Demonstration im Viertel

Erinnerung an Friese-Brandanschlag

Vor einem Jahr wurde auf das Jugendzentrum ein womöglich neonazistischer Brandanschlag verübt. Weitere Taten folgten seitdem. Die Kampagne „Nationalismus ist keine Alternative“ erkennt einen Zusammenhang.
18.02.2021, 05:00
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Von Jörn Hildebrandt
Erinnerung an Friese-Brandanschlag

Demonstriert wurde im Viertel. Startpunkt der Veranstaltung war der Ziegenmarkt.

PETRA STUBBE

Steintor. Es ist genau ein Jahr her, als auf das alternative Jugendzentrum „Friese“ im Bremer Viertel ein Brandanschlag verübt wurde. Während eines laufenden Konzerts legten Unbekannte Feuer im Backstagebereich. Einige Gäste erlitten Rauchvergiftungen, und nur durch Glück kamen damals bei dem Brand keine Menschen ums Leben. Nazi-Aufkleber am Eingang deuteten auf einen neonazistischen Anschlag hin.

Unter dem Motto „365 Tage später. Demo in wütender Erinnerung an den Brandanschlag auf die 'Friese'“ hatte die Bremer Kampagne „Nationalismus ist keine Alternative“ (Nika) am Dienstagabend zu einer Demonstration am Ziegenmarkt im Steintorviertel aufgerufen.

Die Polizei berichtet, von etwa 250 Teilnehmern. Nach einer Kundgebung ging der Aufzug in Richtung Ostertorsteinweg und wuchs im weiteren Verlauf auf etwa 350 Teilnehmer an. Auf der Strecke wurde Pyrotechnik abgebrannt und zum Teil der Mindestabstand nicht eingehalten. Die Polizei fertigte daraufhin Anzeigen.

„Wir wollten mit der Demonstration auf die Kontinuität rechten Terrors in Deutschland hinweisen und zugleich ein Zeichen der Solidarität an die 'Friese' und an alle Betroffenen rechter Gewalt setzen“, sagt Wilhelmina Rakele von Nika. Denn der Terror durch Rechtsextreme setze sich fort: Wenige Tage nach dem Anschlag auf das Jugendzentrum in Bremen wurden in Hanau neun Menschen von einem nationalsozialistisch gesinnten Attentäter ermordet, und einige Monate später kamen zwei Menschen bei einem antisemitischen Anschlag in Halle ums Leben. „Allein im Bremer Umland, in Ganderkese, Syke und Gnarrenburg kam es im vergangenen Jahr zu drei rassistisch motivierten Brandanschlägen auf Restaurants ausländischer und nicht-weißer Gastwirte“, sagt Wilhelmina Rakele, „und wie bei der 'Friese' legten die Täter im Innern der Gebäude Feuer und hinterließen außen Nazi-Symbolik.“ Nika Bremen kritisiert, dass die Polizei bis zum heutigen Tag keinerlei Ermittlungserfolge vorweisen könne oder einen glaubwürdigen Willen zur Aufklärung erkennen lasse. „Die Taten in Bremen und umzu wurden trotz ihrer offensichtlichen Gemeinsamkeiten nicht im Zusammenhang betrachtet. Das entpolitisiert die menschenverachtende rechte Motivation und verharmlost ihre mörderische Gefahr für die Bevölkerung“, sagt Wilhelmina Rakele.

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