Streifzug über das Universitätsgelände Der Campus der Uni Bremen ist verwaist

Sonst sind an der Uni zu dieser Zeit Tausende Studierende unterwegs – jetzt ist der Campus stark verwaist. Ein Streifzug über das Gelände der Bremer Universität.
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Der Campus der Uni Bremen ist verwaist
Von Sara Sundermann

Der Uni-Boulevard ist fast ausgestorben. Es sieht aus wie sonst in den Semesterferien. Kurzzeitig wartet ein halbes Dutzend Studierende darauf, dass die Uni-Bibliothek öffnet. Dann wieder sieht man einige Zeitlang niemanden außer ein paar jungen Männern in gelben Warnwesten.

Die Universität hat knapp 30 Wachleute engagiert, die auf dem Campus unterwegs oder an den Eingängen der Gebäude postiert sind. Sie weisen Menschen ohne Maske freundlich darauf hin, dass auf dem gesamten Uni-Gelände drinnen wie draußen Maskenpflicht herrscht. Sie bitten darum, dass man den Abstand einhält und sich beim Betreten jedes Gebäudes die Hände desinfiziert. Und sie protokollieren die Namen jeder Person, die nach drinnen kommt.

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„Zum Teil sind hier mehr Ordner als Studierende“, sagt Katharina Kuczmera, die Geo-Wissenschaften studiert und an der Uni ist, um ein Buch auszuleihen. „Es ist, als ob man in den Sommerferien in die Schule geht, ein bisschen gespenstisch“, beschreibt die 20-Jährige das Flair auf dem Campus. Die meisten ihrer Kurse finden nun digital statt. „Die Online-Lehre klappt besser, als ich dachte, viele Lehrende geben sich echt Mühe“, sagt sie. Seminare vor Ort hat sie kaum noch: „Gerade eben hatte ich noch eine Präsenzveranstaltung, aber wir haben darüber diskutiert, ob wir sie nun auch lieber Online machen, die Mehrheit war dafür.“

Laut Thomas Hoffmeister, Konrektor für Studium und Lehre an der Uni, waren in dieser Woche pro Tag etwa 400 bis 500 Studierende auf dem Campus. Insgesamt gibt es etwa 18.500 Studierende an der Uni, Doktoranden nicht eingerechnet. In einem normalen Semester finden etwa 7000 Lehrveranstaltungen statt. Wie viele Kurse derzeit überhaupt noch vor Ort statt finden, kann der Konrektor nicht sagen.

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Auch während der Seminare gilt nun für alle Maskenpflicht. Und über die Lernsoftware Stud-IP können Lehrende nur einen Teil ihrer Seminarteilnehmer zu einer Präsenzveranstaltung einladen. Nur diese bekommen einen QR-Code, mit dem sie über Scanner am Eingang der Uni-Gebäude Zugang erhalten. Dabei werden zugleich die Kontaktdaten digital erfasst, um sie im Fall einer Infektion ans Gesundheitsamt weitergeben zu können, erklärt Hoffmeister.

Verlassene Hörsäle

Mit ihren Vorkehrungen sei die Uni nun „erheblich sicherer als ein Geschäft oder ein öffentliches Verkehrsmittel“, glaubt der Konrektor. Er betont: „Wir sehen keine Veranlassung, noch mehr Präsenzveranstaltungen zu streichen.“ Allein: Möglicherweise schreitet die Digitalisierung der Kurse noch schneller voran, als der Konrektor ahnt. Unsere Suche nach einer Präsenzveranstaltung auf dem Campus jedenfalls gestaltet sich schwierig. Beim Veranstaltungsbüro nennt man uns drei Räume, in denen derzeit noch Lehre vor Ort stattfinden sollte. Doch alle drei sind verwaist, wir stoßen nur auf verlassene Hörsäle.

Und die ohnehin schon verschlungenen Wege speziell in den älteren Gebäuden der Bremer Uni werden durch die Corona-Vorkehrungen noch labyrinthischer. Denn es wurden alle Eingänge verriegelt, bis auf einen, den es zu finden gilt. So soll nachvollziehbar bleiben, wer das Gebäude betritt: An der einzigen offenen Tür sitzt ein Ordner. Hinaus geht es durch eine andere Tür, die nur als Ausgang nutzbar ist.

Eigenständiges Lernen

Wir stoßen bei unserem Campus-Streifzug vor allem auf Studierende, die zum eigenständigen Lernen an die Uni kommen. Zum Beispiel Jost Viebrock und sein Freund und Studienkollege Jakob Lehmann. Sie sitzen sich in einer Ecke des stark verwaisten roten MZH-Gebäudes mit ihren Laptops gegenüber. Wlan und Steckdosen, das ist die wesentliche Infrastruktur ihrer kleinen Bürogemeinschaft. Die beiden studieren Mathematik und steuern auf den Abschluss zu. Jost Viebrock arbeitet an seiner Masterarbeit. „Ich bin richtig froh, dass man diese Lerninseln noch buchen kann“, sagt der 25-Jährige. „Es ist sehr sehr leer an der Uni, ich bin mal gespannt, wie es nachher in der Mensa ist – heute gibt es Grünkohl, da wäre es normalerweise rappelvoll.“

Doch vor der Mensa bleiben mittags die Schlangen kurz. Eingelassen werden maximal 100 Personen mit Mensacard. Wer bar zahlt, bekommt an der Uni nur noch Essen zum Mitnehmen. „Viele Orte fehlen, Orte, wo man sonst miteinander reden kann“, sagt Studentin Inga Tiepermann. In den Cafeterien sind die Sitzbereiche gesperrt und die Stühle hoch gestellt. Die Uni ist derzeit kein Ort zum Verweilen mehr.

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