Neuer Mahnmal-Vorschlag

Deputation will Prüfung „auf Arbeitsebene“

Die Kulturdeputation lehnt den Vorstoß für einen alternativen Standort des Mahnmals zur Erinnerung an den Raub jüdischen Eigentums nicht komplett ab. Sie spricht sich für einen Kompromiss aus.
30.04.2019, 20:14
Lesedauer: 2 Min
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Deputation will Prüfung „auf Arbeitsebene“
Von Nina Willborn
Deputation will Prüfung „auf Arbeitsebene“

Die Mauer neben der Treppe an der Tiefer: Hier sehen die Mahnmalinitiatoren um Henning Bleyl (r.), hier mit Künstlerin Angie Oettingshausen (li.) und Elvira Noa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, einen geeigneteren Standort für das Mahnmal.

Christina Kuhaupt

Das eine zu tun, ohne das andere zu lassen: Für diese Taktik hat sich am Dienstagabend die Kulturdeputation in Sachen Mahnmal zur Erinnerung an den Raub jüdischen Eigentums während der Herrschaft der Nationalsozialisten entschieden.

Am Montag hatten die Initiatoren um den ehemaligen Taz-Reporter Henning Bleyl einen Alternativvorschlag zum bereits beschlossenen Standort des Mahnmals innerhalb des Stufenbauwerks an der Schlachte gemacht: Sie halten die Mauer zwischen den Arkaden an der Tiefer und der östlichen Seite der Wilhelm-Kaisen-Brücke für geeigneter, weil sie unter anderem wesentlich höher ist als die Schlachtestufen und damit dort der Entwurf originalgetreu umgesetzt werden könnte.

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Zudem plant der Bremische Deichverband Hochwasserschutzmaßnahmen an der Schlachte erst in gut drei Jahren, also ergäbe sich der erhoffter Synergieeffekt mit dem Bau des Mahnmals, der früher starten soll, nicht. „Wir wollen den bisherigen Kompromiss des Standorts an der Schlachte nicht infrage stellen, aber wir würden ihn gerne erweitern“, sagte Bleyl.

Ganz so einfach geht das aber nicht. Eine „Entwurfsunterlage Bau“, wie sie derzeit für den Schlachtestandort erstellt wird, also ein Entwurfsplan inklusive genauer Kosten (derzeit geschätzt 660 000 Euro) auch für die Tiefermauer zu erstellen, würde laut Staatsrätin Carmen Emigholz (SPD) etwa 60 000 Euro kosten. Zudem würde mit einem zweiten großen Prüfauftrag der bisherige Beschluss zumindest teilweise negiert. „Ich warne vor einem, Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln'. Wir haben bereits einen klar vorgegebenen Verfahrensweg“, sagte Emigholz in der Deputationssitzung.

In diesem liegt aber nun auch die Lösung, weil er sozusagen sowieso eine „Notbremse“ beinhaltet. Der Beschluss für die Vergabe des Entwurfsplans vom September 2018 sieht nämlich vor, dass sowieso erneut entschieden wird, „inwieweit die Maßnahme realisierbar sein wird oder ob abweichende Kosten finanziert werden müssen“, wenn die Ergebnisse vorliegen.

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In der Zwischenzeit sollen sich, das war schnell Konsens zwischen allen Fraktionen, die Ressorts Kultur und Bau „auf Arbeitsebene“, also ohne großen offiziellen und finanziellen Aufwand, über mögliche Vor- und Nachteile des Tieferstandorts verständigen. Falls sich bei der Prüfung des Schlachtestandorts dann tatsächlich gravierende Nachteile ergeben, hätte man bereits eine Alternative in der Hinterhand. Auch der Bauausschuss des Beirats Mitte hatte sich am Montagabend im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung für eine Prüfung des neuen Standorts ausgesprochen.

„Wichtig ist, dass wir alle an einem Strang ziehen und es nicht wieder eine dem Thema nicht angemessene Auseinandersetzung zwischen einzelnen Fraktionen gibt“, sagte Claas Rohmeyer, kulturpolitischer Sprecher der CDU. Auch Miriam Strunge (Linke) wünschte sich, dass der „Prozess nicht beschädigt werden“ solle. „Das Mahnmal muss kommen“, sagte sie. Mahnmalinitiator Bleyl kann mit dem ersten Ergebnis seines Vorstoßes auch ganz gut leben. „Ich freue mich, dass die Deputation auf unseren Vorstoß eingegangen ist. Die Ressorts gucken sich das jetzt an und verständigen sich. Ich denke, das war das, was möglich war.“

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