Am Weltkindertag erobern Mädchen und Jungen die Straßen in Schwachhausen zurück Das Recht der Kleinen

Früher war das Spielen auf der Straße selbstverständlich. Heute haben Kinder immer seltener die Möglichkeit, draußen ungefährdet mit den Nachbarskindern herumzutollen. Am Weltkindertag durften Bremer Kinder ihre Straßen jedoch zurückerobern. Initiiert von der Aktionsgemeinschaft Straßenspiel fanden 47 Straßenfeste in ganz Bremen statt und begeisterten nicht nur die kleinen Besucher, sondern auch die Alteingesessenen.
28.09.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Annalena Oeffner Ferreira

Früher war das Spielen auf der Straße selbstverständlich. Heute haben Kinder immer seltener die Möglichkeit, draußen ungefährdet mit den Nachbarskindern herumzutollen. Am Weltkindertag durften Bremer Kinder ihre Straßen jedoch zurückerobern. Initiiert von der Aktionsgemeinschaft Straßenspiel fanden 47 Straßenfeste in ganz Bremen statt und begeisterten nicht nur die kleinen Besucher, sondern auch die Alteingesessenen.

Der Weltkindertag stand in Deutschland in diesem Jahr unter dem Motto „Jedes Kind hat Rechte!“. Um diese durchzusetzen, hat die Bremer Aktionsgemeinschaft Straßenspiel eine alljährliche Straßenspielaktion ins Leben gerufen. Damit soll deutlich gemacht werden, wie wichtig Spielmöglichkeiten für Kinder im direkten Wohnumfeld sind und wie die Straßenspielkultur zurück ins Bewusstsein geholt und gepflegt werden kann.

Trotz Wind und gelegentlichen Schauern lassen sich diese Gelegenheit weder die Kinder noch die Erwachsenen in der Straße An der Gete nehmen. Die Kinder brausen mit Rollern, Bobbycars, Stelzen und Pedalos die Straße entlang, spielen Tischfußball, malen ein Straßenfestbild mit Fingerfarben, probieren das selbst gebastelte Angelspiel aus und zaubern riesengroße Seifenblasen. Die Großen sitzen währenddessen an Biertischen, essen Kuchen und klönen.

Nicht nur die Kinder genießen das Fest. Eine Anwohnerin, die seit 46 Jahren in der Straße An der Gete lebt, sagt: „Früher kannte man die Nachbarn gegenüber nicht mal. Jetzt haben die jungen Familien das wieder in Schwung gebracht.“ Damit meint sie vor allem die Organisatorinnen des Straßenfestes, Silke Beimesche, Dorothee Weihe und Nicole Schriever-Abeln, drei Mütter, die mit ihren Kindern in der Straße wohnen.

„Lange Zeit gab es kaum Kinder in der Gete“, erzählt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Aber in den letzten Jahren sind viele junge Familien hergezogen. Im letzten Jahr hatten wir schon so ein Straßenfest, und das war wunderbar.“

Die drei Organisatorinnen stellten auch in diesem Jahr einen Antrag auf Straßensperrung, der vom Verein Spiellandschaft Stadt ans Stadtamt weitergeleitet wurde. „Außerdem haben wir das Fest angekündigt, Parkverbotszettel aufgehängt und die Aufgaben verteilt“, sagt Organisatorin Silke Beimesche. Viel mehr sei nicht zu tun gewesen. Als im letzten Jahr jemand mitten auf der abgesperrten Straße parkte, kümmerte sich gleich die Polizei darum.

Am aufwendigsten, so Beimesche, sei das Herankarren der Straßenabsperrung gewesen, die für 50 Euro ausgeliehen werden musste. Doch alle Besucher des Festes würden spenden, sodass die Kosten schnell wieder ausgeglichen seien. „Im letzten Jahr haben wir sogar Dankeskarten erhalten“, erzählt Nicole Schriever-Abeln. Besonders die älteren Anwohner hätten sich über das Fest gefreut, „die kennen das hier gar nicht. Und man lernt wirklich mehr Leute kennen.“ Dennoch zeigt die seltene Gelegenheit ,auf der Straße herumzutollen auch, was den Kindern normalerweise verwehrt bleibt.

Ein Anwohner, der seit 37 Jahren in der Straße lebt, nennt als Beispiel die Grundschule An der Gete sowie die benachbarte Georg-Droste-Schule für Blinde und Sehbehinderte, zu denen täglich viele Kinder die Straße entlanglaufen würden. „Es hat eine Verkehrsberuhigung in den 90er-Jahren gegeben, aber die Gete wird noch immer von vielen als Durchfahrtsstraße genutzt. Man muss sich wirklich für eine sinnvolle Verkehrsberuhigung einsetzen. Den Verkehr verbannen kann man heutzutage ja nicht mehr.“

Ein weiteres Problem für Kinder im Straßenverkehr stellen die dicht bewachsenen Grünstreifen in der Straße dar. Laut einiger älterer Anwohner stand das Gestrüpp zum Teil 1,80 Meter hoch. Durch die Stadt werde es nicht mehr in Schach gehalten, sodass manche Bewohner der Straße dem Grün selbst zu Leibe rücken. Denn, so eine Anwohnerin: „Die kleinen Pökse werden von den Autos ja gar nicht gesehen.“

Zudem ist der Anwohnerin aufgefallen, dass die Autos „hier durchrasen, obwohl es eine Tempo-30-Zone ist. Die Kinder können hier unmöglich auf der Straße spielen.“ Gut, dass sie wenigstens am Weltkindertag die Straße zurückerobern dürfen. Die Aktionsgemeinschaft Straßenspiel besteht aus dem Mobil-Team „Spielräume schaffen“ des Vereins Spiellandschaft Stadt sowie den Bremer Landesverbänden des Deutschen Kinderschutzbundes und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

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