Boule-Bahn in Schwanewede Dem Schweinchen auf die Pelle rücken

Schwanewede. „Hau’ rein ins Gemüse.“ Gemeint sind die Kugeln des Gegners, die auf der Boule-Bahn in Schwanewede aus dem Weg geräumt werden sollen. Es geht fröhlich zu auf der Freizeitanlage hinter der Dreienkamp-Schule.
28.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

„Hau’ rein ins Gemüse.“ Gemeint sind die Kugeln des Gegners, die auf der Boule-Bahn in Schwanewede aus dem Weg geräumt werden sollen. Es geht fröhlich zu auf der Freizeitanlage hinter der Dreienkamp-Schule. Sportlicher Ehrgeiz paart sich mit heiterer Gelassenheit. Ein Hauch französischer Lebensart in Schwanewede.

Das „Schweinchen“ ist umzingelt. Fünf faustgroße Metallkugeln liegen dicht an dicht um den kleinen weißen Pingpong-Ball. Eine mattsilberne Kugel ist dem Schweinchen besonders nahe auf die Pelle gerückt. „Wie soll ich in das Loch bloß reinkommen?“ Wilfried Schulz ist an der Reihe und nimmt die Gemengelage ins Visier. Dann setzt er zum entscheidenden Wurf an. Schulz geht in die Knie, holt mit dem ausgestreckten rechten Arm von hinten Schwung, zieht ihn nach vorne in die Höhe und lässt die glänzende Kugel in seiner Hand los. In hohem Bogen fliegt sie durch die Luft und dann senkrecht zu Boden. Genau ins Ziel: Mit einem lauten Klacken stößt die blanke Kugel den matten Gegner ins Abseits.

Schulz und seine zwei Mitspieler im Team der „Könige“ frohlocken: Der Punkt geht an sie. Auf der Boule-Bahn hinter der Dreienkamp-Schule machen ältere Damen und Herren ihr Spiel beim Schnupperkurs des Seniorenbeirates. Seit Anfang Juli können Interessierte auf der neuen Freizeitanlage den Kugelsport ausprobieren, der in Frankreich Nationalsport ist. Zwölf Interessierte haben sich an diesem Freitagnachmittag auf dem Platz eingefunden. So viele, dass sich die Spieler diesmal die Bahn teilen müssen. Skatkarten entscheiden, wer mit wem spielt. An einem Ende der Bahn lassen die „Könige“ gegen die „Zehner“ die Kugel rollen, am anderen treten die „Siebener“ gegen die „Damen“ an.

Annelie Patzewitz ist wie einige andere Teilnehmer zum ersten Mal dabei. „Im Urlaub habe ich mal am Strand Boule gespielt. Das hat Spaß gemacht.“ Vor Ort will die Schwanewederin es jetzt mal richtig lernen. Von den „Routiniers“ Rosemarie und Wilfried Schulz wird sie mit ein paar anderen Neulingen unter die Fittiche genommen. Das Ehepaar spielt seit 20 Jahren Boule. „Im Urlaub auf Gran Canaria und Teneriffa spielen wir immer mit Freunden“, erzählt Rosemarie Schulz. „Mit den Regeln kennen wir uns aus.“

Eigentlich sollte Laura Kennerth vom TV Schwanewede den Spielbetrieb betreuen. Doch die junge Frau, die in Kürze ihren Bundesfreiwilligendienst beim TV Schwanewede beendet, überlässt nur zu gerne Wilfried Schulz das Zepter. „Die Spielregeln habe ich auch erst durch die Herrschaften hier gelernt“, gibt sie zu. Die Regeln sind ziemlich simpel. Das erfahren auch die Neulinge, die an diesem Tag die Kugeln in die Hand gedrückt bekommen, in der Praxis schnell. Das Ziel beim Boule ist, die eigenen Kugeln so nah wie möglich an eine kleinere Grundkugel zu werfen oder zu rollen. Die Franzosen nennen sie „cochonnet“, zu Deutsch Schweinchen. Um zum Ziel zu kommen, können gegnerische Kugeln auch weggestoßen werden.

„In der Regel wird gespielt, bis eine Mannschaft 13 Punkte erreicht“, erzählt Alfred Bubbel. Heute soll aber schon bei elf Punkten Schluss sein, haben sich die Teams verständigt. Bubbel ist bereits zum dritten Mal dabei. Die Regeln brauchte er nicht groß lernen. „Ich hatte im Urlaub im Schwarzwald öfter bei Boulespielen zugeschaut, dadurch hatte ich das meiste schon drauf.“ Die Geselligkeit in der Gruppe, sportliche Betätigung mit Ehrgeiz aber ohne große körperliche Anstrengung – das gefällt Bubbel am Boule. „Das ist ein richtiger Altherren-Sport.“

Obwohl auf der Anlage tatsächlich die Herren in der Überzahl sind, finden durchaus auch ältere Damen Gefallen am Sport mit der Metallkugel. Für Rosemarie Schulz zählt vor allem auch der gesundheitliche Nutzen. „Man bewegt sich im Alter.“ Und hat obendrein noch jede Menge Spaß dabei. Auf der Bahn jedenfalls geht es locker und fröhlich zu. Kleine Frotzeleien gegen den Gegner gehören dazu. „Hau rein ins Gemüse“, spornt Wilfried Schulz eine Mitspielerin an, eine gegnerische Kugel vor dem Schweinchen aus dem Weg zu räumen. Der erste Versuch verfehlt haarscharf das Ziel. „Hau den Müll weg“, treibt Schulz noch mal verbal an. Ob es der Ansporn ist oder Konzentration gepaart mit Augenmaß: Der zweite Wurf trifft.

Am Ende wird es noch mal knapp. Wer liegt am dichtesten am Schweinchen: die blanke Kugel der „Könige“ oder die matte vom „Zehner“-Team? Das Maßband entscheidet: Blank ist fünf Millimeter näher am Pingpong-Ball und gewinnt das Spiel.

Ab August bietet der Seniorenbeirat auf der Boule-Bahn jede Woche zwei offizielle Spieltage an: mittwochs von 10 bis 11 Uhr und freitags von 15 bis 16 Uhr. Jeder, der den Kugelsport kennenlernen möchte, ist willkommen.

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