Dresscode für die Bremer Schaffermahlzeit Das muss ein Frackträger beachten

Wer Gast der Schaffermahlzeit ist, darf auf einen Frack nicht verzichten. Doch was muss der Frackträger beachten? Der Schauspieler Christian Schliehe hat es für den WESER-KURIER ausprobiert.
07.02.2018, 20:16
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ina Bullwinkel

Es gibt nicht viele Anlässe, die elegante Kombination aus Schwarz und Weiß zu tragen. Wer Gast der Schaffermahlzeit ist, hat keine andere Wahl: Ein Frack muss sein. Barbara Müller von der Kostümwelt Bremen hilft den Gästen des Kapitänsessens seit zwölf Jahren in die mehrschichtige Kluft. Ohne fremde Hilfe gestaltet sich das Anziehen eines Fracks schwierig. Perlmuttknöpfe müssen durch Ösen, Bänder durch Schlaufen gesteckt werden. Nichts darf verrutschen. Alles hat seinen Platz. Von der Fliege bis zum Lackschuh.

Lesen Sie auch

Um zu demonstrieren, wie man einen Frack richtig trägt, kleidet Kostümexpertin Müller den Schauspieler Christian Schliehe vom Theaterschiff exklusiv für den WESER-KURIER. Knopf für Knopf. Hosenbein für Hosenbein. In Socken und Unterhose steht Schliehe in einem Raum, der wie ein begehbarer Kleiderschrank wirkt: Er ist umgeben von Regalen und Kleiderstangen, alle gefüllt mit Hemden, Sakkos und Zylindern.

"Die Fliege binden wir immer vor"

Als Erstes kommt das Hemd. Nicht irgendeins, sondern ein weißes mit verstärkter Hemdbrust. Was aussieht wie ein großes aufgenähtes Lätzchen, besteht aus Baumwoll-Piqué, einem doppelt gewebten Stoff, und dient der Festigkeit. Und Festlichkeit. Das Frackhemd hat keine Knöpfe. Die Perlmuttknöpfe sind lose und werden ähnlich wie Manschettenknöpfe an den Ärmeln durch die Knopflöcher gezogen. Das Besondere: Die Knöpfe haben einen länglichen Metallstift, in dem sich eine kleine Feder befindet. So werden sie langgezogen und erst durch das vordere Knopfloch gesteckt, danach durch das zweite. Durch eine Art Widerhaken und die Feder bleibt der Knopf an seinem Platz.

Lesen Sie auch

Eine weitere Kuriosität des Hemds ist sein Eingriff – rechts auf Höhe der Brust. Seine Funktion versteht auch Barbara Müller nicht wirklich. Wohl damit man an die Knöpfe kommt, überlegt sie. Die Krönung des Hemds ist die Fliege. „Die binden wir immer vor“, sagt Müller, während sie knotet und an allen Seiten der Fliege zieht, bis sie mit ihrer Form zufrieden ist. Mit einem Band stellt sie die Weite ein, dann legt sie das Gebinde um Schliehes Hals – natürlich nicht einfach so. Auch für die Fliege gibt es hinten eine eigene Schlaufe unter dem Kragen. Vorne wird die Fliege eingehängt. Für alles gibt es eine Schlaufe oder Öse, so scheint es. Die Enden des Kragens kommen hinter die Fliege und werden umgeklappt.

"Man fühlt sich, als hätte man einen kleinen Panzer"

Die Hose ist dagegen einfach. Besonders sind an ihr zwei Dinge: ihr doppelter Satinstreifen an der Seite (beim Smoking gibt es nur einen) und ein Knopf am Inneren des Hosenbunds. Jetzt wird deutlich, wofür die kleine Schlaufe unter der Hemdenbrust ist – sie wird an dem Hosenknopf befestigt, damit das Hemd nicht aus der Hose rutscht.

Jetzt kommt die Weste. „Ich finde, der Frack ist ein tolles Kleidungsstück“, sagt Müller, die Schliehe jetzt ein weißes Stück Stoff über den Kopf zieht, das an eine Kochschürze erinnert. Dort, wo eben die Fliege durch eine Schlaufe gezogen wurde, zieht Müller jetzt den Riemen der Weste fest. Fehlt noch der Gummibund um die Hüfte. Denn die Weste hat kein Rückenteil. „Im Grunde ist sie eine falsche Weste“, sagt Müller. Sie besteht genauso wie die Hemdbrust und die Fliege aus festem Piqué. „Man fühlt sich, als hätte man einen kleinen Panzer“, sagt Schliehe, der vorher nie einen Frack getragen hat. Zwar tritt er bald als Heinz Rühmann auf, aber nur im Anzug. „Darum bin ich auch sehr froh, jetzt, wo ich weiß, wie aufwendig das ist“, sagt Schliehe. Dabei ist er noch nicht fertig.

Die oberste Schicht ist der Frack. Schliehe betrachtet sich im Spiegel, überlegt kurz, wie er das Sakko schließt. Müller greift ein: „Ein Frack soll vorne zusammenstoßen, aber immer offen stehen.“ Noch ist er nicht fertig. Schliehe schlüpft in ein Paar Lackschuhe, bindet die Schleife. Perfekt. Zum Schaffermahl darf er trotzdem nicht.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+