Lkw-Fahrer entkam knapp

Das schwere Leben nach dem Brandanschlag in Gröpelingen

Sein Leben konnte Lkw-Fahrer Manuel Bunk beim Brandanschlag in Gröpelingen Ende Dezember 2017 mit viel Glück in letzter Sekunde retten. Doch das Leben danach war ein anderes.
17.02.2018, 18:07
Lesedauer: 4 Min
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Das schwere Leben nach dem Brandanschlag in Gröpelingen
Von Ralf Michel
Das schwere Leben nach dem Brandanschlag in Gröpelingen

Der völlig zerstörte Torso des Lkw nach dem nächtlichen Brandanschlag auf dem Firmengelände in Gröpelingen.

Manuel Bunk

Ja, Manuel Bunk hat Glück gehabt. Großes Glück sogar. Denn der 38-Jährige hätte ums Leben kommen können bei dem Brandanschlag auf einen Lkw in Gröpelingen Ende vergangenen Jahres. Gerade noch rechtzeitig wurde er wach, konnte sich und seinen Lastwagen außer Gefahr bringen. „Ich lebe noch und das ist natürlich das Wichtigste“, sagt er heute, knapp zwei Monate nach dem Anschlag, im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Doch wenn er erzählt, was seither alles passiert ist, wie er gefeuert wurde, wie allein gelassen er sich als Opfer einer Straftat fühlt oder welch' traumatische Folgen der Brandanschlag für ihn bis heute hat, dann fällt es schwer, zu sagen, dass Manuel Bunk einer ist, der Glück gehabt hat.

In der Fahrerkabine übernachtet

Es war die Nacht auf den 27. Dezember, die das Leben des Lkw-Fahrers so nachhaltig verändern sollte. Er war gerade aus dem Weihnachtsurlaub zurück. Für den ersten Arbeitstag nach den Ferien stand die Lieferung einer Ladung Euro-Paletten nach Herford auf dem Plan. Den Lkw hatte sein Chef bereits am Wochenende zuvor beladen, das Fahrzeug dann auf dem Firmengelände des Bremer Betonwerks Friedrich Thielen in Gröpelingen abgestellt. Um vier Uhr morgens wollte Bunk losfahren, um sieben Uhr sollten die Paletten in Herford sein.

Der 38-Jährige wohnt im Landkreis Cloppenburg. Um etwas mehr Schlaf zu bekommen, fuhr er schon am 26. abends nach Bremen und übernachtete in der Fahrerkabine des Lkws. Der stand auf dem Firmengelände direkt neben einem weiteren Lastwagen seiner Firma. Auch dieser Lkw sollte frühmorgens los. „Aber der andere Fahrer wohnt in Bremen, der hat deshalb nicht im Lkw übernachtet“, erklärt Bunk.

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Um kurz vor Mitternacht legte sich Bunk schlafen. Gerade zwei Stunden später habe ihn ein lautes Detonationsgeräusch geweckt, erzählt er. Noch im Dämmerschlaf habe er versucht, das Geräusch zuzuordnen. „Erst dachte ich, das sei das schlechte Wetter, dann, dass der Lärm wohl von einem Nachbarbetrieb kam.“ Tatsächlich war es der andere Lkw, der zu diesem Zeitpunkt bereits lichterloh brannte.

Vier Stunden nach dem Brand wieder am Steuer

Zu seinem Glück hatte Bunk, anders als viele seiner Kollegen, seine Schlafkabine nicht komplett abgedunkelt. So konnte er sofort erkennen, in welcher Gefahr er sich befand. „Das war wirklich eng. Mein Lkw war ja randvoll mit Holzpaletten. Wenn die erst Feuer gefangen hätten...“ Der Lkw wäre für ihn zur Todesfalle geworden, ist sich der 38-Jährige sicher. „Der Wagen war ja von innen verriegelt. Von außen hätte also niemand die Tür aufbekommen. Und ein paar Minuten später ich wahrscheinlich auch nicht mehr von innen, wenn das Feuer erst die Elektronik der Türverriegelung außer Kraft gesetzt hätte.“

Als er merkte, dass der Brand nicht von seinem, sondern von dem anderen Lkw ausging, habe er versucht, den Lkw aus der Gefahrenzone zu schaffen. „Das hat geklappt. Ich bin 100 Meter weggefahren, dann habe ich die Feuerwehr alarmiert.“ Exakt 2.28 Uhr war es da.

