Liegewanne ist versandet / Während der Baggerarbeiten im April zieht der Dreimaster nach Berne um

Dem Schulschiff wird das Bett bereitet

Sieben Jahre ist es her, seit die "Schulschiff Deutschland" ihren Liegeplatz in Vegesack zuletzt verlassen hat. Damals ging es für den Dreimaster zur Sail in Bremerhaven. Nun steht dem Museumsschiff die nächste - wenn auch wesentlich kürzere - Schleppfahrt bevor. Das Ziel ist Berne; dort wird die "Schulschiff Deutschland" im April zwei Wochen lang am Pier der Rolandwerft festmachen. Grund für den vorübergehenden Umzug sind Baggerarbeiten am Stammplatz des Seglers: Die Liegewanne muss von Sand befreit werden.
19.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Dem Schulschiff wird das Bett bereitet
Von Julia Ladebeck

Sieben Jahre ist es her, seit die "Schulschiff Deutschland" ihren Liegeplatz in Vegesack zuletzt verlassen hat. Damals ging es für den Dreimaster zur Sail in Bremerhaven. Nun steht dem Museumsschiff die nächste - wenn auch wesentlich kürzere - Schleppfahrt bevor. Das Ziel ist Berne; dort wird die "Schulschiff Deutschland" im April zwei Wochen lang am Pier der Rolandwerft festmachen. Grund für den vorübergehenden Umzug sind Baggerarbeiten am Stammplatz des Seglers: Die Liegewanne muss von Sand befreit werden.

Vegesack. Bei Niedrigwasser wird das Problem deutlich: Die "Schulschiff Deutschland" liegt auf; die alte Dame hat kein Wasser mehr unterm Kiel. Ursache ist die Versandung der sogenannten Liegewanne, die im Jahr 2002 eigens gebaut wurde, um genau dieses Problem zu verhindern. Unter Wasser umgeben etwa 1,50 hohe Spundwände des Schiff, eine Auslassöffnung befindet sich auf der Backbordseite. "Der Sandeintrag aus der Lesum ist erheblich", erläutert Claus Jäger, Vorsitzender des Schulschiff-Vereins. "Aus diesem Grund wurde damals die Wanne gebaut. Man hatte erwartet, dass die Strömung den Sand künftig außen um die Wanne herumführen würde. Das hat sich leider als Trugschluss erwiesen." Stattdessen lagerte sich der Sand vor der Spundwand an, nach und nach gelangte er auch über die Barriere hinweg in die Wanne.

"Wir waren damals davon ausgegangen, dass wir für die nächsten 10 bis 15 Jahre Ruhe haben würden", erzählt Wulf Dominik, Geschäftsführer des Vereins. Doch bereits nach vier Jahren musste erneut ein Bagger anrücken. "Und die Zeitabstände", sagt Dominik, "werden inzwischen immer kürzer". Ein Grund dafür sei ein erheblicher Anstieg der "Sandfracht" in der Lesum - möglicherweise eine Auswirkung veränderter landwirtschaftlicher Nutzung.

Schnelles Handeln ist angesagt

Die Folge für die "Schulschiff Deutschland" jedenfalls ist gravierend. Nach den starken Stürmen im vergangenen Januar lag der Dreimaster erstmals auf. "Dadurch kann sich der Rumpf des Schiffes verziehen. Die Gefahr von Beschädigungen ist groß", beschreibt Schiffsbetriebsmeister Ingo Müller-Fellmett die Auswirkungen. Aus diesem Grund ist schnelles Handeln angesagt. Die Arbeiten werden von der Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) beauftragt. Für die Umsetzung standen zwei Möglichkeiten zur Diskussion.

In den vergangenen Jahren verließ das Museumsschiff seinen Liegeplatz nicht, während die Wanne entsandet wurde. Um sie vom Sediment zu befreien, ohne das Schiff zu bewegen, müsste ein Saugbagger aus Wismar hergebracht werden - eine teure Option. In Absprache mit der WfB hat sich der Schulschiff-Verein nun für die Alternative entschieden: Die "Schulschiff Deutschland" räumt den Platz, so kann die Wanne ordentlich ausgebaggert werden. Dabei müssen etwa 1200 Kubikmeter Sediment vor der Spundwand und weitere 800 Kubikmeter aus der Liegewanne entfernt werden.

"Wir sind froh und dankbar, dass die WfB so schnell handelt", sagt Jäger. Bei der Suche nach einem geeigneten Termin hat sich der Schulschiff-Verein bemüht, einen Zeitraum zu finden, in dem möglichst wenig Veranstaltungen auf dem Museumsschiff stattfinden. Jäger: "Hochzeiten müssen wir nicht absagen, aber leider fällt die Genuss-Tour an der Weser am 21. April in diesen Zeitraum." Auf der "Schulschiff Deutschland" sollte bei dem kulinarischen Event eigentlich Kabeljau serviert werden - das fällt nun aus.

Auch die Festivalmesse "Jazzahead" ist im April. Der Schulschiff-Verein hatte um Übernachtungsgäste geworben und musste absagen. "Es tut uns Leid, aber die Baggerarbeiten können einfach nicht warten. Die Sicherheit des Schiffes geht vor", betont Jäger. Und Dominik ergänzt: "Das war nicht absehbar. Und wir müssen jetzt schnell reagieren." Laut Jäger fallen dem Schulschiff-Verein durch die Absagen Einnahmen von etwa 1000 Euro weg.

Direkt nach Ostern, am 10. April, rücken der Bagger und eine Klappschute an. Der Bagger räumt zunächst die Sandbarre weg, damit das Schiff seinen Liegeplatz überhaupt verlassen kann. Am 12. April wird es mit dem Morgen-Hochwasser nach Berne geschleppt. Dort bleibt es zwei Wochen und kehrt nach Abschluss der Arbeiten am 25. April nach Vegesack zurück.

Damit ist das "Bett" für die "Schulschiff Deutschland" dann zunächst einmal bereitet. Um die Problematik der Versandung grundsätzlich zu lösen, wird über langfristige Lösungen nachgedacht. "Die WfB hat die Hochschule Bremen mit einer Studie beauftragt", sagt Jäger. Ziel der Untersuchungen von Wasserbauwerkern und Ingenieuren sei es, so der Vorsitzende, Möglichkeiten zu finden, die Versandung dauerhaft zu verhindern. Dabei gehe es neben der Sicherheit des Schiffes auch um Kosten: "Die WfB muss abwägen zwischen den Ausgaben für jährliche Unterhaltsbaggerungen und denen für eine einmalige wasserbauliche Maßnahme." Immerhin, so Jäger, würden sich die Kosten für die Baggerarbeiten auf eine sechsstellige Summe belaufen.

Die "Schulschiff Deutschland" zieht um: Erstmals nach sieben Jahren verlässt die "Schulschiff Deutschland" ihren Liegeplatz. Am Donnerstag, 12. April, wird sie mit dem Morgen-Hochwasser um 7.38 Uhr nach Berne geschleppt. Am Mittwoch, 25. April, kehrt sie mit dem Abend-Hochwasser um 18.25 Uhr zu ihrem Platz in Vegesack zurück.

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