Kommentar zum Castor-Transport

Falsche Zeit

Der Castor muss rollen. Daran gibt es keinen Zweifel. Deutschland muss seinen Atommüll zurücknehmen. Der Zeitpunkt ist aber falsch gewählt, meint Jürgen Hinrichs.
03.11.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Falsche Zeit
Von Jürgen Hinrichs
Falsche Zeit

Nordenham: Ein Castor-Behälter wird von dem Spezialschiff "Pacific Grebe" gehoben. Sechs Fässer mit hochradioaktivem Atommüll aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield sind mit dem Spezialschiff nach Deutschland gekommen.

Sina Schuldt / dpa

Der Castor wird rollen, das steht fest, nachdem die Strahlenfracht in Nordenham angekommen ist. Mit dem Zug geht es jetzt weiter zum Atommüll-Zwischenlager in Biblis, möglicherweise über Bremen. Der Transport ist mit einem ungeheuren Aufwand verbunden. Tausende Polizisten bewachen die Strecke – eine Massenveranstaltung, wenn man so will, zumal auch noch die Demonstranten hinzukommen. Passt das in diese Zeit? Nein, tut es nicht.

Die Landesregierung in Hannover hatte das Bundesinnenministerium darum gebeten, den Transport zu verschieben. Zu gefährlich, sagt sie; die Polizeigewerkschaft sieht das genauso. Weniger wegen der Castoren, eigentlich gar nicht. Der Grund ist die Pandemie, die Ansteckungsgefahr, wenn so viele Menschen zusammenkommen. Allein das brütende Warten in den Mannschaftswagen der Polizei. Auch wenn die Beamten dabei alle Masken tragen – gut ist das nicht.

Der Castor muss rollen, auch das ist wahr. Es gibt für Deutschland eine verbriefte Rücknahmepflicht. Der Zeitpunkt für den Transport ist aber denkbar schlecht gewählt.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+