Während der andere Lastwagen durch das Feuer komplett zerstört wurde, schien das Fahrzeug von Bunk mit leichten Schäden an der Seiten- und der Oberfolie des Aufliegers davongekommen zu sein. Erst später zeigte sich, dass die extreme Hitze das Dach der Zugmaschine verzogen hatte und auch Türgriff und Außenspiegel in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

Bunk und sein Chef gingen zu diesem Zeitpunkt von einem technischen Defekt als Brandursache aus. „Na ja, und damit muss man dann halt irgendwie umgehen“, sagt Bunk. Für ihn bedeutete dies, um 7.30 Uhr, also gerade vier Stunden nach dem Brand, am Steuer eines anderen Lkw zu sitzen. Mit einer weiteren Ladung Euro-Paletten unterwegs nach Berlin.

Personenschaden in Kauf genommen

Bis hierhin wäre das Ganze für Bunk noch so eine Art Betriebsunfall gewesen. Ärgerlich, aber kann passieren. Dann jedoch tauchte im Internet ein Bekennerschreiben auf. Demnach handelte es sich bei dem Feuer um einen Brandanschlag. Verübt mutmaßlich von Mitgliedern aus der linksextremen Szene als vermeintlicher Racheakt gegen den Chef der Bremer Betonwerke, weil der Monate zuvor im Bundestagswahlkampf 2017 der AfD erlaubt hatte, zeitweilig ihre Wahlkampffahrzeuge auf seinem Firmengelände abzustellen.

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Manuel Bunk macht das zu schaffen. „Wie kann ein Mensch nur so etwas machen?“ Er geht davon aus, dass der Täter wusste, dass er in dem zweiten Lkw schlief. „Das Gelände war gut beleuchtet, man konnte leicht erkennen, dass in dem Fahrzeug jemand schlief. Auch die laufende Standheizung muss man gut gehört haben.“

Im Gespräch, nach außen hin, macht der 38-Jährige einen gefassten Eindruck. Doch er schlafe unruhig seither, erzählt er. „Der ganze Körper verspannt sich.“ Auch die Familie, seine Frau, ihre beiden Kinder, würden merken, wie sehr er in diesen Tagen manchmal neben sich stehe.

Mehr Unterstützung gewünscht

Und dann erhielt Bunk am 8. Januar auch noch Post von seinem Chef. Der teilte per Einschreiben mit, dass seine Firma durch den Brandanschlag „einen erheblichen Schaden erlitten hat, der uns zu drastischen Einsparungen zwingt“. Aus diesem Grund müsse man ihm zum 15. Februar 2018 kündigen. Seit Freitag ist Manuel Brunk arbeitslos.

Groll gegen den Firmenleiter hegt er deshalb nicht. Er hält die Kündigung sogar für „verständlich“. Schließlich sei es eine kleine Firma und der seien durch den Brand auf einen Schlag zwei Fahrzeuge ausgefallen. Da gäbe es für ihn als Fahrer einfach nicht mehr genug zu tun. Acht Monate hatte Bunk zuvor für den Betrieb gearbeitet.

Verärgert ist Brunk eher über die Behörden, von denen er sich mehr Unterstützung oder zumindest Beratung wünschen würde. „Mit seinen Gefühlen ist man ohnehin alleine, aber da sind so viele Fragen, denn das ist ja ein ziemlich spezieller Sonderfall: Wird das jetzt als Arbeitsunfall gewertet? Was leistet die Krankenkasse? Und greift da vielleicht das Opferentschädigungsgesetz?“ Er kenne sich mit all dem überhaupt nicht aus und müsse derzeit regelrecht kämpfen, um zumindest finanziell irgendwie klarzukommen. „Ich finde, das müsste vonseiten der Behörden besser geregelt sein.“

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