Erste Gröpelinger Jugendkonferenz

Das Ziel: Jugendlichen eine Stimme geben

Bei der Bürgerschaftswahl im Mai können auch Jugendliche ab 16 mit abstimmen. Studierende der Hochschule wollen mit einer Jugendkonferenz dazu ermutigen, von diesem Wahlrecht auch Gebrauch zu machen.
20.01.2019, 18:24
Lesedauer: 4 Min
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Das Ziel: Jugendlichen eine Stimme geben
Von Anne Gerling
Das Ziel: Jugendlichen eine Stimme geben

Im Mai wird eine neue Bremische Bürgerschaft gewählt. Studierende der Hochschule wollen mit einer Konferenz in Gröpelingen Jugendliche dazu ermutigen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Carmen Jaspersen/dpa

„Workshops, Pizza und Politiker, die dir zuhören“: Das erwartet junge Menschen aus dem Stadtteil zwischen 15 und 25 Jahren bei der ersten Gröpelinger Jugendkonferenz „Youkon – Gestalte Deine Zukunft!“ im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen (Na‘) am Sonnabend, 26. Januar.

Seit 2011 dürfen in Bremen bekanntlich auch Jugendliche wählen. Ab dem 16. Geburtstag besitzen sie das aktive Recht zur Wahl der Bremischen Bürgerschaft – sie sind also berechtigt, über die Zusammensetzung des Landesparlaments mit abzustimmen. Aber tun sie es auch? Rund 20 Studierende aus dem dritten Semester des Internationalen Studiengangs Politikmanagement an der Hochschule Bremen möchten Mädchen und Jungen nun auf einer Jugendkonferenz dazu motivieren, bei der am 26. Mai anstehenden Bürgerschaftswahl auch tatsächlich von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Gröpelingen aus mehreren Grünen ausgewählt

Dass die Studierenden für ihr Projekt im Kurs Projektmanagement als Stadtteil Gröpelingen ausgewählt haben, erklärt Michelle Woelke vom Organisationsteam mit mehreren Faktoren. So wachse insbesondere dort die soziale Ungleichheit, es gebe eine zunehmende Entmischung und immer weniger gesellschaftliche und politische Teilhabe.

So war bei der letzten Bürgerschaftswahl vor vier Jahren – bei der es mit 50,2 Prozent ohnehin eine historisch schlechte Wahlbeteiligung gegeben hatte – in Gröpelingen die Wahlbeteiligung bremenweit mit am niedrigsten: Nur etwa jeder Dritte im Stadtteil machte damals von seinem Wahlrecht Gebrauch; die Wahlbeteiligung lag bei niedrigen 37,3 Prozent. Leider kein „Ausrutscher“; bereits bei der Bürgerschaftswahl im Jahr 2011 waren im Stadtteil Gröpelingen nur 43 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gegangen.

Nachdem sie sich im Vorfeld mit verschiedenen soziologischen Themen beschäftigt und Gröpelingen bei gemeinsamen Rundgängen erkundet haben, wollen die Studierenden deshalb nun im Rahmen ihres Projekts die Wahlbeteiligung im Stadtteil stärken. „Die jungen Menschen als nächste Generation der Wahlberechtigten dieses multikulturellen Stadtteils, in dem 48,2 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund haben, wollen wir ermutigen, sich zu beteiligen“, sagt Michelle Woelke.

Jugendparlament neu beleben

Ihren Ansatz, mit dem sie ihre Zielgruppe erreichen und nachhaltig für Politik interessieren und begeistern möchten, bringen die Studierenden auf die Formel „Politik für Anfängerinnen“.

