Trägerverein will nicht mehr

Dem Grohner Sportbad droht das Aus

Der Trägerverein des Sportbads in Grohn erwartet von Bremen eine langfristige Absicherung und die Modernisierung des Bades. Sonst will der Verein das Bad ab 2021 nicht weiterbetreiben.
22.05.2018, 17:38
Lesedauer: 4 Min
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Dem Grohner Sportbad droht das Aus
Von Julia Ladebeck
Dem Grohner Sportbad droht das Aus

Das Grohner Sportbad ist marode und muss dringend saniert werden.

Maximilian von Lachner

Der Verein Sportbad Bremen-Nord fordert von der Stadt Bremen ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Grohner Schwimmbads. Eine langfristige Zusage für kontinuierliche finanzielle Unterstützung und eine Modernisierung stellt sich Uwe Schnibben, Vorsitzender des Trägervereins, vor. Unter den jetzigen Konditionen, das sagt Schnibben ganz deutlich, wird der Verein das Bad ab 2021 nicht mehr weiterbetreiben. Dann läuft der aktuelle Pachtvertrag mit dem Besitzer, einem Privatmann, aus. Das würde für den Schwimmsport in Bremen-Nord das Aus bedeuten.

Das Grohner Sportbad müsste dringend modernisiert werden. Und das schon seit Jahren. Das Dach ist an einigen Stellen undicht, die Glasfassade müsste aus energetischen Gründen ausgetauscht werden und auch die Heizungsanlage ist veraltet. Der Verein Sportbad Bremen-Nord kann eine Sanierung jedoch finanziell nicht stemmen. Zumal der Kostendruck beim Betrieb des Schwimmbads in den vergangenen Jahren ohnehin stark zugenommen hat.

Stetig steigende Energiekosten

Zwar bezuschusst die Stadt Bremen den Betrieb des Bades jährlich mit 99.000 Euro. Diese Summe wurde aber bei gleichzeitig stetig steigenden Energiekosten seit 13 Jahren nicht erhöht. Zudem kann der Verein mit dieser sogenannten Defizitabdeckung nie sicher rechnen. Jahr für Jahr muss sie aufs Neue beantragt und von der Sportdeputation bewilligt werden.

Sportbad Grohn

Die Glasfassade des Schwimmbads müsste aus energetischen Gründen ausgetauscht werden.

Foto: Maximilian von Lachner

"Wir stellen den Antrag im Sommer für das kommende Jahr", schildert Schnibben. Zwar bekommt der Verein in der Regel im Januar einen Abschlag auf die beantragte Summe. Doch die Deputation bewilligt diese offiziell erst im März. Der Bescheid kommt dann im April. "Wenn die Deputation das Geld einmal nicht mehr bewilligt, dann sind wir als Verein in der Pflicht, den Abschlag in Höhe von knapp 25.000 Euro zurückzuzahlen, müssen aber weiterhin die Pacht übernehmen." Und dieses Risiko, sagt er, sind die Ehrenamtlichen nicht mehr länger bereit zu tragen. Der Vorstand sei sich in diesem Punkt einig.

Nach Angaben von Bernd Schneider, Sprecher der Sportbehörde, ist die Finanzierung allerdings gar nicht so unsicher, wie Schnibben meint. Über den Zuschuss in Höhe von 99.000 Euro werde von der Deputation als "Beschluss über eine wiederkehrende Ausgabe" entschieden. Schneider erläutert: "Das sind Beschlüsse, die ohne Auslaufzeitpunkt beschlossen werden und jährlich neu in Kraft treten." Dadurch ergebe sich allerdings kein Anspruch auf einen staatlichen Zuschuss, räumt der Sprecher ein. Er ermuntert den Vereinsvorstand jedoch, vertrauensvoll mit dem Sportamt ins Gespräch zu kommen und sein Anliegen vorzutragen. "Dann muss man gemeinsam nach einer Lösung suchen." Auf alle Fälle sei dem Sportamt die hohe Bedeutung des Grohner Sportbads für den Schwimmsport durchaus bewusst.

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Dem Verein Sportbad Bremen-Nord gehören Nordbremer Vereine mit Schwimmsparte, der TSV St. Magnus, die Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack, der Blumenthaler Turnverein und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft sowie der Landesschwimmverband und einige Privatpersonen an. Knapp 80 Fördermitglieder sind es laut Schnibben insgesamt.

