Im Viertel werden neue Geschäftsideen geboren und Traditionen wiederbelebt

Den Geschmack getroffen

Steintor·Fesenfeld. Fair gekleidet, rund um gesund, auch mal feucht fröhlich, und auf jeden Fall lecker. So ungefähr lassen sich die Neuheiten in der Geschäftswelt im Viertel zusammenfassen.
11.02.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Liane Janz
Den Geschmack getroffen

Jasper Thormann hat beim Feldschlösschen aufgeräumt. Das Lokal an der Ecke Feld- und Herderstraße versteht sich als Bar. Für Raucher ist drinnen Platz.

Walter Gerbracht

Fair gekleidet, rund um gesund, auch mal feucht fröhlich, und auf jeden Fall lecker. So ungefähr lassen sich die Neuheiten in der Geschäftswelt im Viertel zusammenfassen. Schon fast ein alter Hase im Geschäft ist Malte Breford. Mit einem Kompagnon hat er 2011 in der Neustadt „Disko Streetwear“ gegründet. Inzwischen ist das Geschäft ins Steintor gezogen.

„Disko Streetwear“ steht für nachhaltig produzierte Oberbekleidung und Mützen. Die Designs entwerfen Malte Breford und sein Team selbst, und sie bedrucken die T-Shirts und Pullover in ihrem Laden Vor dem Steintor 163. „Es ist so, dass in der ganzen Produktionskette nachhaltig gearbeitet wird“, sagt der Chef. Auch die Farben sind zertifiziert. Sein Traum wäre ein komplett in Bremen hergestelltes T-Shirt. Brefords früherer Geschäftspartner hat die Illustrationen mit der Hand gezeichnet. Per Siebdruck kommen sie aufs Textil. Die Schablonen dafür macht das Team auch selbst. Das ist eine aufwendige Arbeit, weshalb es bei „Disko“ nur Kollektionen gibt, und davon zwei im Jahr. Individuelle Drucke sind eventuell ab einer Auflage von mindestens 30 Stück möglich.

Ins Steintor zog es Malte Breford, weil das Haus, in dem das Geschäft untergebracht war, verkauft wurde. Mithilfe der Wirtschaftsförderung fand er das leer stehende Geschäft, in dem zuvor unter anderem der Upsign-Pop-up-Laden untergebracht war. Die Fläche ist deutlich kleiner als an früherer Wirkstätte, weshalb er lange überlegt habe, sagt Malte Breford. „Aber letztendlich bin ich ganz glücklich hier.“ Im vorderen Teil des Ladens ist die Verkaufsfläche, dahinter stehen – für alle sichtbar – Werktische und Druckmaschine. Kundinnen und Kunden können die Produktion verfolgen. „So wird die Kommunikation auch schöner“, meint Malte Breford. Zu haben sind die T-Shirts und Pullover in verschiedenen weiteren Klamottenläden der Stadt und übers Internet.

„Disko Streetwear“ im Steintor ist dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Mehr auf www.disko-streetwear.de.

Schnupperstunde Eutonie

Bei diesem Begriff ist die Verwechslungsgefahr groß: Eutonie beschreibt eine Körpererfahrungsmethode. Entwickelt hat sie die 1994 verstorbene Gerda Alexander. Martina Kreß bietet Kurse in Eutonie nach Gerda Alexander im Studio Vierteltöne, Am Schwarzen Meer 129, an. Es gehe um Körperwahrnehmung, sagt sie. „Von der Haut übers Gewebe bis zu den Knochen.“ Darauf lenken viele Menschen keine Aufmerksamkeit. Knochen werden wahrnehmbar, indem mit Bambushölzern darauf geklopft wird. Tun die Kursteilnehmer das beispielsweise bei den Handgelenksknöcheln, können sie die Vibration den Arm hinauf nachspüren. Zum Einsatz kommen auch andere Naturmaterialien wie Kirschkernsäckchen, Kastanienschläuche oder Filzbälle. Auch Widerstände, wie der des Bodens oder einer Wand werden genutzt. All das soll Stabilität verleihen. Bewegungen und Haltung der Teilnehmer werden körpergerechter, sagt Martina Kreß. Sie selbst hat die Methode schon vor Jahren kennengelernt, sie half ihr bei Rückenschmerzen. Die zweijährige Berufsausbildung hat sie schon vor 23 Jahren abgeschlossen, seither leitet sie Kurse, bildet aber auch Kursleiterinnen und Kursleiter aus, etwa an der Eutonie-Akademie im Frauenstadthaus am Hulsberg – einer von nur zwei Ausbildungsstätten dieser Art in Deutschland. Die zweite ist die Gerda-Alexander-Schule in Offenburg. Ihre Kurse seien interessant für Menschen in sozialen Berufen, wie Lehrer oder Altenpfleger, aber auch sonst für alle, die etwas für sich tun wollen, sagt Martina Kreß. „Grundsätzlich können auch Menschen mit Beeinträchtigungen an den Kursen teilnehmen, weil alles individuell abgestimmt wird.“

Ins Schwitzen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht kommen, denn es geht um Konzentration. Dienstags läuft ein Abendkursus ab 19 Uhr. Am Sonnabend, 13. Februar, 14 bis 16.30 Uhr, bietet Martina Kreß einen Schnupperkursus an und am Sonntag, 14. Februar, von 14 bis 17 Uhr einen nur für Paare. Weitere Informationen gibt es auf www.eutonie-kress.de sowie unter 0177/5400963.

