Hemelinger kritisieren mangelnde Kommunikation bei Planungen für neue Wohnquartiere

Demo pro Galopprennbahn

Hemelingen. Gibt es doch noch eine Rettung für die Galopprennbahn? Die Demonstranten vor dem Bürgerhaus Hemelingen wollen die Hoffnung noch nicht aufgeben – sie kämpfen für den Erhalt der Freizeitstätte. Die Planungskonferenz zur Wohnbebauung in Hemelingen, die Anlass für die Demonstration war, allerdings ließ keinen Zweifel an den Plänen des Senats.
27.10.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von VON CHRISTIAN HASEMANN
Demo pro Galopprennbahn

Vor der Planungskonferenz für Flächen in Hemelingen protestierten Einwohner gegen eine Bebauung und für den Erhalt der Freizeitstätte Galopprennbahn.

Christian Hasemann

Hemelingen. Gibt es doch noch eine Rettung für die Galopprennbahn? Die Demonstranten vor dem Bürgerhaus Hemelingen wollen die Hoffnung noch nicht aufgeben – sie kämpfen für den Erhalt der Freizeitstätte. Die Planungskonferenz zur Wohnbebauung in Hemelingen, die Anlass für die Demonstration war, allerdings ließ keinen Zweifel an den Plänen des Senats.

Es waren nicht nur die baupolitischen Sprecher der Grünen und der SPD-Fraktion, Robert Bücking und Jürgen Pohlmann, die sich klar positionierten, sondern auch die Vertreter der ausführenden Behörden machten deutlich, dass es nur noch um das „Wie“ und nicht mehr um ein „Ob“ geht. Ronald Risch vom Stadtplanungsamt beim Bausenator: „Der Bereich der Rennbahn soll nach einem Senatsbeschluss zu einem neuen Stadtquartier entwickelt werden.“ Die Fläche solle aber nicht vollständig zugebaut werden. Auch die historische Tribüne solle „nach Möglichkeit“ erhalten bleiben. Im Zuge des Umbaus der Rennbahn werde auch die Ludwig-Roselius-Allee neu gestaltet. „Die Straße soll angemessen und mit einer neuen Nutzung der Ränder begleitet werden.“ Konkrete Pläne dazu gab es allerdings noch nicht zu sehen.

Die heiße Phase der Planungen beginnt im November. Dann steht der Planfeststellungsbeschluss in der Baudeputation zur Abstimmung. „Dann folgt die erste Analyse und wir schauen, wie die Rahmenbedingungen aussehen“, sagte Ronald Risch. Schon zu einem frühen Zeitpunkt wolle man mit den Menschen vor Ort und dem Beirat einen Konsens schaffen. „Es wird ein Werkstattverfahren mit der Öffentlichkeit geben.“ Das Ziel: „Aus der Diskussion heraus wollen wir eine Vorzugsvariante entwickeln, die für die nächsten Jahre die Entwicklung steuert.“ Das Gelände werde dabei nach und nach erschlossen und in Teilbereichen bebaut.

Die offensichtlich schon vor der Abstimmung feststehende Entscheidung der Baudeputation stieß bei den Besuchern auf fast einhellige Ablehnung. So meinte eine Frau aus dem Publikum: „Ich gehe nicht Golfen und ich interessiere mich nicht für Pferdesport, aber wir haben hier überall Häuser, die in die Höhe gehen. Wo Menschen übereinander gestapelt werden, braucht es Grünflächen.“ Sie habe gesehen, dass auf der Rennbahn sehr viel passiert sei und sie sich nach Außen geöffnet habe. „Das ist ein Traditionsunternehmen, das man mit Bremen verbindet – ein klares Aushängeschild.“ Man sollte mit einer Kündigung nicht jetzt schon Fakten schaffen und eine Tradition zerstören. „Entscheiden Sie nicht, bevor die Menschen vor Ort Ihnen sagen, was Sie hier wollen!“, so ihr Appell.

