Maria Hermes sprach bei "Wissen um elf" über den Astronomen Wilhelm Olbers Der Ceres-Entdecker aus Arbergen

Altstadt. Um 1800 war der Bremer Wilhelm Olbers eine europäische Berühmtheit. In der Sandstraße stand bis 1920 sein Wohnhaus. Ein paar Häuser weiter, im Haus der Wissenschaft, sprach Maria Hermes bei der Wissenschaftsmatinee "Wissen um elf" über diesen berühmten Bremer. Im nach Wilhelm Olbers benannten Olberssaal berichtete sie über dessen bewegtes Leben.
04.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Solveig Rixmann

Altstadt. Um 1800 war der Bremer Wilhelm Olbers eine europäische Berühmtheit. In der Sandstraße stand bis 1920 sein Wohnhaus. Ein paar Häuser weiter, im Haus der Wissenschaft, sprach Maria Hermes bei der Wissenschaftsmatinee "Wissen um elf" über diesen berühmten Bremer. Im nach Wilhelm Olbers benannten Olberssaal berichtete sie über dessen bewegtes Leben.

Heinrich Wilhelm Matthias Olbers wurde 1758 in Arbergen geboren. Auf dem Gebiet der Astronomie war er eine wissenschaftliche Autorität. Zahlreiche bedeutende Leistungen mehrten seinen Ruhm. Bremen wurde so zu einem Zentrum dieser Wissenschaft. "Er war jedoch nicht nur Astronom, er war auch Arzt und betätigte sich in vielfältiger Hinsicht im öffentlichen Leben der Stadt", sagte Maria Hermes. Über Familie Olbers weiß die Kulturwissenschaftlerin bestens Bescheid, sie hat deren Nachlass an der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen erschlossen.

Astronomie wurde zu Olbers Zeiten eher als Spekulation denn als Wissenschaft angesehen. Das war nichts, womit man Geld verdienen konnte. So entschied sich Wilhelm Olbers für einen Brotberuf: Er wurde Arzt. Die Astronomie gab er aber nicht auf. Auch seine Doktorarbeit zum menschlichen Auge ist irgendwie eine Vermischung seines medizinischen Interesses und seines Interesses für Astronomie. Olbers war sehr diszipliniert. Als Arzt machte er vormittags Hausbesuche und empfing nachmittags Patienten in seiner Praxis, bis in die Nacht hinein saß er dann in seinem Zimmer und machte Himmelsbeobachtungen. "Es wird berichtet, dass Olbers sich jede Nacht nur vier Stunden Schlaf gönnte, um dieses immense Arbeitspensum bewältigen zu können", sagte Maria Hermes.

Der Arberger tauschte sich über seine Himmelsbeobachtungen sehr detailliert mit anderen Koryphäen aus und erörterte mit ihnen zentrale Themen der Astronomie. "Dieser Austausch war wichtig, um die tatsächliche Position, oder gegebenenfalls Bahn, von Himmelskörpern berechnen zu können", sagte Maria Hermes über den Briefwechsel der Wissenschaftler. 1797 wurde Wilhelm Olbers mit seiner einfachen Methode, Kometenbahnen zu berechnen, schlagartig in Fachkreisen bekannt. Mindestens 150 Jahre lang hatte die Methode Gültigkeit. Den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit erreichte er 1802 mit der Wiederentdeckung des Planeten Ceres. Dies wurde nicht nur in der Fachpresse, sondern auch in den Tageszeitungen besprochen. Und Olbers sollte weitere bedeutende Entdeckungen von Sternen und Kometen machen. Das Olberssche Paradoxon, das er 1823 formulierte, wurde in der Fachwelt jedoch zunächst kaum beachtet. Seine Leistungen wurden weltweit mit vielen Ehrungen gewürdigt - zu vielen. Bremische

Gelehrte durften damals nur eine gesetzlich vorgeschriebene Anzahl ausländischer Ehrungen annehmen - und ausländisch war alles, was nicht bremisch war. "Die Stadt Bremen musste somit eine eigene 'Lex Olbers', also ein eigenes 'Gesetz Olbers', erlassen, das ihm gestattete, diese diversen Ehrungen auch anzunehmen."

Die Medizin war für Olbers von geringer Bedeutung, dennoch war er auch hier sehr gewissenhaft. Er war ein Anhänger des "tierischen Magnetismus". Das ist eine Behandlungsmethode, die davon ausgeht, die Welt sei von einem Fluidum durchdrungen, das bei Kranken mit einem Magneten wieder ins Lot gebracht werden müsse. Sie wurde bei Symptomen der Hysterie angewendet. Zwischen 1811 und 1830 war Olbers auch politisch tätig. Anlässlich der Taufe des Sohns Napoleons wurde er 1811 aufgrund seiner Leistungen und Bekanntheit zu einem Vertreter Bremens in Paris bestimmt. Zudem engagierte er sich gesellschaftlich. Seit 1784 war er Mitglied der "Gesellschaft Museum" (heute "Club zu Bremen"), die sich der Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse verschrieb. Nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau gab Wilhelm Olbers 1820 die Medizin auf. Bis zu seinem Tod 1840 widmete er sich ausschließlich der Astronomie. Wilhelm Olbers einziger Sohn, der spätere Senator Georg Heinrich Olbers, blieb kinderlos.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+