Experten nehmen vor Beginn der Sturmflut-Saison die Hochwasserschutzanlagen in Bremen-Nord in Augenschein Der Deich ist sicher

Der Herbst ist die Saison der Sturmfluten. Für die Deiche kommt damit die Stunde der Wahrheit:
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Von Imke Molkewehrum

Der Herbst ist die Saison der Sturmfluten. Für die Deiche kommt damit die Stunde der Wahrheit:

Auf einer Strecke von etwa 13 Kilometern nahmen

Bremen-Nord. Die Hochwasserschutzlinie erstreckt sich auf einer Länge von rund 13 Kilometern vom Lesumsperrwerk bis zur nördlichen Landsgrenze in Rekum. Bei ungewöhnlich milden Temperaturen begutachtete die Deichschau-Delegation gestern den Zustand der Hochwasserschutzeinrichtungen. Das Fazit: Die Mauern, Spundwände und Erddeiche sind in gutem Zustand und können den Sturmfluten der kommenden Saison standhalten.

Alles andere wäre auch bedenklich. "Ohne die Deiche würden 90 Prozent des Bremer Stadtgebiets bei Sturmfluten absaufen", mahnt Wilfried Döscher vom Deichverband am rechten Weserufer. Schon unter normalen Bedingungen betrage der Unterschied zwischen Hoch und Niedrigwasser bei der Weser stadtweit 4,20 Meter. Bei Ebbe ist der Wasserstand 1,60 Meter unter Normalnull, bei Flut 2,50 Meter darüber. Während der Sturmflut am 9. November 2007 stieg das Wasser in Vegesack jedoch auf einen gefährlichen Rekord-Pegel von 5,05 über Normalnull.

"Wir haben die Nordsee durch die Weser-Ausbauten dazu eingeladen, bei Sturm mit voller Wucht nach Bremen zu kommen", erklärt Döscher, "und jetzt sind die Deiche für die Stadt lebensnotwendig." Jahrelange Erfahrung sei nötig, um zu wissen, was ein Deich leisten muss und Wasser anrichten kann. "Deiche sind keine Erdhaufen - das sind technische Bauwerke."

Mit Blick auf den Klimawandel haben Bremen und Niedersachsen inzwischen die Wasserstände neu berechnet und 2007 einen gemeinsamen Generalplan zum Küstenschutz erstellt. Während der kommenden 15 bis 20 Jahre gilt es, Hochwasserschutzanlagen zu verstärken. Allein für Bremen belaufen sich die Kosten auf 230 Millionen Euro. Investiert wird das Geld beispielsweise für den Deich zwischen Wasserweg und Farger Fähre. Hier beginnt der Deichverband ab 2014 mit den Bauarbeiten. Der Deich wird dann nicht nur einen Meter höher, sondern auch breiter und stärker. Betroffen sind davon auch die Anlieger, deren Grundstücke direkt an den jetzigen Deich grenzen. "Das ist im städtischen Bereich nicht immer konfliktfrei", weiß Döscher.

Die Verstärkung der Schutzanlagen läuft bereits seit 2009 auf Hochtouren. Aber für die Bauvorhaben gibt es jeweils nur ein kleines Zeitfenster vom 1. Mai bis 30. September. "Nur in Zeiten der Trockenheit können wir loslegen, weil der benötigte Kleiboden bei Regen glitschig wird und schmiert".

Allein für einen Kilometer Deichverstärkung werden 11 000 Kubikmeter Kleiboden benötigt. "Aber Kleiboden ist ein knappes Gut", so Döscher. Deshalb betreibe der Deichverband am rechten Weserufer eine Vorratshaltung. Wird beispielsweise beim Straßenbau Kleiboden entdeckt, hortet ihn der Verband. "Für jeden Kubikmeter, den wie dabei abgreifen, bleibt anderswo wertvolles Grünland erhalten, das wir sonst abgegraben hätten um an den Kleiboden zu gelangen."

Generell könne man Deiche nicht beliebig erhöhen, sagt Döscher, es werde bei den Baumaßnahmen aber möglichst so geplant und kalkuliert, dass langfristig eine abermalige Erhöhung um 75 Zentimeter realisierbar ist. "Erforderlich sind Erhöhungen auch bei den technischen Bauten wie Spundwänden oder Mauern. Auch hier werden bei Bedarf 75 Zentimeter zusätzlich betoniert oder geschweißt.

Eine Herausforderung ist der Hochwasserschutz am Kraftwerk Farge. Geplant ist, die Hochwasserschutzwand im Jahr 2014 um 30 Meter zurückzuversetzen. Dabei müssen die Betriebsabläufe berücksichtigt und eine ideale Schutzlinie gefunden werden. Die Delegation nahm gestern das Werksgelände in Augenschein, bevor sie ihren Weg über den Deich bis zum Bunker Valentin und später nach Rekum fortsetzte. Kontrolliert wird der Zustand der Deiche am rechten Weserufer regelmäßig durch rund 30 Deichgeschworene, die jeweils drei Kilometer überwachen und sofort Bescheid geben, sobald sie Ausspülungen oder Löcher bemerken. Döscher ist überzeugt: "Wir haben ein vorbildliches Sicherheitsniveau und die Deiche können den Sturmfluten der kommenden Saison standhalten."

Der Deich ist sicher

Experten nehmen vor Beginn der Sturmflut-Saison die Hochwasserschutzanlagen in Bremen-Nord in Augenschein

Zitat:

"Wir haben ein

vorbildliches

Sicherheitsniveau."

Wilfried Döscher, Deichverband

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