Bremer Jugendring präsentiert mit der Ausstellung „Spread(it) Out!“ im Kukoon die Ergebnisse eines Projekts mit Geflüchteten Den Menschen sehen, nicht die Herkunft

Neustadt. Es ist der Donnerstag der Ausstellungseröffnung von „Spread(it) Out!“ im „Kukoon“, einem Projekt des Bremer Jugendrings. Selbstgestaltete Fotoplakate sind zu sehen.
21.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Markus Gefken

Neustadt. Es ist der Donnerstag der Ausstellungseröffnung von „Spread(it) Out!“ im „Kukoon“, einem Projekt des Bremer Jugendrings. Selbstgestaltete Fotoplakate sind zu sehen. „Wo ist der Mensch?“ steht auf einem. Darunter steht eine junge Frau, den vorwurfsvollen Blick auf den Betrachter gerichtet. Neben ihr sind drei Menschen abgebildet, jeder mit einem Schild: „Deutscher“, „Ausländer“ und „Flüchtling“ steht darauf. Die Gesichter sind verdeckt von den Begriffen. Das Plakat ist eines von sechs ausgestellten Fotoplakaten, die im Kukoon noch mindestens zwei Wochen zu sehen sind.

Dahinter steckt ein außerschulisches Herbstferienprojekt, bei dem Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund diskutierten, fotografierten, sprayten und malten. Das Thema: Zusammenleben in Bremen, Deutschland und Europa. Sie unterhielten sich mit Bremer Politikerinnen und Politikern über ihre Bedürfnisse und Fragen. Diese sind als zwölfminütiger Videodialog Teil der Ausstellung.

Jule Kahrig ist freiberufliche Kunst- und Kulturpädagogin und hat das Projekt ins Leben gerufen. Auch interaktive Elemente seien Teil der Ausstellung, sagt sie. So können Ausstellungsbesucher während der gesamten Ausstellungszeit mitmachen. Zum Beispiel können sich Besucher einen Titel der Plakate aussuchen und diesen in eine andere Sprache übersetzen, auf einen Zettel notieren und an eine Leine hängen, an der auch am Tag der Ausstellungseröffnung schon einige hängen.

Auch der zwölfminütige Film wird gezeigt, in dem die Jugendlichen Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), Miriam Strunge (Linke), Falk Wagner (SPD) und Sandra Ahrens (CDU)ihre Fragen stellen, darunter auch kontroverseres wie: Warum werden die Berufs- und Bildungsabschlüsse mancher Einwanderer in Deutschland nicht anerkannt? Als Antworten kamen zum Beispiel Hinweise auf die schlechten Vergleichsmöglichkeiten oder auf das komplizierte deutsche System, das vereinfacht werden müsse.

Eine Fragerunde steht nach dem Film an mit den jugendlichen Teilnehmern der Ausstellungseröffnung. Auf die Frage hin, ob sie mit den Antworten der Politiker zufrieden gewesen seien, antworteten die drei, dass sie gern mehr Zeit für Fragen gehabt hätten. Eine Besucherin weist noch darauf hin, dass man sich klar machen solle, dass die Menschen „nicht aus Spaß“ ihr Land und ihre Familien verlassen würden, und es um Schicksale gehe. Von einem berichtet an diesem Abend auch der 17-jährige Iman aus Afghanistan, der nachdem er sein Heimatland verließ, auch im Iran aus religiösen Gründen immer wieder größere Schwierigkeiten bekam und alleine über die Türkei und mit einem Boot über das Mittelmeer floh.

Bei allen Fragen und Antworten, den individuellen Schicksalen, in einem waren sich am Ende dann alle einig: Es sei für jeden wichtig, das Schubla­dendenken sein zu lassen und zu versuchen, trotz Unterschiedlichkeiten den einzelnen Menschen zu sehen.

Auf www.bremerjugendring.de/spread-it-out gibt es Infos zum Projekt und auch den Film mit dem Dialog. Die Ausstellung „Spread(it) Out!“ im „Kukoon“, Bunten­torsteinweg 29, läuft bis mindestens zum 2. März.
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