Gastkommentar über den Tag der Arbeit

Der 1. Mai ist zeitgemäßer denn je

Der 1. Mai steht in der Tradition der Arbeiterbewegung. Es gab Zeiten, in denen es untersagt war, an diesem Tag zu demonstrieren. Man traf sich dennoch mit einer rote Nelke im Knopfloch. Das ist auch heute das Zeichen für Solidarität.
01.05.2016, 11:54
Lesedauer: 2 Min
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Der 1. Mai steht in der Tradition der Arbeiterbewegung. Es gab Zeiten, in denen es untersagt war, an diesem Tag zu demonstrieren. Die Menschen trafen sich dennoch – jedoch ohne Fahnen und Transparente, da diese verboten waren. Statt dessen trugen sie eine rote Nelke im Knopfloch. Das ist auch heute noch das gemeinsame Erkennungszeichen, das Zeichen für Solidarität.

Heute gibt es die Nelke zum 1. Mai in moderner Form als Pin oder Anstecknadel. Neue Herausforderungen, die die Gesellschaft und Arbeitswelt verändern, sind hinzugekommen. Flexibilisierung und Entgrenzung von Arbeit – also zeitlich und räumliche Entkopplung – nehmen nicht gekannte Ausmaße. Arbeitsrechtliche und tarifliche Grundlagen laufen in den Betrieben immer öfter ins Leere. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stehen nicht selten im wahrsten Sinne des Wortes allein da. Hier sind wir alle – Gewerkschaften, Arbeitnehmervertretungen und Politik – gefordert die Mitbestimmung weiter zu entwickeln, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Auch in anderen, gesellschaftspolitisch wichtigen Feldern, wie der Geflüchtetenpolitik, findet eine Erosion der Grundordnung und eine zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft statt. Minderheiten aus der rechten Ecke greifen Schutzsuchende und deren Unterkünfte an. Sie versuchen, Angst und Hysterie in der Bevölkerung zu verbreiten, einzelne Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Dem stellen sich die Gewerkschaften entschlossen entgegen. Wir treten ein für Solidarität, Gerechtigkeit, Toleranz und Weltoffenheit. Wir engagieren uns für ein friedvolles und vielfältiges Zusammenleben. Wir gehen gegen Missstände in unserem Land vor, die nicht erst seit gestern soziale Gerechtigkeit verhindern. Unser Ziel sind gute Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle Menschen – am 1. Mai wie an jedem anderen Tag.

Der 1. Mai ist heute zeitgemäßer denn je. Insbesondere in Zeiten von Entgrenzungs- und Spaltungstendenzen in der Gesellschaft geht es darum, gemeinsam zu demonstrieren, zusammen zu stehen, für eine geeinte Position einzutreten. Aber auch darum, miteinander zu diskutieren, sich auszutauschen und verschiedene Perspektiven kennen zu lernen. Kurz gesagt: Solidarität zu leben und zu erleben!

Das Leitbild zum Tag der Arbeit lautet in diesem Jahr äußerst treffend: „Zeit für mehr Solidarität.“ Für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ist Solidarität der entscheidende Grundwert, der das Fundament unserer Bewegung bildet. Für uns ist es keine Floskel, dass wir nur gemeinsam stark sind. Nur eine solidarische Gesellschaft kann eine gerechte Gesellschaft sein. Und darauf kommt es in diesen Tagen ganz besonders an!

Zur Person:

Unsere Gastautorin studierte – nach einer Ausbildung zur Erzieherin – Diplom-Pädagogik in Bremen. Seit 2009 ist Düring Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bremen. Bei ihrer Wiederwahl 2014 erzielte sie ein Ergebnis von 100 Prozent.

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