Heiner Rosebrock und Olli Kahrs möchten den Namen von Ludwig Weiß auf dem Gedenkstein in der Altstadt lesen Das sechste Opfer der Pogromnacht

In Gedenken an die Opfer der Pogromnacht haben Heiner Rosebrock und Olli Kahrs von der Gruppe "Putz und Rosen" am 9. November Rosen an Stolpersteinen im Viertel und Schwachhausen niedergelegt. Dabei bekräftigte Rosebrock seinen Wunsch, dass Ludwig Weiß auf der Liste am Mahnmal im Schnoor aufgenommen wird - als sechstes Bremer Mordopfer dieser einen Nacht im Jahre 1938.
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Von Liane Janz

In Gedenken an die Opfer der Pogromnacht haben Heiner Rosebrock und Olli Kahrs von der Gruppe "Putz und Rosen" am 9. November Rosen an Stolpersteinen im Viertel und Schwachhausen niedergelegt. Dabei bekräftigte Rosebrock seinen Wunsch, dass Ludwig Weiß auf der Liste am Mahnmal im Schnoor aufgenommen wird - als sechstes Bremer Mordopfer dieser einen Nacht im Jahre 1938.

Fesenfeld·Schwachhausen. Sorgsam legt Heiner Rosebrock Rosen auf den Bürgersteig. Acht Stück, also eine für jeden ehemaligen Bewohner. Er stellt eine brennende Kerze dazu und legt ein paar Handzettel aus, auf denen die Menschen nachlesen können, was das Ganze soll. Rosebrock und Olli Kahrs gedachten so am 9. November der Opfer des Nationalsozialismus. Rosen und Kerzen an Stolpersteinen im Fesenfeld und in Schwachhausen sollten an die Getöteten und Deportierten erinnern.

Eigentlich war eine Putzaktion geplant, doch wegen unvorhergesehener Ereignisse sagten weitere Teilnehmer ab, so dass Heiner Rosebrock und Olli Kahrs schließlich allein loszogen, auf das Putzen verzichteten und der Opfer sichtbar gedachten. Rosen, Kerzen und Handzettel blieben an Ort und Stelle, damit andere darauf aufmerksam werden und sich in Gedenken anschließen konnten.

"Leider gibt es in Bremen immer noch Menschen, die noch nichts von den Stolpersteinen gehört haben", sagte Heiner Rosebrock beim Auftakt in der Charlottenstraße. Dabei gibt es in Bremen mittlerweile über 500 dieser Messingtafeln. Auf Initiative des Bildhauers Gunter Demnig und mit Hilfe der Berufsschüler des Schulzentrums an der Alwin-Lonke-Straße werden die Steine mit den Messingtafeln im Bürgersteig vor Häusern versenkt, in denen einmal Juden gewohnt haben. Auf den Tafeln sind die Namen, Geburts- und Todesdaten und das Schicksal der ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner nachzulesen. An der Charlottenstraße 28 gedachten Rosebrock und Kahrs der Familie Altgenug.

Anschließend zogen sie zu den Häusern Humboldtstraße 10 und 5, Feldstraße 27 und 22, die Elsasser Straße 114, Parkstraße 1 und 5, Franz-Liszt-Straße 11a, Rembrandtstraße 25 und Brahmsstraße 3. Dort, an den Stolpersteinen von Ludwig und Rosa Weiß, erzählt Heiner Rosebrock die Geschichte des Paares. Ludwig Weiß wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 schwer misshandelt und dann in das KZ Sachsenhausen gebracht. Dort sei er an den Verletzungen gestorben, die ihm in Bremen zugefügt wurden, sagt Heiner Rosebrock. Er wünscht sich, dass der Name Ludwig Weiß als sechstes Mordopfer der Pogromnacht auf dem Gedenkstein an der Dechanatstraße steht. Barbara Johr von der Landeszentrale für politische Bildung, die Leiterin des Projektes Stolpersteine, hält es für unwahrscheinlich, dass die Inschrift geändert wird, weil der Stein den unmittelbar Getöteten gewidmet ist.

Bisher haben die Gruppe "Putz und Rosen" und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BDA) zwei Stolperstein-Putztage und einen Antifaschismusputztag organisiert, an dem rassistische und sexistische Graffitischmierereien entfernt wurden. Einen weiteren Putztag für die Stolpersteine planen die Gruppen um den 8. Mai herum, wie Olli Kahrs mitteilt. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg und damit auch der Naziterror. "Am schönsten wäre, wenn die Menschen die Stolpersteine künftig eigenständig putzen würden, um an die Opfer zu erinnern."

Informationen über die Gruppe "Putz und Rosen" gibt es im Internet unter www.putzundrosen.blogsport.eu, über die Bremer Stolpersteine auf der neuen Internetseite des Projektes www.stolpersteine-bremen.de.Im Rahmen einer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Deportation von über 440 Bremer jüdischen Kindern, Frauen und Männern am 18.11.1941 in das Ghetto Minsk wird am Freitag, 18. November, um 11.30 Uhr eine Gedenktafel an der Kohlhökerstraße 6 enthüllt. An dieser Stelle befand sich von 1939 bis 1941 das letzte Gemeindehaus der Israelitischen Gemeinde. In der ersten Etage waren die Klassen 1 bis 4 der Religionsschule und ein Betsaal untergebracht.

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