Der Ablauf der Veranstaltung ist in Form einer Zukunftswerkstatt geplant: Zunächst wollen die Studierenden dabei herausfinden, welche Probleme junge Menschen in ihrem Stadtteil wahrnehmen und an welchen Stellen sie sich Veränderungen wünschen. In der ersten Runde soll deshalb in mehreren Workshops über spezielle politische Themen und Fragestellungen gesprochen und eine Themenliste zusammengestellt werden. Über diese Liste können Jugendliche und Studierende anschließend mit Vertretern verschiedener Parteien diskutieren. Eingeladen wurden dabei Woelke zufolge mit Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FDP und SPD bewusst solche Parteien, die zu der im Nachbarschaftshaus gelebten kulturellen Vielfalt passen.

"Jungen Menschen eine Stimme geben"

„Ziel dieser Veranstaltung ist es, jungen Menschen eine Stimme zu geben und Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft zu entwickeln“, betont Michelle Woelke und ergänzt: „Wir hoffen, dass wir die Jugendlichen mit der Veranstaltung erreichen können und dass sie merken, was das für ein wichtiges Thema ist. Wir haben bewusst das Format Zukunftswerkstatt gewählt, damit sie ihre Wünsche und Bedenken äußern können. Mit der Youkon wollen wir zum Denken anregen – aber auch zum Handeln.“

Die Organisatoren verfolgen mit der Veranstaltung außerdem ein nachhaltiges Konzept. So hatten die Studierenden vor einiger Zeit Kontakt zum Jugendparlament Gröpelingen aufgenommen, wo momentan Hüseyin Demir als einziges noch verbliebenes Mitglied überlegt, wie es dort weitergehen kann. „Es war ein glücklicher Zufall, dass die Studierenden der Hochschule genau das Problem behandeln, das wir gerade haben und auch gerne behandeln wollen“, sagt er und hofft, dass am 26. Januar genügend Jugendliche kommen, um verschiedene Themen diskutieren zu können.

Plakate und Flyer verteilt

„Eine Idee ist auch, über die Veranstaltung neue Leute zu gewinnen, mit denen wir das Jugendparlament neu aufleben lassen können. Ein Problem, das wir nicht nur in Gröpelingen haben: Ein Jugendparlament nach dem anderen verschwindet. Und wenn es erst einmal so weit ist, dann ist es sehr schwer, wieder ein neues zu gründen.“ Sein Rat an alle wahlberechtigten Jugendlichen: „Es ist wichtig, dass sie ihre Stimme und ihre Chance nutzen, um die Partei ihrer Wahl zu stärken und damit Parteien, die sie ablehnen, nicht weiter wachsen.“

In der vergangenen Woche waren einige Studierende im Stadtteil unterwegs, um dort in Schulen, Freizis und im Nachbarschaftshaus mit Plakaten und Flyern Werbung für die Youkon zu machen. Die ersten positiven Reaktionen gibt es schon. „Das ist eine gute Sache und wir werden unseren Jugendlichen davon erzählen“, sagt etwa Sabine Toben-Bergmann vom Freizi Oslebshausen, die mit „ihren“ Jugendlichen regelmäßig über Politik und Beteiligungsmöglichkeiten spricht. So ist die Einrichtung an der Oslebshauser Heerstraße 225 auch in diesem Jahr wieder Wahllokal für die U18-Europawahl, deren Initiatoren junge Menschen für Politik auf europäischer Ebene interessieren und ein demokratisches Grundverständnis aufbauen möchten.

Am 17. Mai – neun Tage vor der Wahl zum Europäischen Parlament – können sich daran alle jungen Bremer unter 18 Jahren beteiligen, und zwar unabhängig von ihrer Nationalität. Alle, die im Vorfeld von Europa- und Bürgerschaftswahl über Politik, Parteien und Zukunftsgestaltung nachdenken, sich mit anderen austauschen und eine Meinung bilden möchten, haben dazu nun auf der Youkon die Möglichkeit.

Alle Gröpelinger Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren sind zur ersten Gröpelinger Jugendkonferenz mit dem Titel „Youkon – Gestalte Deine Zukunft!“ am Sonnabend, 26. Januar, von 11 bis 16 Uhr ins Nachbarschaftshaus Helene Kaisen (Na’), Beim Ohlenhof 10, eingeladen.

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