Die Naturgewalten verhindern einen Start des 70-jährigen Ausdauersportlers Jörg Hilbert Der Boston Marathon muss warten

Bremen. 'Wenn ich mir kein Bein breche, hält mich gar nichts vom Laufen ab', sagt Jörg Hilbert über sich und seinen Lieblingssport. Trotz Schnee und Eisglätte begann er im Januar mit dem Training für seine Teilnahme am Boston Marathon. Zwei Stürze, eine Rippenprellung im März und ein Magen-Darm-Infekt wenige Tage vor dem großen Ereignis im April hielten ihn nicht ab. 'Ich bin eben manchmal etwas leichtsinnig, aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich es auch durch', so Hilbert.
09.06.2010, 20:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Bremen. 'Wenn ich mir kein Bein breche, hält mich gar nichts vom Laufen ab', sagt Jörg Hilbert über sich und seinen Lieblingssport. Trotz Schnee und Eisglätte begann er im Januar mit dem Training für seine Teilnahme am Boston Marathon. Zwei Stürze, eine Rippenprellung im März und ein Magen-Darm-Infekt wenige Tage vor dem großen Ereignis im April hielten ihn nicht ab. 'Ich bin eben manchmal etwas leichtsinnig, aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ziehe ich es auch durch', so Hilbert.

Seine üblichen 40 Kilometer Training pro Woche erhöhte der 70-Jährige im Januar auf 180 Kilometer im Monat, im Februar lief er 250, im März 260 Kilometer. Auch seine Arthrose im rechten Fuß hat er weitgehend unter Kontrolle. Ein Jahr lang hatte er für die Teilnahme am Boston Marathon gespart. Der Lauf sollte der perfekte Abschluss seiner 14-jährigen Marathonkarriere sein. Flug und Hotel waren gebucht, und am Tag des geplanten Flugs war auch die Magenverstimmung ausgestanden.

Yogatraining zahlt sich aus

Doch dann machten Hilbert die Naturgewalten einen Strich durch die Rechnung. Eine riesige Wolke aus Vulkanasche legte ausgerechnet an dem Wochenende weltweit Flughäfen lahm. Als er freitags im Frankfurter Flughafen ankam, erfuhr er die enttäuschende Nachricht. 'Ich stand richtig unter Schock und war drei, vier Tage lang nicht ansprechbar', erzählt er. Seinen Abschied vom Marathon hat er nun um ein Jahr verschoben. Denn den Traum vom Boston Marathon will er sich auf jeden Fall erfüllen.

Statt in Boston ist Hilbert kurzerhand beim Hamburg Marathon gestartet und lief dort die mehr als 42 Kilometer in 4,24 Stunden. Und das, obwohl er auf Streckenabschnitten, die am Wasser entlang führten, immer wieder aus seiner Trance gerissen wurde. 'Ich laufe einen Marathon immer in Trance und reduziere dabei die Arbeit meiner Sinnesorgane auf das zum Laufen nötige Mindestmaß', erklärt Hilbert. Ab Kilometer 38 begann dann sein rechter Fuß zu schmerzen. Doch dem Umstand, aus der Trance gerissen worden zu sein, verdankt er vermutlich auch sein gutes Ergebnis. Hilbert: 'In Trance sucht der Körper automatisch das ideale Tempo, und das ist meist etwas langsamer als in wachem Zustand.'

Die Fähigkeit, sich in einen Trancezustand versetzen zu können, erwarb Hilbert durch jahrelanges Yogatraining. Die Disziplin, mit der er seinen Sport verfolgt, eignete er sich in den drei Jahren an, die er asketisch auf dem Land lebte und dort mit dem nötigsten an Essen und Trinken auskam. So wird er nun weiter trainieren, bis sich sein Traum vom Boston Marathon erfüllt.

Sechs bis acht Stunden in der Woche ist Hilbert auf den Beinen. Sein Trainingsgebiet ist meist der Werdersee. Wenn er zwischendurch ein 'Bergtraining' einbaut, läuft er die Autobahnbrücke bei Brinkum hoch und runter. Bis zum nächsten April will er versuchen, durch eine spezielle Fußhaltung beim Laufen seinen rechten Fuß zu disziplinieren, so dass er die 42 Kilometer schmerzfrei unterwegs sein kann.

Wenn er nicht läuft, skatet Hilbert etliche Kilometer. Außerdem trifft er sich gern mit seinen Laufkollegen von der Bremer Turnvereinigung (BTV) von 1877. Hier machte er 1996 das Sportabzeichen und blieb hängen, schloss sich dem Lauftreff Henschenbusch an und arbeitete seitdem kontinuierlich an Ausdauer und Schnelligkeit.

In der Vergangenheit versuchte sich Hilbert auch schon einmal als Triathlet. 'Aber nur weil ich eine Wette verloren hatte. Schwimmen und Radfahren sind eigentlich nicht mein Sport', erzählt er. Beim Schwimmen kam Hilbert als Letzter aus dem Wasser, und beim Radfahren ließ er lediglich zwei ältere Damen hinter sich. Beim Laufen machte er aber noch zehn Plätze gut.

Mit dem guten Ergebnis in Hamburg hofft er nun auf eine Einladung und eine Kostenübernahme durch die Veranstalter des Marathons in Boston. Denn 70-Jährige müssen eine Zeit unter viereinhalb Stunden vorlegen, um sich zu qualifizieren. 'Und hinterher möchte ich mit stolz geschwellter Brust durch Boston laufen', so Hilbert.

Zuvor möchte er allerdings noch einen weiteren Marathon laufen: Bekannte luden ihn ein, für einen verletzten Läufer beim Athen Marathon im Oktober einzuspringen. Eigentlich ist die Teilnahme an drei Marathons innerhalb von zwölf Monaten nicht üblich, da manchmal Überlastungserscheinungen auftreten - doch das schreckt ihn nicht ab. 'Einen Tag nach dem Hamburg Marathon habe ich schon wieder trainiert', sagt er lächelnd. Kaum vorstellbar also, dass dieser Mann tatsächlich seinen Ruhestand plant. Doch das bedeutet für ihn lediglich, keinen Marathon mehr zu laufen. Den Sport selbst will er ausüben, bis er 80 ist - mindestens. Und einige Halbmarathons will er bis dahin auch noch mitnehmen.

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