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Das sind die verschiedenen Nichtwähler-Typen

Auch wenn sich in armen, bildungsfernen Schichten besonders viele Wahlberechtigte enthalten: Nichtwähler gibt es in allen Gruppen der Gesellschaft, und die Gründe sind vielfältig. Generell werden vier Typen von Nichtwählern unterschieden.
05.04.2015, 00:00
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Das sind die verschiedenen Nichtwähler-Typen
Von Sara Sundermann
Das sind die verschiedenen Nichtwähler-Typen

Die unsichtbare Fraktion: So sähe das Landesparlament aus, wenn die Plätze, die dem Anteil der Nichtwähler entsprechen, frei blieben.

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Auch wenn sich in armen, bildungsfernen Schichten besonders viele Wahlberechtigte enthalten: Nichtwähler gibt es in allen Gruppen der Gesellschaft, und die Gründe sind vielfältig. Junge Menschen wählen seltener als ältere, die Wahlneigung steigt ab 30 Jahren. In der Forschung werden laut Bundeszentrale für politische Bildung vier Gruppen von Nichtwählern unterschieden.

Unechte Nichtwähler: Gemeint sind Wahlberechtigte, die beispielsweise wegen eines Umzugs oder eines Auslandsaufenthalts keine Wahlbenachrichtigung erhalten haben. In diese Kategorie fallen auch Verstorbene, die aber weiterhin in den Wählerverzeichnissen stehen, sowie durch Krankheit verhinderte Wahlberechtigte.

Grundsätzliche Nichtwähler: Diese Gruppe besteht aus Wahlberechtigten, die einerseits aus politikfernen, sozial schlecht integrierten Randgruppen stammen und zu denen andererseits auch Minderheiten wie die Zeugen Jehovas zählen, die Wählen aus religiösen Gründen ablehnen.

Konjunkturelle Nichtwähler: Diese dritte Gruppe ist die größte. Konjunkturelle Nichtwähler entscheiden bei jeder Wahl neu, ob sie ihre Stimme abgeben. Wähler dieser Gruppe beteiligen sich zum Beispiel zwar an Bundestagswahlen, nicht aber an Kommunal- oder Europawahlen. Ob sie ihre Stimme abgeben, hängt davon ab, wie wichtig ihnen die Wahl erscheint. Knapp die Hälfte der Nichtwähler ging 2013 nur einmal nicht zur Wahl. Rund 14 Prozent der Nichtwähler enthalten sich laut einer Studie von 2013 dauerhaft.

Bekennende Nichtwähler: Gemeint sind Menschen, die politisch interessiert sind, aber aus Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik, mit den Parteien oder mit der Funktionsweise der Demokratie auf die Stimmabgabe verzichten. Dazu zählen auch Protest-Nichtwähler, die zum Beispiel ihre zuvor gewählte Partei gezielt abstrafen. Forscher konnten nachweisen, dass bekennende Nichtwähler eine kleine Minderheit sind. Allerdings meldet sich diese Minderheit häufiger öffentlich zu Wort. Das haben zum Beispiel der Autor Richard David Precht, der Philosoph Peter Sloterdijk oder der Schauspieler Moritz Bleibtreu 2013 getan. Sie wurden dafür kritisiert, als Prominente Nichtwählen salonfähig zu machen.

Die Motive: Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2013, für die 3500 Nichtwähler befragt wurden, ist Unzufriedenheit mit Politikern (33 Prozent) und politischen Inhalten (16 Prozent) das Hauptmotiv von Nichtwählern. Persönliche oder formale Gründe, wie zum Beispiel das Wahlsystem (5 Prozent), die Entfernung zum Wahllokal (1 Prozent) oder schlechtes Wetter (1 Prozent) werden dagegen relativ selten als Motiv genannt.

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