Katholische Kirche Bremen

Der Brückenbauer geht

Wegbegleiter aus Politik und Religionsgemeinschaften verabschieden den langjährigen Bremer Propst Martin Schomaker und würdigen sein Engagement für die Ökumene und den kulturellen Austausch.
28.06.2019, 18:23
Lesedauer: 4 Min
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Von Jakob Milzner

Wenn es nach Segenswünschen und Sympathiebekundungen geht, muss sich Martin Schomaker um sein Seelenheil wohl keine Sorgen machen. Der langjährige Propst in Bremen ist mit einer offiziellen Feierstunde im Willehad-Saal der St. Johannis Schule verabschiedet worden. Wegbegleiter aus Politik und verschiedenen Religionsgemeinschaften würdigten den 56-jährigen, der eine neue Aufgabe in Osnabrück übernimmt.

Besonders hervorgehoben wurde sein Engagement für die Ökumene. Edda Bosse, Präsidentin des Kirchenausschusses der Bremischen Evangelischen Kirche, bezeichnete Martin Schomaker als einen Partner und Brückenbauer, der seine Stimme stets für die Menschen am Rande erhoben habe. Sie lobte seinen „von Pracht, von Macht und Privilegien befreiten Blick nach vorn“, und dankte ihm für die gemeinsame Zeit. „Wie immer die Pegelstände waren – wir hatten gemeinsam guten Mut, nutzten die kurzen Wege, brachten uns ein und konnten mit fröhlicher Lautstärke aus den Gesangbüchern des jeweils anderen vom Blatt singen“, sagte Bosse.

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Auch die evangelische Rundfunkpastorin Jeannette Querfurth dankte ihm für die vertrauensvolle und herzliche Zusammenarbeit. Mit keinem anderen Kollegen habe sie in den letzten Jahren so viele Gottesdienste und Andachten vorbereitet, wie mit Martin Schomaker. „Ich bin eine leere Flasche“, zitierte sie aus einer Predigt Schomakers, „eine Flasche, die gefüllt wird von Gott mit guten Gaben“. So sei auch die gemeinsame Zeit eine leere Flasche gewesen, die durch die gute Zusammenarbeit mit sehr viel befüllt worden sei.

Vermittler zwischen Kirche und Politik

Innensenator Ulrich Mäurer erinnert sich mit Wehmut an die Zusammenarbeit mit Schomaker. Als Leiter des katholischen Büros in Bremen war es dessen Aufgabe, zwischen Religion und Politik zu vermitteln und dabei die Auffassungen der katholischen Kirche zu vertreten. Diese Stellung habe Schomaker genutzt, um sich für die Aufnahme von geflüchteten Menschen einzusetzen, sagte der Innensenator. So habe man mit den großen Kirchen und dem Verein Zuflucht schon vor zehn Jahren eine Einrichtung geschaffen, in der alle drei Monate über Flucht- und Asyl diskutiert werde. Auch 2015 habe sich Schomaker für die kurzfristige Organisation von Notunterkünften engagiert. Mäurer wünschte dem scheidenden Propst alles Gute für die neue Position in Osnabrück – einer „Stadt ohne erste Bundesliga“, wie der Innensenator unter dem Gelächter der Anwesenden stichelte – um gleich zu ergänzen: „Ich hoffe, Sie verzeihen mir diese ketzerische Bemerkung.“

Als „Allrounder und Weltbürger“ bezeichnete Sonja Glasmeyer, Leiterin des katholischen Kirchenamtes in Bremen, Martin Schomaker in ihrer Rede. So habe er seine „exzellenten Managementfähigkeiten“ im ansonsten eher protestantisch geprägten Bremen besonders unter Beweis gestellt, wo der katholischen Kirche Gläubige aus über 130 Nationen angehörten. Der interreligiöse und kulturelle Dialog habe Schomaker besonders am Herzen gelegen, sagte Glasmeyer.

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Der Bremer Landesrabbiner Shimon Netanel Teitelbaum und Elvira Noa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bremen, waren ebenfalls zur Verabschiedung des Propstes gekommen. Sie bedaure es sehr, Schomaker als Propst in Bremen zu verlieren, sagte Noa. „Es war eine wunderbare Zeit mit Herrn Schomaker und ein fruchtbarer Dialog – nicht nur auf Ebene der Religionen, sondern auch in der menschlichen Verbindung.“

Seelsorger für die Armen und Kleinen

Schomaker selbst übte sich in seiner Abschiedsrede in Demut. „Ich habe nicht alles richtig gemacht. Ich habe auch Menschen verletzt. Ich bitte die Menschen um Nachsicht, und mir das zu verzeihen“, sagte er. Er wolle das Lob annehmen, dabei aber nicht hochmütig werden. Schließlich sei er zuallererst „Seelsorger, mit den Menschen und für die Menschen – vor allem für die Armen und Kleinen“.

Vermissen werde er das bunte Zusammenleben der Kulturen, das typisch für die Situation in Bremen sei, sagte Schomaker im Gespräch nach der Veranstaltung. „Ich glaube schon, dass manches hier in Bremen gemacht und gelebt wird, was auf Dauer auch für andere Teile der Bundesrepublik Deutschland von Bedeutung ist. Das Zusammenleben der vielen Kulturen innerhalb unserer Kirche, das Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften, auch das miteinander im Gespräch sein, das gibt es anderswo sicherlich auch, aber hier hat es nochmal eine andere Dimension.“ Trotzdem freue er sich auf die neue Stelle in Osnabrück, wo er als Kind zur Schule gegangen sei.

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In seiner Zeit als Propst in Bremen setzte Schomaker nicht nur Akzente in der Ökumene und im interkulturellen Austausch, sondern vertrat zudem öffentlich progressive Thesen zu einem Wandel in der katholischen Kirche – etwa im Umgang mit dem Zölibat. So sagte er in einem Interview mit dem WESER-KURIER: „Das Zölibat ist nicht in Stein gemeißelt. Es braucht eine Debatte ohne Denkverbote und Ängste, um das Thema zu klären.“

Als Propst in Bremen war Schomaker bereits Teil des Bistums Osnabrück. In seiner neuen Funktion als Pfarrdechant wird er fortan noch enger mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode zusammenarbeiten, der ebenfalls zu der Verabschiedung nach Bremen gekommen war. „Er hat eine hohe Kompetenz, theologisch und auch in der Leitung von großen Aufgaben. Ich denke, dass das für uns eine große Bereicherung ist“, sagte Bode. Martin Schomakers Aufgaben als Propst in Bremen wird ab September Bernhard Stecker übernehmen, der aktuell noch als Pfarrer und Stadtdechant in Osnabrück tätig ist.

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