Verein an der Uniwildnis

Dauercamper erhalten Kündigung

Noch rund einen Monat, dann endet der Pachtvertrag, den die hansestädtische Wirtschaftsförderung Bremen mit dem Verein der „Freunde und Dauercamper“ an der Uniwildnis geschlossen hat.
29.03.2016, 00:00
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Dauercamper erhalten Kündigung
Von Wigbert Gerling
Dauercamper erhalten Kündigung

Eingang zur Uniwildnis, wo Dauercampern nun gekündigt wird.

Christina Kuhaupt

Noch rund einen Monat, dann endet der Pachtvertrag, den die hansestädtische Wirtschaftsförderung Bremen mit dem Verein der „Freunde und Dauercamper“ an der Uniwildnis geschlossen hat.

Die Kündigung wurde verfügt, so hieß es, weil die Zahlungen für die Vermietung nur noch unregelmäßig eingegangen seien und der ausstehende Betrag inzwischen eine fünfstellige Höhe erreicht habe. Im Gespräch sind mehr als 20 000 Euro. Vorsitzender der Vereins ist laut Internet-Eintrag der ehemalige SPD-Senator und Bundestagsabgeordnete Konrad Kunick.

Es geht um den alten „Naturcampingplatz“ – nicht weit von der Universität und erreichbar über den Hochschulring. Nach einigem Hin und Her und Vorwürfen, es werde dort unrechtmäßig „wild übernachtet“, war im Sommer 2008 der Pachtvertrag mit dem Verein der „Freunde und Dauercamper“ abgeschlossen worden. Das Gelände ist unter der Regie der Wirtschaftsförderer, die allerdings seit über einem Jahr zumindest nicht mehr die Pacht bekommen, die sie vereinbart haben. Angeblich geht es um monatlich etwa 2000 Euro.

Keine "Sonderbehandlung" durch Sozialprojekte

Die Uniwildnis war immer wieder im Gespräch, wenn über Planungen im weiteren Umfeld der Universität gesprochen wurde. Vor knapp sechs Jahren beispielsweise war der Bau eines „City Resorts“ für Touristen ein Thema – ein Großprojekt mit Hotel, Kongresszentrum und Gastronomie war angekündigt und geplant. Der alte Zeltplatz wäre unmittelbar berührt gewesen. Ex-Senator Konrad Kunick wurde im August 2010 damit zitiert, dass er das Vorhaben rigoros ablehne. Damit würde, so hieß es, „ein Modell sozialer Integration zerstört“.

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An die Kündigung, die jetzt an den Verein ging, wurde der Hinweis geknüpft, dass die Wirtschaftsförderung zu diesem Schritt verpflichtet sei, wenn die Pacht nicht gezahlt werde. Es werde so verfahren wie bei jedem anderen Mieter von Flächen auch. Es gebe keine „Sonderbehandlung“, wenn ein ehemaliger Senator dort der Vereinsvorsitzende sei und dort Sozialprojekte möglich gemacht würden.

Gelände im Gespräch

Der „Naturcampingplatz“ bietet nicht nur Platz für die Dauercamper, sondern wird vom Verein auch für soziale Betreuung genutzt. Darauf verweist der sozialdemokratische Unterbezirk Stadt, der unter anderem Senat und Parlament derzeit auffordert, ein Konzept zu erarbeiten, das die „derzeitige Nutzung festschreibt“. Auf dem alten Gelände des Campingplatzes stelle der Verein unter anderem Flächen für Kinder- und Jugendverbände zur Verfügung, zudem gebe es dort „Ferienfreizeiten zum Selbstkostenpreis“. Auszug aus einem Beschluss, der auf einem SPD-Landesparteitag beraten werden soll: „Diese Angebote erreichen zum größten Teil Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen. Für diese Kinder und Jugendlichen ist das häufig die einige Möglichkeit der Urlaubsgestaltung in den Ferien außerhalb des Wohnquartiers.“

Dazu wurde in der Wirtschaftsbehörde auf Nachfrage betont, man sei gesprächsbereit, um über die Zukunft dieser Angebote zu beraten. Sprecher Tim Cordßen: „Wir stehen als Ansprechpartner zur Verfügung – alle Türen sind offen.“

Die Uniwildnis hatte auch unabhängig von Großvorhaben à la „City Resort“ in der jüngeren Vergangenheit immer wieder für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt. Mal hieß es vor einiger Zeit, das Gelände sei zum Bau von Häusern ins Blickfeld gerückt, dann kamen Unterkünfte für Flüchtlinge ins Gespräch. Als das Thema im Parlament aufgerufen wurde, betonte der Senat, die Stadtgemeinde könne den Pachtvertrag kündigen und halte sich damit die Möglichkeit offen, dort bei Bedarf einen Schwerpunkte zu setzen.

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