Wissenschaftler werfen Holztäfelchen in die Weser – Bürger sollen angeschwemmte Drifter melden Dem Plastikmüll auf der Spur

Brake. Die Täfelchen aus Fichtenholz sind acht mal zehn Zentimeter groß, zwei bis vier Zentimeter dick und mit einer Nummer versehen. Die Drifter, wie die Wissenschaftler sie nennen, simulieren Kunststoffmüll.
22.03.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulla Uden

Brake. Die Täfelchen aus Fichtenholz sind acht mal zehn Zentimeter groß, zwei bis vier Zentimeter dick und mit einer Nummer versehen. Die Drifter, wie die Wissenschaftler sie nennen, simulieren Kunststoffmüll. Sie sollen dessen Verteilung in der Nordsee aufzeigen. 800 Drifter haben sie an diesem Vormittag an der Braker Stadtkaje in die Weser geworfen. Wer sie später angeschwemmt findet, sollte Nummer und Fundort melden – für das Projekt „Macroplastics“.

Zehn Umzugskartons laden die Doktoranden Rosanna Schöneich-Argent und Florian Hahner sowie Praktikantin Patricia Gierga aus dem Auto und bringen sie unter das „Brake“-Schild an der Kaje. Schnell sind die 800 Holztäfelchen ausgeworfen. Sie machen sich mit dem Ebbstrom auf ihre Reise in die Nordsee.

Wissenschaftler der Universität Oldenburg haben die zweite Phase des Verbundprojektes eingeleitet. Das heißt mit deutschem Titel „Makroplastik in der südlichen Nordsee – Vermeidungsstrategien.“ Ein wesentliches Ziel ist es, Methoden zur Vermeidung von Kunststoffmüll in der Deutschen Bucht und im Wattenmeer zu entwickeln. Zunächst aber muss das Driftverhalten des Plastikmülls ermittelt werden. Mit den Fichtenholz-Täfelchen haben die Wissenschaftler ein natürliches Material gewählt, da diese ähnlich wie Kunststoffteile treiben. Aber im Gegensatz zum Plastik zersetzen sich die Hölzchen nach einiger Zeit.

Im Herbst vergangenen Jahres wurden die ersten 4800 von mehr als 70 000 Driftern ausgesetzt, weitere im Februar, an verschiedenen Stellen. Und an diesem Märzvormittag in Brake. Ein paar Tage später erfolgt ein Auswurf in Nordenham. Warum? „Die beiden Städte sind Kernpunkte an der ­Weser“, sagt Rosanna Schöneich-Argent, Koordinatorin der Auswürfe. „Wir wissen, dass Flüsse der Haupteinlass für Plastikmüll sind.“ Der wird in die Nordsee getrieben. Um den genauen Weg und die Muster der Verteilung zu ermitteln, setzen die Forscher auf die Hilfe der Bürger. Die sollen, finden sie Drifter, den Fundort der Uni melden. Das hat 2016 schon gut geklappt.

Rund 60 Prozent der 4800 ausgeworfenen Holztäfelchen wurden gemeldet: „Wir sind von 25 Prozent ausgegangen. Die Rückmeldungen haben alle unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Rosanna Schöneich-­Argent. Sie hofft mit ihren Kollegen, dass das so bleibt, dass Bürger und Touristen, die die Drifter finden, diese auch melden. Übrigens werden an den Standorten, die nun an der Reihe sind, an zwei weiteren Terminen in diesem Jahr Holztäfelchen ausgeworfen. Auch im kommenden Jahr gibt es jeweils drei Auswürfe an diesen Orten. An dem „Macroplastics“-Projektteam arbeiten 14 Wissenschaftler und Doktoranden mit.

Es sind Biologen und Umweltplaner vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften (IBU) sowie Ozeanografen, Physiker und Geoökologen vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM). Unterstützt werden sie von Bachelor- und Master-Studenten sowie Kooperationspartnern. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Forschung fördert das Vorhaben bis zum Jahr 2020 mit insgesamt 1,4 Millionen Euro.

Drifter melden Bürger werden gebeten, gefundene Holzdrifter zu melden. Gemeldet werden kann der Fundort eines Drifters mit Angabe der eingebrannten Nummer an die Universität Oldenburg unter ­­www.macroplastics.de. Interessierte können sich auch registrieren lassen, um so mehr über den Projektfortgang zu erfahren und in einen Dialog mit den Wissenschaftlern zu treten.
„Wir wissen, dass Flüsse der Haupteinlass für Plastikmüll sind.“ Rosanna Schöneich-Argent, Koordinatorin
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