Nierenspezialist betreut auf Kreuzfahrtschiffen ehrenamtlich Dialysepatienten 'Der Arzt reist mit'

St. Magnus. Ruheständler ist der Nordbremer Internist und Nephrologe Wolf Rieh seit eineinhalb Jahren. Seitdem ist er in der Welt herumgekommen. Er reiste auf der 'MS Deutschland', der 'MS Astor' und anderen Kreuzfahrtschiffen. Nicht zum Vergnügen, wie man meinen könnte, schließlich sind Kreuzfahrten bei Pensionären sehr beliebt. Der 63-jährige Nierenspezialist ist ehrenamtlich in bordeigenen Hospitälern auf einer speziellen Station als Dialysearzt tätig. Weil es die gibt, können auch erkrankte Menschen gut betreut und sicher ins Ausland reisen.
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Von Sylvia Wörmke

St. Magnus. Ruheständler ist der Nordbremer Internist und Nephrologe Wolf Rieh seit eineinhalb Jahren. Seitdem ist er in der Welt herumgekommen. Er reiste auf der 'MS Deutschland', der 'MS Astor' und anderen Kreuzfahrtschiffen. Nicht zum Vergnügen, wie man meinen könnte, schließlich sind Kreuzfahrten bei Pensionären sehr beliebt. Der 63-jährige Nierenspezialist ist ehrenamtlich in bordeigenen Hospitälern auf einer speziellen Station als Dialysearzt tätig. Weil es die gibt, können auch erkrankte Menschen gut betreut und sicher ins Ausland reisen.

Schon in den 1970-er Jahren hörte Rieh, der bis zu seiner Pensionierung 25 Jahre lang eine Praxis in Lesum betrieb und davor acht Jahre am Rot-Kreuz-Krankenhaus in der Neustadt tätig war, von den Dialyse-Stationen auf Kreuzfahrtschiffen. Nach dem Berufsleben übernahm er dann selber den Dienst. Er vertritt bei Bedarf den Arzt, der das Bordangebot etabliert hat.

Die Reise in diesem Sommer führte Rieh auf der MS Astor in den hohen Norden mit den Stationen Grönland, Island, Spitzbergen, Norwegen, Nordcap und Nordpolarmeer. Auch die Polarforscher des Alfred-Wegener-Instituts in Ny Alesund wurden besucht. An Bord traf er übrigens die Nordbremerin Susanne Neumann, Bridgeclub Bremen an der Weser, die seit vielen Jahren Bridgekurse auf Kreuzfahrtschiffen gibt. Der Hamburger Arzt Peter Rittich, laut Rieh 'der einzige Anbieter für Schiffsdialysen' unterbreitet das medizinisches Angebot. Auf diversen Kreuzfahrtschiffen hat er dafür gesorgt, dass die entsprechende Technik und das Personal, Ärzte und Schwestern, vorgehalten wird, um Patienten die Dialyse zu ermöglichen.

Reiseunternehmen organisieren die Kreuzfahrten mit dem Dialyseangebot an Bord für Menschen, deren Nierenfunktionen eingeschränkt sind, und die regelmäßig die Dialyse wahrnehmen müssen, also sich einer Blutwäsche unterziehen müssen. 'Die Reisen werden nicht in der Hauptsaison angeboten, sondern in der Randsaison und sind lange vorgeplant,' weiß Rieh.

Die Patienten werden wie sonst an Land in Krankenhäusern oder Praxen von erfahrenen Fachkräften betreut. 'Man braucht breit gefächerte Erfahrung', sagt Rieh, 'damit bei Notfällen eingegriffen werden kann'. Das nächste Krankenhaus sei eben nicht fünf Minuten entfernt. Er hatte auch schon bei seinen inzwischen vier Reisen Notfälle. Bei seiner jüngsten Fahrt habe es aber überwiegend nur Routine gegeben.

Eine gute Art zu reisen

Die Kosten für die Dialyse übernehmen die Krankenkassen. Praktisch sieht es so aus, dass die Urlauber tagsüber das Leben an Bord und das Ausflugsprogramm genießen können, abends und nachts wird dann im Hospital fünf Stunden lang dialysiert. 'Jeden zweiten Tag ist das erforderlich', sagt Rieh. Für Dialysepatienten sei das eine gute Art zu reisen. Das sei Lebensqualität. 'Der Arzt reist mit.' Die Patienten könnten fremde Länder sehen, müssten sich nicht vorher irgendwo anmelden, hätten keine Sprachprobleme. Auch erkrankte Menschen können ja durchaus in anderen Ländern Urlaub machen, müssen die Versorgung in einem Krankenhaus oder einer Praxis aber selber organisieren.

Für Wolf Rieh passt bei dieser Aufgabe für ihn selber alles zusammen. 'Man hat noch mit dem alten Beruf zu tun, trifft interessante Menschen und sieht andere Länder. Das macht Spaß.' Kennengelernt hat er inzwischen eine Vielzahl von Menschen, mit denen er sich teilweise lange unterhalten hat. Da er bei der Dialyse anwesend ist, um die Maschinen und den richtigen Verlauf der Dialyse zu kontrollieren und zu überwachen, hat man ja auch Zeit zum Plauschen. Rieh weiß zum Beispiel, weil ihn das Thema interessierte, nun eine ganze Menge über Schleiftechniken, um Präzisionszylinder herzustellen. Ein Ingenieur erklärte ihm bereitwillig seine Arbeit. 'Man wird nicht dümmer durch die Aufgabe', sagt Wolf Rieh.

Ab und zu guckt er dann auch mal 'das Traumschiff'. Die Sendungen werden ja bekanntlich an Bord der MS Deutschland gedreht. Rieh hat da Bekannte ausgemacht, die als Statisten in den Filmen mitwirkten. Prominenz hat er auch bei seinen Kreuzfahrten kennengelernt. Die Sängerin Ireen Sheer und Panikrocker Udo Lindenberg zum Beispiel. Von Lindenberg ist Rieh total angetan. 'Das ist ein ausgesprochen netter und sympathischer Mensch.' Da sein Einsatz den Bedürfnissen der Urlauber entsprechend abends und nachts gefordert ist, hat der Arzt Zeit, am Ausflugsprogramm teilzunehmen oder auf eigene Faust auf Entdeckungstour zu gehen. Er fotografiert dann auch und hat inzwischen Unmengen von Bildern von den verschiedenen Törns. Rieh kann noch nicht sagen, wann es wieder losgeht. 'Ich mache das ja auch nicht ständig', sagt er. Er möchte 'Freiräume fürs Leben haben'. Darum sei er ja in den Ruhestand gegangen.

Rieh war elf Jahre lang Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, nun ist er Ehrenpräsidiumsmitglied, 25 Jahre Vorsitzender des Sportärztebundes in Bremen und saß im Sport- und Verwaltungsrat des Landessportbundes. 'Ich engagiere mich auch bei den Lions', sagt er. Rieh ist Beauftragter für Integration für den Distrikt Nord-Westdeutschland und Bremen. Auf diese Aufgabe möchte er sich momentan wieder stärker konzentrieren.

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