Und jetzt wird’s süß! Einen ehemaligen Handyladen hat Murat Zengin mit einer Geschäftspartnerin und mit Filialleiterin Kornelia Warmer zu einem Paradies für Schokoliebhaber umgebaut. Vor dem Steintor, zwischen Linien- und Schmidtstraße, verkauft die „Schoko-Flüsterin“ Schokoladetafeln, auch Hohlkörper, Bonbons und Fruchtgummis. „Hier fehlte was mit Schokolade“, sagt Kornelia Warmer zur Geschäftseröffnung. Unvergessen ist das „Süße Kaufhaus“ aus dem östlichen Steintor. Murat Zengin und eine Geschäftspartnerin trugen die Idee für ein Schokoladen-Schlaraffenland schon einige Jahre mit sich herum, fanden aber keinen Ort, an dem sie sie verwirklichen konnten. Bis nun dieser Laden leer stand. Der Zuspruch sei groß, sagt die Filialleiterin, und auch Wünsche würden geäußert, beispielsweise der nach veganer Schokolade, auch Bio-Schokolade und glutenfreien Naschereien. Darauf werden sie eingehen. „Wir möchten Neuigkeiten hier rein bringen“, sagt Kornelia Warmer. Zum Sortiment gehören schon bekannt Marken und auch Werder-Bremen-Süßigkeiten. Je nach Nachfrage und Anlass, wie beispielsweise Valentinstag, soll etwas geboten werden. Besonders beliebt seien aber Produkte, die die Erwachsenen aus ihrer Kindheit kennen, erzählt Kornelia Warmer. Das sind unter anderem Knusper-Münzen, Goldnüsse und Himbeerbonbons.

Geöffnet hat die Schoko-Flüsterin von montags bis sonnabends von 10 bis 20 Uhr.

Schöner geworden ist es in der Feld-, Ecke Besselstraße. Am Ecklokal Feldschlösschen ist der Zaun weg, der Müll, der dort lange lagerte, auch, und das Lokal selbst ist als Feldschlösschen Bar wieder offen. Geschäftsführer Jasper Thormann und Inhaber Philip Larisch haben sich der Gaststätte angenommen, sie komplett umgebaut und wieder eröffnet. „Hier drin ist kein Stein auf dem anderen geblieben“, sagt Jasper Thormann. Das Duo hat bereits drei andere Läden: die Chinchilla Bar am Sielwall, die Bermuda Bar im Fehrfeld und das 1st Class Suicide in der Neustadt. Mit der Feldschlösschen Bar haben sie nun abgedeckt, was noch gefehlt hat, sagt Jasper Thormann. Das kleine Lokal mit seinen rund 35 Plätzen hat eher einen Lounge-Charakter. Statt lauter Musik gibt es ein jazziges Hintergrundrauschen.

Die Gäste können sich unterhalten bei Wein, Cocktails, Bier und Spirituosen. Derzeit ist das vor allem Gin. Das könne sich aber bald wieder ändern. Das Sortiment wird bestimmt vom Geschmack der Gäste. Und die sind in der Regel ein bisschen älter als das Zielpublikum beispielsweise im Bermuda, sagt Jasper Thormann. „Das ist nicht die klassische Kneipe, zu der die Leute am Ende einer Kneipentour gehen.“ Die Gäste kommen gezielt, das ist die Idee. Geraucht wird drinnen, so bleibt es draußen ruhig – zumindest im Winter. Im Sommer sollen auch draußen Stühle stehen, wie vor anderen Kneipen.

Die Feldschlösschen Bar ist von dienstags bis sonnabends ab 20 Uhr geöffnet.

Mit den ganz großen Konkurrenten nimmt es Björn Hille auf. Der gelernte Koch und Produktentwickler hat eine Barbecue-Sauce (BBQ-Sauce) kreiert und will sich mit Größen wie Heinz und Kraft messen. Eigentlich arbeitet der 31-Jährige bei der Deutschen See und entwickelt dort frische Lebensmittel mit Fisch. Deshalb hat er sich für die Entwicklung seiner BBQ-Sauce „Smak Urban Fine Food“ auch teilzeit-selbstständig gemacht. „Ich wollte eine BBQ-Sauce machen, auf die ich Bock habe“, sagt er.

Bevor er zur Deutschen See kam, arbeitete Björn Hille als zweiter Küchenchef im Restaurant Canova in der Kunsthalle. Schon damals habe er angefangen, mit Barbecue-Sauce zu experimentieren, weil er das Raucharoma, das sogenannte Liquid Smoke, das üblicherweise in den Saucen verwendet wird, satt hatte. Er selbst räuchert seine Zutaten, bevor sie in die Sauce kommen. „Das gibt der Sauce einen unvergleichlich natürlichen Rauchgeschmack.“ Neben seinem ersten Produkt, einer klassischen, eher milden Sauce, hat er inzwischen auch die „Chipotle BBQ Sauce“ mit geräucherter Chili und die schärfere Variante „Hot BBQ Sauce“ entwickelt. Demnächst sollen noch ein Karotten-Ketchup und ein BBQ-Gewürz entstehen. „Smak“ heißt übrigens „Geschmack“ auf Schwedisch und Polnisch. Zu haben sind die Saucen in verschiedenen Restaurants und kleineren Feinkostläden sowie auf www.smak-concept.de und ab März auch auf dem Findorffmarkt.

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