Regisseur Florian Cossen präsentiert seinen Debütfilm Das Lied in ihr

Ostertor. Im Film "Das Lied in mir" geht es um Entwurzelung, um zerstörtes Vertrauen und um das langsame Herantasten an eine noch fremde Identität. Jungregisseur Florian Cossen war bei der Preview seines Diplomfilms zu Gast im Cinema Ostertor.
14.02.2011, 05:00
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Von Bastienne Ehl

Ostertor. Im Film "Das Lied in mir" geht es um Entwurzelung, um zerstörtes Vertrauen und um das langsame Herantasten an eine noch fremde Identität. Jungregisseur Florian Cossen war bei der Preview seines Diplomfilms zu Gast im Cinema Ostertor.

Als er im Dezember erfahren hat, dass sein Film in die deutschen Kinos kommt und es eine Preview-Tour geben werde, stand Bremen ganz oben auf seiner Wunschliste. "Doch als dann die Liste vom Verleiher kam, stand Bremen nicht drauf", sagt der 32-Jährige, der seit zwei Jahren in München lebt. Doch dann hat Hamburg abgesagt, und als Alternative standen Potsdam und Bremen zur Wahl. "Und ich bin wirklich froh, dass es Bremen geworden ist. Mein Vater kommt aus Blumenthal und mein Onkel sitzt heute im Publikum", sagt der leidenschaftliche Werder-Fan, der sich in dieser Saison allerdings eher als "leidenschaftlich leidender Fan" bezeichnet.

Sein Vater ist im diplomatischen Dienst, und deshalb ist Florian Cossen nicht in Blumenthal, sondern in Tel Aviv geboren und in Montreal, Barcelona und Bonn aufgewachsen. Nach Abitur und Zivildienst in Bonn sammelte er als Regieassistent erste Filmerfahrungen. 2002 begann er sein Studium der szenischen Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg mit Sitz in Ludwigsburg. Der Film "Das Lied in mir" ist seine Abschlussarbeit an der Filmakademie.

Nach vier Jahren und 40 Drehtagen, davon 39 in Argentinien und einer in Deutschland, war der Film fertig. "Man schickt seinen Film dann zu allen möglichen Festivals und hofft, dass einen die guten toll finden." Die Macher des Filmfestivals in Montreál fanden den 110-Minüter toll und so wurde er dort im September des vergangenen Jahres vor 1050 Zuschauern welturaufgeführt. Neben dem Publikumspreis für den beliebtesten Film des Festivals, den sich "Das Lied in mir" mit dem spanischen Beitrag "Parajos de Papel" teilte, erhielt das Filmteam den Fipresci Preis der internationalen Filmkritik sowie eine besondere Erwähnung der ökumenischen Jury. "Das hat wirklich all unsere Erwartungen übertroffen, mit so einer Resonanz hätten wir nie gerechnet", sagt Florian Cossen. Nach weiteren Festivalerfolgen fanden er und sein Team einen Filmverleih, der "Das Lied in mir" jetzt in 33 Städten zeigt.

Auf die Idee für den Film kam der Jungregisseur 2006, als er er als Austauschstudent an einer argentinischen Filmhochschule studierte. "Dort tauchte immer wieder das Thema der Verschwundenen während der Militärdiktatur auf", erzählt er. "Unter den Vermissten waren auch 500 Babys, die zwangsadoptiert wurden und teilweise in Europa aufgewachsen sind und die eines Tages ihre wahre Herkunft entdecken. Das fanden wir wahnsinnig spannend und wussten sofort, das ist unsere Idee."

Im Film reist die 31-jährige Deutsche Maria (Jessica Schwarz) nach Chile. Bei einem Zwischenstopp auf dem Flughafen in Buenos Aires hört sie eine Frau ein Kinderlied singen. Maria spricht zwar kein Wort Spanisch, und trotzdem erinnert sie sich an den spanischen Text und die Melodie des Lieds. Verstört unterbricht sie ihre Reise und bleibt in der fremden Stadt.

Während sie sich auf die Suche nach einer Erklärung macht, taucht plötzlich ihr Vater Anton (Michael Gwisdek) in Argentinien auf. Er sagt seiner Ziehtochter die Wahrheit über ihre tatsächliche Herkunft: Maria hat Ende der Siebziger Jahre die ersten drei Jahre ihres Lebens in Buenos Aires gelebt. Als ihre leiblichen Eltern 1980 als Opfer der argentinischen Militärdiktatur verschwanden, wurde Maria von Anton, der ein paar Jahre in einer argentinischen Firma arbeitete, und seiner Frau adoptiert und nach Deutschland gebracht. Maria macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Familie und wird schließlich fündig. Doch sie findet auch heraus, dass etwas an der Geschichte, die ihr erzählt worden ist, nicht stimmen kann.

Der Film "Das Lied in mir" von Regisseur Florian Cossen läuft im Cinema Ostertor, Ostertorsteinweg 105. Kartenbestellung unter der Telefonnummer 70 09 14.

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