Steinmeier besichtigt Denkort Bunker Valentin Der Besuch des Präsidenten in Bremen-Nord

Hoher Besuch in Bremen-Nord: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Mittwoch das Bauunternehmen von Jan-Gerd Kröger und den Denkort Bunker Valentin besichtigt.
28.02.2018, 10:06
Lesedauer: 4 Min
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Der Besuch des Präsidenten in Bremen-Nord
Von Michael Brandt

Es geht um junge Menschen an diesem Tag. Und um Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, um hier einen Neuanfang zu machen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist bei seinem Besuch in Bremen-Nord einem jungen Auszubildenden aus dem Kosovo begegnet, er hat einen 19-jährigen syrischen Ehrenamtlichen kennengelernt und hat am Denkort Bunker Valentin mit Junior-Scouts gesprochen.

Jan-Gerd Kröger begrüßt auf dem Hof seines Unternehmens den Bundespräsidenten. 38 Seiten, hat der Bauunternehmer und Handwerkskammer-Präses eben noch erzählt, war das Organisationspapier stark, das er zur Vorbereitung erhalten hat. Alles ist genau vorbereitet, alles läuft genau nach Protokoll. Die beiden Auszubildenden Ilja Stublla und Melanie Cordes stehen neben Kröger, als eine Polizeisirene auf der Ermlandstraße die Wagenkolonne ankündigt. Frank-Walter Steinmeier reckt den Kopf aus der Limousine und begrüßt Kröger mit einem kräftigen "Moin".

Wenige Augenblicke später sind schon Stublla und Cordes an der Reihe, führen vor, wie heute beim modernen Hausbau Mauern hochgezogen werden. Trotz der Kälte nehmen sich die Gäste die Zeit nachzufragen, lassen sich Einzelheiten erklären. Es geht an dieser ersten Besuchsstation um die Rahmenbedingungen der Ausbildung. Fünf bis sechs Praktikanten habe er im Jahr, sagt Kröger, viele seien aber nicht gut vorbereitet.

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Ilja Stublla, der aus dem Kosovo kommt, sei da ein anderes Beispiel. Der junge Mann habe als ehrenamtlichen Betreuer einen Handwerksmeister gehabt. "Handwerk war immer schon multikulti – das liegt in unserer Tradition", so Jan-Gerd Kröger. Das eigentliche Gespräch zwischen Bauunternehmer, Azubis und dem Bundespräsidenten findet dann im Firmengebäude statt, hinter verschlossenen Türen.

Besucherzentrum als willkommene Zwischenstation.

Während der Präsident noch in Blumenthal mit Maurer-Azubis spricht, streifen Polizeibeamte mit Spürhunden in Farge über das Areal am Denkort Bunker Valentin. 50.000 Quadratmeter hat allein der Bunker", errechnet Marcus Meyer, Leiter der Gedenkstätte. "Dazu kommen etwa 100.000 Quadratmeter Gelände." Etwa 30 Sicherheitskräfte seien unterwegs. Aus der Ferne beobachtet Astrid Lorenz aus Aumund das Geschehen. "Ich gehe hier gern mit dem Hund, und jetzt möchte ich den Präsidenten gern mal persönlich sehen", sagt sie und ergänzt: "Ich finde gut, dass er nach Bremen-Nord kommt."

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Als Steinmeier mit seiner Frau Elke Büdenbender an dieser zweiten Station des Tages eintrifft, sind die Sicherheitsbeamten nicht mehr zu sehen. Das Präsidentenpaar startet einen Rundgang mit Bürgermeister Carsten Sieling und anderen Vertretern aus Politik und Gesellschaft, darunter viele ohne Mützen und Handschuhe. Eisiger Wind fegt bei minus 10,5 Grad über das Gelände. Das beheizte Besucherzentrum ist daher eine willkommene Zwischenstation.

Hier lernen die Gäste den 19-jährigen Syrer Moaz Alrifaei kennen, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt, gut Deutsch spricht und zweimal im Monat im Infozentrum des Bunkers aushilft. Ohne ehrenamtliche Helfer sei das Projekt Denkort nicht zu stemmen, betont Thomas Köcher, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung.

Am interaktiven Medientisch erläutert Marcus Meyer schließlich ein Luftbild vom März 1943 und erklärt, wie gut die Alliierten über die Bunkerbaustelle informiert waren. Auch der Tag desBombardements im März 1945 sei "sehr berechnend gewesen". Elke Büdenbender erkundigt sich nach einem ausgewiesenen Massengrab. Der Winter 1941/42 sei extrem kalt gewesen und viele Strafgefangene seien gestorben, erklärt Marcus Meyer. "Man kann die Bunkerbaustelle nicht verstehen ohne das Lager." Es sei daher ein Ziel, die Baracken der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Meyer: "Und wir haben unglaublich viel Archivmaterial."

Junior-Scouts erklären Steinmeier die Betonmischanlage

Im Ruinenteil des Bunkers herrschen fast durchgängig acht Grad Celsius. Nach dem warmen Besucherzentrum scheint es zunächst kühl hier. Im Vergleich zu den Temperaturen jenseits der meterdicken Mauern ist es allerdings relativ warm. Draußen ziehen sich wartende Pressevertreter die Kapuzen über die Ohren, schließen Reißverschlüsse und treten von einem Fuß auf den anderen.

Umso erstaunlicher, wie geduldig die beiden Junior-Scouts Madelaine Schweinfurth und Finja Schäfermeier in der Kälte unterhalb der ehemaligen Betonmischanlage ausharren – in dünner Kleidung und mit leichtem Schuhwerk. "Wir sind aufgeregt und haben uns deshalb Stichpunkte gemacht", sagt die 14-jährige Madelaine. Souverän informieren die Schülerinnen das Präsidentenpaar kurz darauf über die katastrophalen Zustände im Bunker und untermauern die Schilderung mit dem Bericht eines Zeitzeugen.

Im Gedenken an die mehr als 1200 Toten legen Carsten Sieling und Frank-Walter Steinmeier zum Abschluss zwei Kränze am Mahnmal ab. Es sei wichtig, an die schrecklichen Taten zu erinnern, um zu verhindern, dass sie sich wiederholen, sagt Steinmeier. "Das gehört zur Geschichte unseres Landes und Bremens."

Dann verlässt der Bundespräsident Bremen-Nord und das Stadtgebiet. Nächste Station an diesem Tag: Bremerhaven.

Mehr über den Besuch des Bundespräsidenten in Bremen-Nord erfahren Sie im Liveblog:

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++ Dieser Artikel wurde am 1.3.2018 um 09.32 Uhr aktualisiert. ++

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