, was durchaus zum Motiv der abschätzig behandelten Fliegen passt: „Die Nacktschnecken haben keine Lobby“, sagt Delia Nordhaus, „davon mache ich auch noch mehr.“

2016 habe sie gelesen, dass Amazon den Mitarbeitern zukünftig ermöglichen wolle, in einer eigenen Biosphäre mit einem eigenen, separaten Lebensraum zu relaxen. Delia Nordhaus möchte die Menschen lieber auf das Leben in der bereits vorhandenen Biosphäre, also die Welt, die uns umgibt, aufmerksam machen und ein Bewusstsein schaffen: „Die Menschen sollen genießen und sich darüber freuen. Denn es ist eine wunderschöne Welt, in der wir leben und jeder Mensch sollte auf sie achtgeben.“

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