Tag der Zivilcourage Demokratisches Picknick auf dem Marktplatz

Bei einem demokratischen Picknick auf dem Marktplatz haben Bremer Verbände Bürgerinnen und Bürger dazu ermuntert, am Sonntag zur Wahl zu gehen.
19.09.2017, 20:26
Lesedauer: 3 Min
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Demokratisches Picknick auf dem Marktplatz
Von Katharina Frohne

Es ist noch nicht viel los vor dem Haus der Bürgerschaft, als Cristin Cykrit ans Rednerpult tritt. Es ist 12.30 Uhr, Mittagszeit. Passanten eilen vorüber, nur wenige bleiben stehen, um zu hören, was die junge Frau zu sagen hat. Doch die lässt sich nicht beirren.

Bei der Wahl am kommenden Sonntag sei jeder Einzelne gefragt, sagt die 18-Jährige vom Jugendbeirat Huchting mit fester Stimme ins Mikrofon. „Ihr seid nicht die Einzigen, die denken, dass sie keinen Unterschied machen.“ Doch das sei falsch, jede Stimme zähle. „Ihr müsst euch zeigen!“ Cykrits Worte hallen über den Platz. Die Menschen in den Lokalen am Marktplatz drehen die Köpfe, immer mehr halten an und hören zu.

„Demokratie beginnt mit uns“

Wie einige andere Bremer hat Cykrit am Dienstag die Gelegenheit genutzt, öffentlich zur Wahl aufzurufen. Das Rednerpult aufgestellt hatte der Verein „Tu was! Zeig Zivilcourage!“ und das Bündnis „Demokratie beginnt mit uns“, die am Tag der Zivilcourage zu einem demokratischen Picknick auf dem Marktplatz geladen hatten. „Jeder kann kommen und sich zu Wort melden“, sagt Norbert Kuntze vom Vereinsvorstand. Einige Redner hatten sich im Vorfeld angemeldet, andere sprachen spontan.

„Es geht uns darum, den Menschen fünf Tage vor der Bundestagswahl die Möglichkeit zu geben, ihren Glauben an die Demokratie sichtbar zu machen“, sagt Mitorganisatorin Heike Blanck vom Bündnis. Es sei wichtig, der aggressiven Meinungsmache mancher Parteien zu widerstehen und sich für demokratische Werte starkzumachen. „Wir wollen den Bremern sagen: Geht wählen und wählt demokratisch.“

Zu der Veranstaltung hatten die Veranstalter Organisationen, Verbände und Einzelpersonen eingeladen, die, so sagt Kuntze, „sozialen Mut zeigen und für ein friedliches Miteinander im Alltag stehen“. Bei Salzstangen, türkischem Gebäck, Kuchen und Popcorn konnten die Besucher sich informieren oder selbst Stellung beziehen.

Den Wahl-O-Maten hinterfragen

Und das nicht nur am Rednerpult. In einen kleinen Olivenbaum vor dem Zelt der Awo konnten Besucher ihre Wünsche an die Politik hängen. Am Stand der Landeszentrale für politische Bildung gab es zum ersten Mal einen analogen Wahl-O-Mat. „Normalerweise macht man den Test im Internet und ist auf sich allein gestellt; bei uns kann man direkt Fragen stellen“, sagt Sebastian Ellinghaus, stellvertretender Leiter der Landeszentrale. Außerdem gebe die Veranstaltung ihm und seinen Mitarbeitern die Gelegenheit, die Menschen auf die entscheidende Schwäche des Programms aufmerksam zu machen: „Das ist kein Instrument, das einem die Wahlentscheidung abnimmt. Man muss auch danach fragen, ob man der Partei zutraut, ihre Versprechen wahrzumachen“, sagt Ellinghaus.

Auch drei Bremer Jugendbeiräte nahmen am Picknick teil. „Viele beschweren sich nur, aber machen nichts“, sagt der 14-jährige Tony Dillon vom Beirat Hemelingen. Er setze sich dafür ein, die Wünsche der Kinder und Jugendlichen im Stadtteil zu vertreten. Fußballturniere und eine große Party im Hemelinger Hafen hätten sie unter anderem schon organisiert. „Wir können nur was ändern, wenn wir uns einmischen und nicht darauf warten, dass die Erwachsenen Entscheidungen für uns treffen.“

„Jede Stimme kann etwas verändern“

Das findet auch Yasar Kocas, Betreuer beim Jugendbeirat Osterholz. „Jede Stimme kann etwas verändern, das versuchen wir schon den Kindern beizubringen“, sagt Kocas. Veranstaltungen wie das Picknick seien wichtig, um gegen die wachsende Politikverdrossenheit anzugehen. Gleichzeitig wolle er andere dazu ermuntern, für ihre Meinung einzustehen. „Es gehört Mut dazu, zu sagen, woran man glaubt“, sagt Kocas.

Seit 2011 ruft der Verein „Tu was! Zeig Zivilcourage!“ einmal jährlich dazu auf, einander mit Respekt und Empathie zu begegnen. Seither sei das Format politischer geworden, sagt Norbert Kuntze. „Der Ursprungsgedanke war vor allem, nicht wegzusehen, wenn jemandem Gewalt angetan wird. Inzwischen gehen wir gegen jede Form der Ungerechtigkeit an, sei es Rassismus, Mobbing oder Homophobie.“ Auch deshalb sei es dem Verein ein Anliegen, sich vor der Wahl für den Erhalt der Demokratie einzusetzen.

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