Brill-Tunnel

Den Brill-Tunnel wieder öffnen: das Für und Wider

Da immer wieder schwere Unfälle am Brill passieren, werden inzwischen Stimmen nach der erneuten Öffnung des Brill-Tunnels laut. Es gibt jedoch auch einiges, was dagegen spricht.
12.07.2018, 21:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulrike Troue Jürgen Theiner

Den Tunnel geschlossen halten

von Jürgen Theiner

Der Brill-Tunnel ist eine Gruft. Als er 2009 versiegelt wurde, hat man dort gewissermaßen die Stadtplanungsphilosophie der Sechzigerjahre zur letzten Ruhe gebettet. Menschen unter die Straße schicken, damit sich über ihnen die autogerechte Stadt entfalten kann – wollen wir zurück zu dieser Denke? Kein Argument für die Wiedereröffnung des Tunnels hält einer kritischen Überprüfung stand.

Am allerwenigsten die Behauptung, es ließe sich damit die Verkehrssicherheit erhöhen. Die drei tödlichen Unfälle, die sich in der ersten Jahreshälfte nahe der Brill-Kreuzung ereigneten, wären durch die Unterführung kaum verhindert worden, die Schauplätze lagen ein gutes Stück entfernt. Wer wirklich etwas für die Sicherheit tun will, der legt beispielsweise in Höhe der Schlachte eine Furt über die Bürgermeister-Smidt-Straße an und verlagert die dortige Straßenbahnhaltestelle auf die andere Seite des Brills, damit sie aus der Obernstraße/Hutfilterstraße leichter zu erreichen ist.

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Zum Szenario einer hellen und freundlichen, mit attraktiven Geschäften wiederbelebten Brill-Passage ist zu sagen: Die Ansiedlung attraktiver Geschäfte lässt sich leider nicht staatlich verordnen. Es hat schon seine Gründe, warum die Unternehmer, die einst bei Kunstlicht ihr Glück versuchten, nach und nach aus dem Gewölbe ausgezogen sind und dort jene unwirtliche Stätte hinterlassen haben, als die der Brill-Tunnel in Erinnerung bleiben wird.

Gegen eine Revitalisierung der Anlage sprechen schließlich auch die Kosten. Denn es wäre ja nicht damit getan, die Eingänge wieder zu öffnen. Allein die Barrierefreiheit würde Millioneninvestitionen erfordern. Nein, die Idee einer Wiedereröffnung des Brill-Tunnels ist gestrig, sie ist finanziell unrealistisch, sie ist: einfach unterirdisch.

Den Tunnel öffnen

von Ulrike Troue

Mehr Sicherheit für die unfallträchtige Brill-Kreuzung muss die Maßgabe für die Zukunft sein! Deshalb bietet der 1968 eröffnete und Ende 2009 geschlossene Fußgängertunnel die einmalige Chance, den Weg der Fußgänger räumlich vom fahrenden Verkehr zu trennen. Schließlich ist das mehrere Tausend Quadratmeter große, zentrale Untergeschoss Bremens mit funktionierender Lüftungsanlage vorhanden.

Nicht nur angesichts der Entwicklung im Stephaniquartier, das durch die Parkhäuser und neue Nutzung des Sparkassengebäudes mit Wohnungen, Hotel, Einzelhandel und Dienstleistern wächst, müssen künftig noch mehr Fußgänger diese wichtige Schnittstelle zur Innenstadt oder Schlachte passieren. Auch die Touristenzahlen wachsen. Allerdings wird eine Fußgängerunterführung nur angenommen, wenn sie genügend einsehbare und barrierefreie Zugänge wie Aufzüge hat.

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Wenn sie hell und freundlich gestaltet, gut belüftet, beleuchtet, durch Kameras und Polizei überwacht und sauber gehalten wird. Ein Kiosk, Frisör, Café oder andere Läden, die vom Durchgangsverkehr profitieren, und auch öffentliche Toiletten dürften die Akzeptanz der witterungsunabhängigen Passage erhöhen. Farbige, helle Lichtquellen – vielleicht sogar als Wegeleitsystem – oder Hammerglasscheiben mit LED-Beleuchtung böten attraktive Lichtquellen und ließen sich als temporäre Werbeflächen für Läden, touristische Angebote oder Veranstaltungen nutzen.

Künstlerisch-kreativ gestaltete Wände oder Kunstpräsentationen könnten Fußgänger dazu bewegen, an dieser Stelle gern in die "Bremer Unterwelten" abzutauchen, die auch Stadtgeschichte sind. Die Wiedereröffnung des Brill-Tunnels ist eine Investition in die Zukunft, deshalb muss dafür Geld in die Hand genommen werden.

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