Für Jürgen Pohlmann ist die Entscheidung klar. „Wir sind eine wachsende Stadt, haben hohe Anforderungen für die Zukunft.“ Es gehe um die Zukunft der Stadt und er begrüße es, wenn ein Rennbahnquartier entwickelt werde. Auch Robert Bücking kündigte an, in jedem Fall für den Planfeststellungsbeschluss die Hand zu heben. „Man kann das tun, wenn man weiß, was in der Stadt los ist.“ Mit einem neuen Quartier könnten außerdem Mercedes-Mitarbeiter direkt in der Nähe ihrer Arbeitsstätte wohnen. „Das wollen wir den Menschen von Mercedes ermöglichen.“

Dirk Kühling vom Wirtschaftsressort, das mit den bisherigen Mietern, der Golfanlage und dem Rennverein, die Verhandlungen führen wird: „Das wird das zweitgrößte Entwicklungsgebiet nach der Überseestadt werden, und es soll ein gemeinsamer Prozess mit ihnen werden.“

Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) nannte aber gerade die Kommunikation als ein großes Problem. „Sie sagen, Sie wollen das mit den Menschen machen, aber seit einer halben Dekade liegen hier Flächen brach, ohne dass sich jemand darum kümmert, oder zumindest werden wir nicht informiert.“ Der Beirat sei dann im April mit den Plänen zur Rennbahn überrascht worden. „Wir haben vorher weder von der politischen noch der Verwaltungsebene etwas gehört.“ Er hätte sich gewünscht, dass die Pläne mit dem Beirat kommuniziert worden wären. „Dann hätten wir uns zusammen Gedanken machen können.“

Auch die Pläne, eine Projektgesellschaft zu gründen, um das Gelände zu erschließen, sprach er an: „Das hätte man auch vor fünf Jahren für die anderen Flächen, die in Hemelingen brach liegen, machen können.“

Auch von anderer Seite wurde fehlende Kommunikation bemängelt. David Müller, Anlagenleiter der Golfanlage auf der Rennbahn, widersprach Dirk Kühling, dass es laufende Verhandlungen gebe. „Es gab auf unsere Initiative hin ein Gespräch im April, weil wir nicht weiter aus der Zeitung erfahren wollten, was mit uns geschehen soll.“ Ansonsten habe es bisher keine Verhandlungen gegeben. „Es hört sich an, als ob aktive Gespräche laufen, das ist nicht der Fall“, stellte er klar. Und: „Wir fühlen uns nicht gut informiert.“ Die Golfanlage hat noch einen lang laufenden Pachtvertrag, dieser müsste aufgelöst werden. Welchen Preis die Stadt für eine Auflösung zahlen muss, ist noch offen. In der Planungskonferenz kursierten Zahlen bis hin zu einem dreistelligen Millionenbetrag.

Während sich in Sachen Galopprennbahn gegen den Willen vieler Menschen vor Ort viel zu bewegen scheint, geht es an anderer Stelle mit dem Willen der Menschen dazu eher langsam voran. Konkrete Verhandlungsergebnisse und Pläne zu dem Coca-Cola-Gelände und dem Könecke-Areal wurden der Planungskonferenz nicht präsentiert. Aber: „Im November werden wir eine städtebauliche Studie in Auftrag geben“, kündigte Ronald Risch an. In die Entwicklung dieser zusammen 8,5 Hektar großen Gebiete werden auch die angrenzenden Straßen einbezogen. „Das betrifft die Ahlringstraße, die Föhrenstraße, die Hemelinger Bahnhofstraße und den Allerhafen“, erklärte Risch. Die Idee der Planer: das Quartier zum Wasser öffnen und eine kleinteilige Mischbebauung schaffen. Zusätzlich soll außerdem ein neuer Bahnknotenpunkt an der Föhrenstraße geschaffen werden. Das ganze Projekt werde von einem mehrstufigen Beteiligungsprozess begleitet.

Das Plenum begrüßte diese Pläne größtenteils, andere Stimmen monierten allerdings auch, dass eine Beteiligung erst nach der Analyse des Ist-Zustandes stattfinden soll und nicht schon vorab. Ronald Risch machte außerdem klar, dass die Stadt die Flächen nicht kaufen wird. Und entgegen anders lautender Gerüchte gebe es bisher keinen Käufer für das Coca-Cola-Gelände. Eine Bebauung liegt damit also noch in weiter Ferne.

„Dann hätten wir uns zusammen Gedanken machen können.“ Beiratssprecher Uwe Jahn
„Wir fühlen uns nicht gut informiert.“ Golfplatz-Leiter David Müller
„Bisher gibt es keinen Käufer für das Coca-Cola-Gelände.“ Ronald Risch vom Stadtplanungsamt
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