Vorfall in St. Magnus verweist auf Problem in Nahverkehrszügen Defekter Ticketautomat bringt Bahnkunden in die Bredouille

St. Magnus. Was tun, wenn der Fahrkartenautomat am S-Bahnsteig "spinnt", die Nordwestbahn im Zug aber keine Tickets verkauft? Diese Frage überfordert nicht nur 13-jährige Schüler, die von Bremen-Nord in die Innenstadt fahren wollen. So wie der Sohn unseres Lesers Alexander Lerchl aus St. Magnus. Lerchl schilderte gegenüber dieser Zeitung eine Geschichte, die ein ganz allgemeines Problem in den Zügen der Nordwestbahn aufzeigt.
08.06.2012, 05:00
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Defekter Ticketautomat bringt Bahnkunden in die Bredouille
Von Jürgen Theiner

St. Magnus. Was tun, wenn der Fahrkartenautomat am S-Bahnsteig "spinnt", die Nordwestbahn im Zug aber keine Tickets verkauft? Diese Frage überfordert nicht nur 13-jährige Schüler, die von Bremen-Nord in die Innenstadt fahren wollen. So wie der Sohn unseres Lesers Alexander Lerchl aus St. Magnus. Lerchl schilderte gegenüber dieser Zeitung eine Geschichte, die ein ganz allgemeines Problem in den Zügen der Nordwestbahn aufzeigt.

Der Ärger begann am vergangenen Sonnabend gegen 15.30 Uhr auf dem Bahnsteig in St. Magnus. "Mein Sohn wollte um 15.37 Uhr den NWB-Zug nach Bremen Hauptbahnhof nehmen. Ich ging mit ihm runter zum Bahnsteig und zum Automaten. Der weigerte sich aber, einen Fahrschein zu drucken, trotz mehrfacher Versuche. Wir versuchten es mit passendem Geld. Obwohl es angenommen wurde, erschien immer wieder die Meldung: ,Bitte zahlen Sie’ selbst wenn bezahlt war und als zu zahlende Summe 0,00 Euro erschien", berichtet Lerchl. Er habe seinem Sohn schließlich gesagt, er solle in den Zug einsteigen und im Fall einer Kontrolle den Sachverhalt gegenüber dem Schaffner schildern.

"Was dann folgte, ist schon ein Hammer", findet Alexander Lerchl. Die Zugbegleiterin habe seinem Sohn gesagt, ihr sei das Problem mit dem Fahrkartenautomaten bekannt. Dennoch habe sie ihm nicht etwa ein Ticket ausgestellt, sondern seine Personalien aufgenommen. Die Krönung: Der Junge sollte die 1,20 Euro im Büro der Nordwestbahn im Hauptbahnhof nachzahlen. Da dieses Büro sonnabends aber schon um 14 Uhr schließt, hätte dies bedeutet: Anderntags nochmals für 2,40 Euro hin und zurück in die Innenstadt, um 1,20 Euro zu überbringen. "Das kann ja wohl nicht angehen", schimpft Lerchl.

Doch, es kann. Nach den Worten von NWB-Sprecherin Katrin Hofmann sind die Zugbegleiter in vergleichbaren Fällen oft in einer misslichen Lage. "Grundsätzlich gilt ganz klar die Ansage des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen, dass in den Zügen keine Fahrkarten verkauft werden. Daran haben wir uns zu halten", so Hofmann. Einerseits. Andererseits müssten die Schaffner natürlich in der Lage sein zu reagieren, wenn etwa ein Ticketautomat am Bahnsteig ausgefallen ist und der Fahrgast dies glaubhaft schildert.

"Dann gibt es im Zug eine Art Notverkauf", so Hofmann. Der besteht aber nicht im Ausstellen eines Tickets, sondern im Festhalten der Personalien. Ein bis zwei Tage später wird dem Kunden dann ein Brief mit der Bitte um Überweisung des jeweiligen Ticketpreises zugestellt. Ganz ideal sei das nicht, räumt Katrin Hofmann ein – aber eine akzeptable Lösung, die sowohl die Maßgaben des VBN berücksichtige als auch die unverschuldete Bredouille, in der sich der Fahrgast befindet.

Alexander Lerchl kann sich mit dieser Erklärung des Bahnunternehmens nicht so recht anfreunden. Für ihn bleibt das, was seinem Sohn widerfuhr, "ein kleines Stück aus Absurdistan".

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