Nadja Ziebarth vom BUND sprach in der Reihe "Wissen um elf" über die Verunreinigung der Ozeane Das Meer als größte Plastikmüllhalde der Welt

Altstadt. Bei den Zahlen und den Fotos, die Nadja Ziebarth zeigte, konnte man ein entsetztes Raunen im Publikum hören. Im Haus der Wissenschaft sprach die Meeresbiologin und Meeresschutzreferentin vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in der Reihe "Wissen um elf" über Plastikmüll im Meer. Dass in den Mägen von Meerestieren so viel Abfall gefunden wird, machte viele Zuhörer betroffen.
18.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Solveig Rixmann

Altstadt. Bei den Zahlen und den Fotos, die Nadja Ziebarth zeigte, konnte man ein entsetztes Raunen im Publikum hören. Im Haus der Wissenschaft sprach die Meeresbiologin und Meeresschutzreferentin vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in der Reihe "Wissen um elf" über Plastikmüll im Meer. Dass in den Mägen von Meerestieren so viel Abfall gefunden wird, machte viele Zuhörer betroffen.

Jahr für Jahr werden auf der Welt etwa 200 bis 240 Millionen Tonnen Plastik produziert. Ein Viertel davon landet in Europa. "Gefolgt von Italien und Frankreich ist Deutschland mit einem Bedarf von 11,5 Millionen Tonnen einer der größten Abnehmer", sagte Ziebarth. Der größte Anteil, 38 Prozent, wird zu Verpackungen. 28 Prozent werden im Freizeitsektor und für medizinische Zwecke verwendet. An dritter Stelle steht, mit 21 Prozent, das Bauwesen.

Momentan wird sehr viel über Plastiktüten, insbesondere die Knistertüte, diskutiert. "500 Milliarden bis eine Billion Plastiktüten werden jährlich weltweit konsumiert", sagt Nadja Ziebarth. Das macht für jeden einzelnen Menschen 288 Plastiktüten pro Jahr. Nach einer Studie der Vereinten Nationen gelangen jährlich 6,4 Millionen Tonnen Müll in die Weltmeere, davon sind 75 Prozent Plastik. Auf einem Quadratmeter Meer finden sich teilweise 46000 Stück Plastik. Das ist sechsmal mehr als in einigen Meeresgebieten an Plankton zu finden ist, die Basis der Nahrungskette.

20000 Tonnen Müll gelangen jährlich in die Nordsee. Auf einem Strandabschnitt von 100 Metern findet man im Schnitt 712 Müllteile. Dass die Strände und Hafenbecken relativ sauber erscheinen, liegt auch daran, dass mit viel Kosten und Aufwand täglich Plastik aufgesammelt wird. Das meiste aber bleibt im Meer, die Langlebigkeit ist ein erhebliches Problem. "Es bleibt dort, und es kommt immer noch etwas oben drauf", sagt Ziebarth. Während Pappkartons und Sperrholz sich relativ schnell auflösen, braucht eine Plastiktüte bis zu 20, ein Fischernetz aus Nylon bis zu 600 Jahre.

Ein Großteil des Plastiks kommt aus diffusen Quellen, einige Produkte aber können eindeutig zugeordnet werden - wie Geisternetze: Netze, die beim Fischfang abreißen und dann durchs Meer treiben. Der Großteil des Mülls aber hat mit Tourismus zu tun. Unter Wasser sind die Schifffahrtslinien sehr gut durch eine Plastikspur zu sehen. In sogenannten Müllwirbeln entstehen große Ansammlungen von Plastik. Wirbel sammeln es und tragen es immer weiter nach innen. "Müllwirbel sind die Müllhalden der Meere", so Ziebarth.

Diese Verschmutzung der Ozeane ist ein hygienisches und wirtschaftliches Problem, aber auch eine Gefahr für Tiere. "Eine Million Vögel und 100 000 Meeressäuger sterben jährlich am Müll im Meer", sagte die Wissenschaftlerin. Jungtiere verheddern sich in Netzen, Tüten oder Ringen. Sie verenden, weil sie nicht mehr schwimmen können und verhungern. Vögel verwechseln schwimmendes Plastik mit Futter. "Sie verhungern mit vollem Magen." Wenn Plastik zerfällt, binden sich Schadstoffe an dessen Oberfläche und setzen Chemikalien frei, die Auswirkungen auf Hormone und Erbgut haben. Plastik gelangt dann etwa auch in Muscheln, und schließlich wieder in die Nahrungskette.

Es gibt verschiedene Ansätze, etwas dagegen zu tun. Knistertüten verbieten wäre wichtig. Der Klassiker sind Strandreinigungsaktionen. Fischernetze könnten mit Peilsendern ausgestattet werden, damit sie nicht als Geisternetze durch die Meere treiben. "Fishing for litter" ist ein Programm, bei dem Fischer den Müll, der als Beifang in ihren Netzen landet, an Land bringen. Der BUND arbeitet an einem Projekt, um auf den Inseln an unserer Küste den Mülleintrag in die Umwelt zu verringern.

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