Gesprächsrunde zur Zukunft des Quartiers Debatte über das Viertel geht weiter

Die Beschwerden über Lärm vor Cafés, Kneipen und Clubs häufen sich, vor allem im Viertel. Auf einer Podiumsdiskussion in der Neustadt haben sich Politiker, Behördenvertreter und Akteure der Kulturszene getroffen - und waren sich erstaunlich einig.
25.03.2015, 00:00
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Debatte über das Viertel geht weiter
Von Nikolai Fritzsche

70 Leute stehen vor dem Café „Karton“ in der Alten Schnapsfabrik in der Neustadt. Sie wären gerne drinnen, aber da sind noch weitere 70 Leute, mindestens. Ein Bildschirm und ein Lautsprecher sorgen dafür, dass unter freiem Himmel alles ankommt, was im Innern gesagt wird. Ein Lautsprecher auf der Straße? Das riecht nach Ärger mit Anwohnern – und genau darum geht es an diesem Dienstagabend: Beschwerden über Lärm vor Cafés, Kneipen und Clubs. Und die Abwägung von Interessen, die unvereinbar scheinen.

Schauplatz ist das Viertel, wo sich mehr Nachbarn als früher beschweren. Wo Studenten in der „Lila Eule“ donnerstags ohne Sperrstunde feiern dürfen – noch, denn ein Anwohner klagt gegen das Stadtamt, weil es der „Eule“ eine Ausnahme genehmigt hat. Wo in Kneipen wie dem „Litfass“ weniger Konzerte stattfinden dürfen, nachdem Anwohner sich beschwert haben.

Der Verein Clubverstärker hat zur Podiumsdiskussion eingeladen. Politiker, Behördenvertreter und Akteure der Kulturszene sind gekommen. Diskutiert wird aber kaum – dafür sind sich die Podiumsgäste trotz ihrer verschiedenen beruflichen Hintergründe zu einig.

Einige wenige Bewohner gefährden die Vielfalt des lebendigen Stadtteils – das sieht Andreas Kottisch von der SPD („Die Sensibilität ist gestiegen.“) genauso wie Norbert Schütz vom „Litfass“. Auch das Stadtamt, bei dem die Beschwerden über grölendes Partyvolk und laute nächtliche Gespräche vor Clubs eingehen, will, dass das Kulturleben sich weiterhin entfalten kann. Leiterin Marita Wessel-Niepel: „Wer sich über Lärm im Viertel beschwert, muss sich überlegen, ob er im richtigen Quartier wohnt.“

Erst einmal den Dialog suchen

Die Nächte laut, manche Straßen dreckig – und an den Laternenmasten hängen Zettel von Menschen, die für die Vermittlung einer Wohnung in ebendiesen Straßen 500 Euro Belohnung ausloben. Carsten Werner (Grüne) erklärt: „Die Leute, die sich beschweren, wollen keine Schlafstadt, die wollen eine Schlafstraße. Drumherum soll es bunt und lebendig bleiben.“

Die Kulturmanagerin Julia von Wild fordert, nicht weniger, sondern mehr Konzerte zu erlauben: „Für lokale Nachwuchsgruppen fehlen Auftrittsmöglichkeiten. Aus demselben Grund fahren Bands, die auf Tour sind, an Bremen vorbei.“

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Am Ende steht keine handfeste Strategie, aber immerhin die Erkenntnis, dass alle Akteure stärker zusammenarbeiten wollen. Und der Wunsch, dass Anwohner, die sich gestört fühlen, den Dialog mit Veranstaltern und Gastronomen suchen, statt gleich zum Stadtamt zu gehen.

Malte Prieser vom Verein Clubverstärker betont die Bedeutung der Debatte: „Die Weichen werden hier und jetzt gestellt. Das Hamburger Schanzenviertel und Berlin-Kreuzberg sind abschreckende Beispiele. Wir müssen es in Bremen besser machen, zeigen, dass es möglich ist.“

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