Bremer stiftet Familienvermögen

Stiftung soll Kinder unterstützen

Der Bremer Johann Ahten hat keine Nachkommen. Er möchte das Gros des Familienvermögens in eine Stiftung überführen, um Kinder aus bedürftigen Familien mit besonderer Gabe oder besonderem Hobby zu unterstützen.
10.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Stiftung soll Kinder unterstützen
Von Frauke Fischer

Eine Treuhand-Stiftung unter dem Dach der Bremer Bürgerstiftung hat Johann Ahten im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht. Er lebt seit den 1980er-Jahren in der Stadt und möchte mit der nach ihm und seinem Vater benannten Johann-und-Wilko-Ahten-Stiftung junge Bremerinnen und Bremer aus weniger privilegierten Familien unterstützen. Die Kinder und Jugendlichen brauchen bessere Bildungschancen. Da ist er sicher.

Eine erste Spende habe er, so der 69-Jährige, 2019 der Schule am Wasser in Bremen-Nord zukommen lassen. Damit wurde seines Wissens nach ein Musikprojekt unterstützt. „Das erscheint insofern auch sinnvoll, weil dadurch eine personelle Unterstützung der Kinder gewährleistet ist“, findet der Senior, der in der Östlichen Vorstadt wohnt.

„Wir leben in einer merkwürdigen Zeit“, stellt Johann Ahten fest. „Die Gewalt unter den Menschen nimmt zu, desgleichen nationalistische und ideologische Tendenzen. Undemokratische, narzisstische Autokraten werden in demokratischen Systemen gewählt, die Menschen neigen zu Verschwörungstheorien – siehe Corona – und zu einfachen Denkschablonen“, meint Ahten. Das Freund-Feind-Denken nehme überhand, die Zwischentöne fehlten.

Als eine Teilursache benennt Johann Ahten, dass viele Menschen kaum eine Chance hätten, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu entwickeln. „Der Gedanke beschäftigte mich, wie ich etwas dazu beitragen kann, dass alles ein wenig besser wird.“

Vermögen sinnvoll verwenden

Er selbst stammt aus einer Familie von Müllern in der ostfriesischen Stadt Norden. Sein Vater, ein Getreidehändler, legte seiner Erzählung nach den Grundstock für das Familienvermögen. Dieses wiederum bildet die Basis für die Johann-und-Wilko-Ahten-Stiftung. Das Familienvermögen solle nach seinem Tod zum größten Teil dort eingehen, berichtet Johann Ahten. Er lebt seit 1981 in Bremen, war hier als Psychiater tätig und hat selbst keine Kinder. „Irgendwann beginnt man, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Was kann ich tun, dass mein Vermögen auch nach meinem Tod noch sinnvoll weiter wirkt?“, habe er sich gefragt.

Er sei ein politischer Mensch. „Der Schlüssel heißt Stärkung des Selbstvertrauens bei Menschen, die wenig Chancen hatten, Selbstvertrauen zu entwickeln. Da kam mir die Idee zur Gründung einer entsprechenden Stiftung.“ Johann Ahten will „Kinder aus armen Familien fördern, die ein Hobby oder eine besondere Gabe besitzen, die sie ohne finanzielle Unterstützung nicht weiter verfolgen können.“ Dafür gibt es schon Förderrichtlinien. Und Treuhänderin ist die Bürgerstiftung Bremen. „Zu diesem Schritt habe ich mich entschlossen, da dadurch mein persönlicher Verwaltungsaufwand minimal ist und auch nach meinem Tod Kontinuität gesichert ist“, begründet der Bremer.

Noch seien nicht alle Einzelheiten geklärt. „Wie das Ganze praktisch gestaltet werden kann, muss ich im Laufe der nächsten Jahre erarbeiten und gegebenenfalls nachjustieren“, sagt Ahten und hofft dennoch auf Mithilfe. „Jeder kann durch Zustiftung und durch persönliche Beiträge, die unser Wissen und unsere inhaltliche Weiterentwicklung unterstützen, etwas tun.“

Weitere Informationen

Die Bürgerstiftung ermöglicht unter anderem Dienstleistungen für Treuhandstiftungen. Diese sind nur rechtlich unselbstständig, bestimmen ansonsten ihre Arbeit jedoch völlig selbstständig, informiert die Bürgerstiftung. Sie hilft bei der Gründung, indem sie bei der Formulierung der Satzung und der Abstimmung mit dem Finanzamt unterstützt, Buchhaltung, Steuererklärung und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt Näheres zu Treuhandstiftungen bei der Bürgerstiftung Bremen, online unter www.buergerstiftung-bremen.de oder telefonisch unter der Nummer 243 41 04.

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