Auf der Einnahmenseite des Vereins stehen die Beiträge der Mitglieder, ein Zuschuss in Höhe von 20.000 Euro vom Landesschwimmverband, Eintrittsgeld der Frühschwimmer und Nutzungsentgelte der Bundeswehr, die ebenfalls im Bad trainiert. Die Nordbremer Beiräte bezuschussten das Bad in den vergangenen Jahren ebenfalls aus ihren Etats. Zusammen mit der Defizitabdeckung aus öffentlicher Hand stehen laut Schnibben jährlich rund 230.000 Euro zur Verfügung.

Kein Geld für notwendige Instandhaltungsarbeiten

Ebenso hoch seien die Ausgaben, die unter anderem die Pacht in Höhe von 3000 Euro monatlich beinhalten, Kosten für Heizöl, Strom und Wasser, für Untersuchungen der Wasserqualität sowie für die vier geringfügig Beschäftigten, die als Badaufsicht arbeiten. "Allein die Stromkosten betragen in einem normalen Monat durchschnittlich 2800 Euro", sagt Uwe Schnibben. Mehr als absolut notwendige Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten konnten daher in den vergangenen Jahren nicht erledigt werden. "Wir haben gemacht, was gemacht werden musste, um den Betrieb aufrechtzuerhalten."

Die Bundeswehr hatte die Anlage Ende der 1960er-Jahre für die Soldaten der Roland-Kaserne errichtet. "Ein Glück für uns, denn die Bundeswehr hat damals sehr solide und mit gutem Material gebaut", sagt Schnibben. Und so tun beispielsweise die alten Heizkessel aus dieser Zeit bis heute ihren Dienst. Verlassen können sich die Vereinsmitglieder darauf natürlich nicht. "Schließlich hält nichts ewig", sagt Schnibben. Ein Problem habe der technische Leiter des Bads auf jeden Fall, wenn etwas an der Heizung kaputtgeht, "denn es gibt kaum noch Ersatzteile".

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Nachdem das Militär aus Grohn abgezogen war, ging das Bad in Privatbesitz über. Der derzeitige Inhaber Uwe Seja wäre durchaus bereit, in die Sanierung des Gebäudes zu investieren. Im Gegenzug möchte er dann allerdings auch einen langfristigen Pachtvertrag abschließen, "andernfalls wäre eine Finanzierung durch eine Bank nicht möglich". Er sei gerne bereit, daran mitzuwirken, dass das Grohner Sportbad auch über das Jahr 2021 hinaus den jetzigen Nutzern zur Verfügung steht, betont Seja.

Er sagt auch: "Eine zukünftige Lösung muss nach meiner Auffassung nicht notwendigerweise bedeuten, dass ich Eigentümer des Bades bleibe. Ich denke, es ist auch eine Lösung denkbar, die darauf hinausläuft, dass das Bad in das Eigentum der jetzigen Betreiber übergeht. Langfristig würde dies meiner Meinung nach geringere Kosten für die Betreiber bedeuten."

"Wir haben keine Rücklagen"

Uwe Schnibben hält einen Kauf des Bades durch den Verein allerdings für unrealistisch. "Wir haben keine Rücklagen und würden ohne langfristige Zusagen der Stadt auch keinen Kredit bekommen." Rücklagen kann der Verein aus zwei Gründen nicht bilden, sagt Schnibben. "Erstens steigen unsere Ausgaben ständig und zweitens müssten wir eventuelle Überschüsse an die Stadt zurückzahlen. Wir sind daher gar nicht in der Lage, etwas anzusparen."

Für den Vorstand steht also fest, dass er das Bad unter den bestehenden Bedingungen nicht weiterbetreiben wird. Laut Schnibben hat das Bad 44 000 bis 45 000 Besucher im Jahr. Unter anderem trainieren hier die Rettungsschwimmer und Taucher der DLRG, die Mitglieder des Blumenthaler TV und des SAV. Die Schwimmer des Turnkreises Bremen-Nord ermitteln in Grohn ihre Meister und Pokalsieger, viele Kinder lernen in dem Grohner Bad schwimmen und auch die Jacobs University und die Bundeswehr nutzen das Bad.

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Uwe Schnibben macht deutlich: "Die Stadt muss sich überlegen, ob sie den Schwimmsport wirklich fördern oder die Sportler weiterhin lediglich mit Alibiaussagen beschwichtigen möchte. Wir brauchen jetzt eine klare Aussage."

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